Erfolgsmodell Bürgerradwegbau
Gemeinsame Arbeit schafft Verbindungen in Lotte

Lotte -

Vor zehn Jahren, genauer gesagt, im Dezember 2008, war der erste Abschnitt des ersten Bürgerradwegs in der Gemeinde Lotte fertig: Der Regenbogenradweg an der Bergstraße reichte damals vom Neubaugebiet Bergstraße-Nord bis zur Einmündung der Atterstraße. Seitdem hat sich einiges getan. Aber die Arbeit geht weiter.

Donnerstag, 15.11.2018, 17:44 Uhr
Veröffentlicht: Donnerstag, 15.11.2018, 17:40 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Donnerstag, 15.11.2018, 17:44 Uhr
Die Aktivisten für den Bürgerradweg Hollage-Halen im Juni 2017. Bild rechts: Bürgerradwegbauer in Büren um den Initiator und damaligen Vereinsvorsitzenden Ulrich Schwabe (2. von links) und den früheren Lotter Bauauschussvorsitzenden Franz-Josef Lüger (2. von rechts) im Mai 2010.
Die Aktivisten für den Bürgerradweg Hollage-Halen im Juni 2017. Bild rechts: Bürgerradwegbauer in Büren um den Initiator und damaligen Vereinsvorsitzenden Ulrich Schwabe (2. von links) und den früheren Lotter Bauauschussvorsitzenden Franz-Josef Lüger (2. von rechts) im Mai 2010. Foto: Ursula Holtgrewe/Angelika Hitzke

Der Bürener Landwirt Ulrich Schwabe und seine Nachbarn hatten am 3. Dezember 2007 die „Interessengemeinschaft Bürener Regenbogenweg“ gegründet, um mithilfe des Bürgerradwegprogramms des Kreises Steinfurt einen sicheren Weg für Radfahrer, Fußgänger und Jogger von Büren nach Wersen zu schaffen.

In nur drei Sommern und drei Bauabschnitten gelang es ihnen, knapp drei Kilometer Asphaltband von Büren bis Wersen zu bauen. Dabei wurden die tatkräftigen Bürger, allen voran die Bürener Landwirte, aber auch Rentner und Frauen, die zum Beispiel den Verkehr an der Baustelle sicherten und für Verpflegung sorgten, von der Gemeinde und örtlichen Firmen mit Maschinen und Know-how unterstützt.

Im Sommer 2009 war der zweite Abschnitt bis zum Schmalkenweg fertig, Ende August 2010 der gesamte Regenbogenweg bis zum Feuerwehrhaus in Wersen – ein Jahr eher als gedacht. Im März 2011 übergab der Vorstand der Bürener Radwegeinitiative dann den Staffelstab an die Halener Bürger um Dirk Havermeyer und Hartmut Meyer . Aus der Regenbogenradwegeinitiative wurde der Verein Bürgerradweg Halen-Wersen-Büren.

Schon einen Monat später begannen die Arbeiten am „Radweg durch die Deewege“, der entlang der Halener Straße (Kreisstraße 23) von Wersen nach Halen führt. Der erste rund 650 Meter lange Abschnitt von der Bauerschaft Halen in Richtung Wersen konnte bereits im Oktober desselben Jahres offiziell eröffnet werden. Unter der Regie des Kreises folgte dann im Jahr darauf der Lückenschluss zwischen Gänsehügel und Wersen über die Bahngleise hinweg.

Schon damals hatten die ehrgeizigen Bürgerradwegbauer das Ziel, über die Landesgrenze hinweg auch eine Radweganbindung von Halen nach Hollage zu schaffen.

Der Kreis musste bereits die Verlegung und den Umbau der K 23 in der Ortsdurchfahrt Halen, der inoffiziell im Dezember 2017, und offiziell im April 2018 fertig war, und den damit verbundenen Bau des Rad-Gehweges bis zum Bahnhof Halen zu einem Großteil bezahlen: 2,4 Millionen Euro betrugen die Baukosten, die sich Land, Kreis und Gemeinde geteilt haben. Unter seine Regie fällt auch das immer noch ausstehende, 300 Meter lange Reststück des dritten Bürgerradweges in der Gemeinde Lotte, nämlich des Radweges an der Achmerstraße im Bereich der Dütebrücke zwischen Sonnenkamp und Mühlengrund.

Nach Fertigstellung des zweiten Deewege-Radwegabschnitts zwischen Halen und Gänsehügel Ende 2012 machte der Bürgerradwegverein im Frühjahr/Sommer 2013 an der Achmerstraße (K 15) zwischen dem Hof Meyer und dem Sonnenkamp gleich weiter. Trotz der Schwierigkeiten am Umspannwerk, wo der Kreis zunächst die Straße verbreitern musste, konnte der erste Bürgerradwegabschnitt an der Achmerstraße im Herbst 2014 eröffnet werden.

Bürgerradwegebauer in Büren um den Initiator und damaligen Vereinsvorsitzenden Ulrich Schwabe (Zweiter von links) und den früheren Lotter Bauauschussvorsitzenden Franz-Josef Lüger (Zweiter von rechts)im Mai 2010.

Bürgerradwegebauer in Büren um den Initiator und damaligen Vereinsvorsitzenden Ulrich Schwabe (Zweiter von links) und den früheren Lotter Bauauschussvorsitzenden Franz-Josef Lüger (Zweiter von rechts)im Mai 2010. Foto: Angelika Hitzke

Übrigens wurde im November 2014 dann auch der Pionier und Initiator der Bürgerradwege in Lotte, Ulrich Schwabe, zum Vorsitzenden der Bürgerradwegvereins Halen-Wersen-Büren gewählt. Er hatte schon damals im Interview eine Erklärung dafür, warum das Bürgerradwegprogramm im Kreis Steinfurt sich zu so einem Erfolgsmodell entwickelte: „Da haben wir die Erfahrung gemacht, dass wir unbürokratisch und schnell unsere Ideen und Planungen verwirklichen konnten. Niemand hat uns Steine in den Weg gelegt, obwohl der Weg an einigen Stellen im wahrsten Sinne des Wortes steinig war: Wir mussten uns durch Felsen quälen“, sagte er mit Blick auf die Anfänge mit dem Regenbogenweg.

Mit Förderung vom Kreis, Unterstützung von der Gemeinde, Spenden, dem Mindestmitgliedsbeitrag von 24 Euro pro Jahr, Sponsoring durch örtliche Firmen und der Tatkraft der ehrenamtlichen Helfer, die an etlichen Wochenenden zu Hacke und Schaufel griffen oder Bagger, Radlader und Trecker bewegten, wurde 2015 auch der 1200 Meter Lange Abschnitt vom Mühlengrund (Fasanenhof) bis zur Einmündung der Achmerstraße in die Bergstraße fertiggestellt. Er war noch vor dem Jahreswechsel befahrbar. Offiziell eröffnet wurde er aber erst im Herbst 2016.

Die Lücke, nämlich das vom Kreis zu bauende Reststück mit der Dütebrücke in der S-Kurve zwischen Mühlengrund und Sonnenkamp, ist auch jetzt, gut zwei Jahre später, immer noch nicht geschlossen. Immerhin: im kreiseigenen Radwegebauprogramm mit Landesförderung (70 Prozent Förderung) für 2018 ist der Neubau der Dütebrücke samt Radweglücke enthalten. Baubeginn durch den Kreis ist aber voraussichtlich erst 2019. Aber die Zwischenbilanz ist beachtlich: „Grob geschätzt zwischen neun und zehn Kilometer Radweg haben wir bis jetzt gebaut“, resümiert Urich Schwabe im November 2018.

Und die Aktiven legen die Hände noch lange nicht in den Schoß: Aus dem Bürgerradwegverein Halen-Wersen-Büren wurde im März 2017 der Verein „Bürgerradweg Hollage-Halen – Wir überwinden Grenzen.“. Zur Gründungsversammlung im Wersener Restaurant „Tennessee Mountain“ kamen 60 Bürger aus den beiden Ortsteilen, die nicht nur in zwei verschiedenen Gemeinden, sondern auch zwei Bundesländern liegen. Die Vermessungsarbeiten auf einem ersten, rund 700 Meter langen Teilstück an der L 109 sind bereits abgeschlossen; mit ersten Planungen wurde begonnen. Hauptproblem: Fünf Brücken, die über Stichkanal, Hase und Bäche führen, müssen auf der ohnehin engen Landesstraße überwunden werden.

Für einen Radweg an der rund 4,3 Kilometer langen Strecke vom Alt-Lotter Flotte-Lotte-Kreisel nach Osterberg bis zur Grenze Tecklenburg Leeden macht sich der Verein „Wir für Osterberg“ stark. Auch hier gibt es noch einige Hindernisse, etwa die Querungen über die A 30 und unter der A 1 hindurch, den Osterberger Mühlenbach, die felsige Böschung gleich hinter dem zentralen Kreisel und die Kreuzung Lengericher Straße/Münsterstraße/Hasberger Straße. Den Lottern und Osterbergern gab und gibt der Ulrich Schwabe den Tipp: „Gründet einen Bürgerradwegverein. Man hat Spaß dabei und hinterher viel mehr, als man vorher hatte.“

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