Urteil im Messerstecherprozess
Dreieinhalb Jahre Gefängnis

Lotte/Ibbenbüren -

Zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilte das erweiterte Schöffengericht Ibbenbüren jetzt einen 33-Jährigen aus Lotte.

Montag, 19.11.2018, 17:15 Uhr
Veröffentlicht: Sonntag, 18.11.2018, 15:36 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Montag, 19.11.2018, 17:15 Uhr
 Das Gericht ging mit seinem Urteil über den Antrag des Staatsanwalts hinaus, der sich für eine Haftstrafe von drei Jahren ausgesprochen hatte.
 Das Gericht ging mit seinem Urteil über den Antrag des Staatsanwalts hinaus, der sich für eine Haftstrafe von drei Jahren ausgesprochen hatte. Foto: Frank Klausmeyer

Es sah die gefährliche Körperverletzung in zwei Fällen und den Hausfriedensbruch auf das Gelände der Elly-Heuss-Begegnungsstätte in Büren im Juni 2017 als erwiesen an. Das Gericht ging mit seinem Urteil über den Antrag des Staatsanwalts hinaus, der sich für eine Haftstrafe von drei Jahren ausgesprochen hatte.

Für den Verteidiger war allein der Hausfriedensbruch unstreitig. Er sah die Tat, bei der sein Mandant mit Messerstichen einen 49-jährigen Lotteraner schwer und einen 26-jährigen Slowenen lebensgefährlich verletzt hatte, als „tragisches Unglück“. Er bezweifelte die Schlüssigkeit der Aussagen der Zeugen, die nicht alle alles gesehen hätten und zu der Gruppe der Familie und Freunde der Geschädigten gehörten. In beiden Fällen sah er den Sachverhalt nicht als erwiesen an und forderte für die zweite Tat, bei der der 33-Jährige dem 26-Jährigen ein Einhandmesser in den Bauch gestoßen hatte, einen Freispruch, weil sich sein Mandant vier Männern gegenüber gesehen und deshalb in Notwehr gehandelt habe.

Auch für die erste Tat, bei der der Lotteraner dem 49-Jährigen bei einer Rangelei insgesamt acht Mal mit seinem Messer in Gesicht, Rücken, Gesäß und Oberarm gestochen hatte, sah er keine gefährliche Körperverletzung, zielte aber auf einen minder schweren Fall, sollte das Gericht zu einer anderen Auffassung kommen.

Der 33-jährige hatte drei Stunden nach der Tat eine Blutalkoholkonzentration von 1,14 Promille.

Am dritten Verhandlungstag sagte ein Sachverständiger zur Schuldfähigkeit des Mannes aus. Der 33-jährige hatte in einer von seinem Verteidiger vorgetragenen Einlassung erklärt, er habe kaum Erinnerungen an die Tatnacht, weil er nach einem Zug um die Häuser mit einem 24-jährigen Bekannten betrunken gewesen sei. Der Sachverständige hatte für die Tatzeit einen Blutalkoholwert von ungefähr 1,7 Promille errechnet. Obwohl er damit deutlich unter der Zwei-Promille-Grenze für eine verminderte Schuldfähigkeit liege und trotz der Tatsache, dass er bei der Untersuchung vier Monate nach der Tat „einen psychisch gesunden jungen Mann“ vor sich gehabt habe, mochte er eine Beeinträchtigung von dessen Einsichts- und Steuerungsfähigkeit nicht ausschließen.

Das sahen der Staatsanwalt und das Gericht anders. Sie waren überzeugt, dass der 33-Jährige wusste, was er tat. „Sein Handeln war falsch, aber überlegt“, führte der Vorsitzende Richter in seiner Urteilsbegründung aus. Die von dem Sachverständigen angesprochene eventuelle retrograde Amnesie infolge einer Gehirnerschütterung schloss das Gericht. Da der dafür ursächliche Schlag auf den Kopf erst nachher erfolgt sei, sei es kaum nachvollziehbar, „dass er nicht gewusst haben will, was vorher gewesen war“, machte das Gericht deutlich.

Auch ein minder schwerer Fall kam mit Blick auf die beiden Taten und die Folgen für die Geschädigten und deren Angehörige nicht in Frage. Eine Ärztin hatte in ihrem rechtsmedizinischen Gutachten die schweren, respektive lebensgefährlichen Verletzungen der beiden Geschädigten erläutert. Von den psychischen Folgen für die beiden Männer und deren Angehörige, für die in der Tatnacht eine fröhliche Geburtstagsfeier ein schreckliches Ende nahm, konnte sich das Gericht an den drei Verhandlungstagen selber überzeugen. Die Geschädigten, die auch als Nebenkläger auftraten, weitere Zeugen und die Zuschauer standen nach knapp eineinhalb Jahren noch sichtlich unter dem Eindruck des Geschehens.

Für den 33-jährigen Familienvater, der sich in seinem letzten Wort vor dem Urteil bei den Geschädigten entschuldigte, kommen zur Freiheitsstrafe die Zahlung von 10 000 Euro Schmerzensgeld an den 49-Jährigen, von 15 000 Euro an den 26-Jährigen sowie die Übernahme sämtlicher Kosten des Verfahrens und der Geschädigten.

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