Schützenvereine wollen Imageberatung und neue Ideen
Das Ziel: Überleben

Lotte -

Jahrelang wurde auch in der Gemeinde Lotte nur im kleinen Kreis und abseits der Öffentlichkeit diskutiert, dass den fünf Schützenvereinen das Wasser zwar noch nicht bis zum Hals stehe, Brusthöhe aber längst erreicht sei. Einig sind sich alle Vorsitzenden: Die kommunale Vereinsförderung könnte zum Überleben beitragen.

Montag, 10.12.2018, 19:08 Uhr aktualisiert: 10.12.2018, 20:36 Uhr
Achtung, trinkende Schützen im Ort: Das Image, mit dem Schützenvereine zum Teil augenzwinkernd kokettierten, wie auf diesem Schild, schreckt vielleicht auch ab mutmaßen die Traditionsvereine. Beratung von außen soll helfen, die sie wieder attraktiv zu machen.
Achtung, trinkende Schützen im Ort: Das Image, mit dem Schützenvereine zum Teil augenzwinkernd kokettierten, wie auf diesem Schild, schreckt vielleicht auch ab mutmaßen die Traditionsvereine. Beratung von außen soll helfen, die sie wieder attraktiv zu machen. Foto: Carmen Echelmeyer

Die Vereinsförderung wurde vor zwei Jahren von der CDU-Fraktion beantragt mit dem Ziel, Vereine und deren Arbeit für die Allgemeinheit zu stärken. Die Förderung soll in der bevorstehenden Dezember-Ratssitzung verabschiedet werden. Darin enthalten auch ein Passus, dass Vereine, die Historie, Heimatpflege und benannte weitere Zwecke ausüben, aus dem Fördertopf Geld für Referenten beantragen können.

Die Überlegungen der Ratsherren Friedhelm Lange ( CDU ) als Ideengeber und Stefan Kunz (SPD) trug Kunz als Vorsitzender des Schützenvereins Osterberg von 1890 beim jährlichen Präsidententreffen vor.

Auf absteigendem Ast

„Die Schützenvereine repräsentieren etwa 800 bis 1000 Mitglieder. Gemeinsam mit den zahlenmäßig nicht konkret erfassten Partnern und Unterstützern kommt man da schnell auf 1400 Personen. Das sind rund zehn Prozent der Lotter Bevölkerung. Schützen sind nach den Sportvereinen die Mitglieder stärkste Gruppe in der Gemeinde“, errechnet Stefan Kunz.

„Schützenvereine befinden sich auf einem absteigenden Ast. Sie haben extreme Nachwuchssorgen, überaltern immer mehr und verkrusten zusehends, weil es wenig Innovation gibt, mit der man auf junge Menschen eingeht. Die grundsätzliche Haltung ist: Wir pflegen Tradition und alles muss sich unterordnen“, findet der Schützenvereinsvorsitzende deutliche Worte.

Schützen-Image aufpolieren

Stefan Kunz plädiert für ein Querdenken und dafür, das Image zu überdenken: „Schützen werden unweigerlich damit verbunden, dass sie trinkend am Brett stehen und uniformiert durchs Dorf marschieren. Wenn es wirklich das ist, was die Menschen abschreckt, dann müssen wir was ändern. Wichtig bleibt aber, dass jeder Verein eigenständig bleibt und seine Identität behält.“

Und da könne der Blick eines Moderators von außen hilfreich sein, der die Vereine auch individuell betrachte und möglicherweise Änderungen anregen könne – dabei aber berücksichtige, dass die Pflege von Traditionen, wie Schützenfeste und Aktionen für Mitglieder, ein wichtiger Bestandteil der Vereine ist, betont Kunz.

Ein Leitfaden könnte auch helfen, die in allen fünf Lotter Vereinen mehr oder weniger hohen vierstelligen Defizite der Schützenfeste abzuschmelzen, die derzeit die Rücklagen der Vereine auffressen. „Wir sind da auf dem Weg, weil wir die Feste seit diesem Jahr komplett in Eigenregie aufziehen“, berichtet Horst Kröner, Präsident des Schützenvereins Lotte von 1659. Das allerdings habe einige Mehrarbeit bedeutet, weil der Verein auf Anraten des Steuerberaters jeden Abend Einnahmen aus den ideellen und wirtschaftlichen Bereichen exakt getrennt abgerechnet habe, erklärt Kröner.

"Wir müssen jede Hilfe annehmen"

Die Unterstützung eines Externen fand umgehend Zustimmung im Vorstand des ältesten Vereins in der Gemeinde Lotte. „Wir setzen uns gern zusammen und schauen, was machbar ist. Wir müssen jede Hilfe annehmen. Ich stelle mir das so ähnlich vor wie bei Ikek (Integriertes kommunales Entwicklungskonzept)“, blickt Kröner voraus ins neue Jahr.

„Wir sind für neue Ideen offen“, erhofft sich auch Stefan Pieper, Vorsitzender des Allgemeinen Schützenbunds Botterbusch von 1952, Anregungen, damit sich der Verein für die Zukunft rüsten kann. Das in diesem Jahr aus Kostengründen geänderte Schützenfest mit kleinerem Zelt und anderer Aufteilung sei gut angekommen, resümiert Pieper und ergänzt: „Was fehlt, sind neue Mitglieder und Besucher des Schützenfestes.“ Bei den Zeltgästen sei der demografische Wandel sehr deutlich: „Die älteren Senioren kommen sonntags nicht mehr zum Kaffeetrinken, weil deren Bekannte fehlen.“

Verein muss Spagat leisten

Ohne Frage ist es eine große Herausforderung für die jungen Vereinsvorsitzenden, den Spagat zu schaffen, allen, insbesondere den Älteren, gerecht zu werden. Andererseits sind es die jungen Mitglieder, die die Zukunft der Traditionsvereine sichern. Dessen ist sich auch Marco Janning, Vorsitzender des Schützenvereins Dütestrand Wersen von 1664, bewusst. „Ich finde es super, dass wir Vereine etwas gemeinsam unternehmen werden. Es kann hilfreich sein, wenn uns ein Auswärtiger vor Augen hält, wo es hapert. Wir fünf Vereine sind uns einig in dem, was wir wollen: Überleben“, hofft der Vorsitzende des zweitältesten Lotter Schützenvereins auf Ideen Dritter.

Der Idee, sich mithilfe der Vereinsförderung Beratung von außen zu holen, kann auch Angelika Bunten vom Schützenverein Halen von 1952 – die einzige Frau unter den Lotter Schützenvereinsvorsitzende – nur zustimmen: „Ich bin seit 15 Jahren im Amt und finde es gar nicht schlecht, mal die Sicht eines Auswärtigen zu hören. Neue Ideen sind immer willkommen, denn alles, was uns helfen könnte, ein paar mehr Mitglieder und Besucher zu gewinnen, kann uns zum Überleben weiterhelfen.“

Deutlich bei der Befragung wurde: Kein Vorsitzender beabsichtigt, seinen Verein abzuwickeln und die Türen der Vereinsheime endgültig abschließen zu müssen. Sie alle wollen auch zukünftig mit allen Lotter Vereinen zur Lebensqualität in der Gemeinde beitragen.

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