Lottes Wehrchef zum Brandschutz unterm Tannenbaum
Damit das Fest nicht in der Katastrophe endet

Lotte -

„Advent, Advent, der Tannenbaum brennt“ – damit genau das nicht passiert, hat Lottes ehrenamtlicher Feuerwehrchef Marcus Prinz, im Hauptberuf als Beauftragter für Brandschutz und Feuerwehrangelegenheiten im Ordnungsamt der Gemeinde tätig, ein paar wichtige Hinweise, wie man der persönlichen Katastrophe vorbeugen kann.

Freitag, 21.12.2018, 18:00 Uhr
Damit die liebevoll geschmückte Weihnachtsdekoration nicht in Flammen aufgeht, gilt es, auf bestimmte Sicherheitsvorkehrungen zu achten. Echte Kerzen und trockene Zweige sind zusammengenommen ein Risiko.
Damit die liebevoll geschmückte Weihnachtsdekoration nicht in Flammen aufgeht, gilt es, auf bestimmte Sicherheitsvorkehrungen zu achten. Echte Kerzen und trockene Zweige sind zusammengenommen ein Risiko. Foto: dpa

Denn eine Katastrophe ist ein Wohnungsbrand, so man ihn nicht selbst bereits im Keim ersticken kann, in jedem Fall. Auch dann, wenn er von der Feuerwehr schnell gelöscht werden kann: Abgesehen von den Schäden durchs Löschwasser sorgen Qualm und Rauchgase dafür, dass die Wohnung anschließend zumindest vorübergehend unbewohnbar ist. Der typische Brandgeruch lässt sich laut Prinz nämlich auch mit Lüftern nicht restlos entfernen. „Die Brandgase sitzen überall in den Wänden, in den Möbeln – die kriegen Sie nicht raus. Da hilft nur renovieren!“

Damit es gar nicht erst so weit kommt, sollte jeder Bürger Vorsorge treffen: „Bei Weihnachtsbäumen und -gestecken mit Echtkerzen sollte man darauf achten, dass die Zweige nicht trocken und die Kerzenhalter nicht brennbar sind. Runtergebrannte Kerzen müssen rechtzeitig ersetzt werden.

Echte Kerzen sollten niemals unbeaufsichtigt brennen, erst recht nicht, wenn kleine Kinder oder Haustiere da sind“, betont der Fachmann und empfiehlt, sich für alle Fälle einen Fünf-Liter-Eimer Wasser neben den Baum zu stellen und/oder einen Feuerlöscher bereitzuhalten.

Aber keine Pulverlöscher wie noch vor Jahren: „Heute sind Schaumlöscher das Mittel der Wahl.“ Allerdings sollte man sich gleich bei der Anschaffung die Bedienungsanleitung durchlesen und einprägen, damit man dann im Ernstfall auch weiß, wie so ein Löschgerät anzuwenden ist.

Aber mit elektrischen Christbaumkerzen ist man doch auf der sicheren Seite, oder? „Ja, das ist schon sicherer“, bestätigt der Brandschutzexperte, „aber man sollte auf das GS-Zeichen achten. Auch wenn die Lichterkette dann einen Euro teurer ist.“ Das GS- oder CE-Zeichen ist das Siegel für geprüfte Sicherheit.

Fällt bei der Lichterkette ein Lämpchen aus, sollte man es zudem nur gegen ein mitgeliefertes Ersatzlämpchen austauschen. Das gelte auch für LEDs, die zudem noch energiesparend seien, sowie für alle Elektrogeräte. Letztere sollte man nach Benutzung ganz ausschalten und nicht im Stand-by-Modus lassen.

Ob echte Kerzen wie am Adventsgesteck im Vordergrund oder elektrische Lichterkette wie am Weihnachtsbaum im Rathausfoyer: Lottes Feuerwehrchef Marcus Prinz weiß, worauf es ankommt, um Bränden vorzubeugen.

Ob echte Kerzen wie am Adventsgesteck im Vordergrund oder elektrische Lichterkette wie am Weihnachtsbaum im Rathausfoyer: Lottes Feuerwehrchef Marcus Prinz weiß, worauf es ankommt, um Bränden vorzubeugen. Foto: Angelika Hitzke

Effektiv, wenig aufwendig und dazu kostengünstig seien die Anschaffung einer Löschdecke, die zudem, auf DIN-A4-Format zusammengefaltet, kaum Platz wegnimmt, und vor allem das Anbringen von Rauchmeldern. „Rauchmelder haben schon viele gute Dienste geleistet und Menschenleben gerettet – und das ist nur eine kleine Investition“, sagt Lottes Feuerwehrchef. In Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen sind sie gesetzlich vorgeschrieben, allerdings nur für Kinderzimmer, Schlafzimmer und Flure, die als Fluchtwege dienen.

Sinnvoll wären sie laut Prinz aber auch in Wohnzimmer und vor allem Küche: Denn 40 Prozent aller Brandschäden haben ihren Ursprung in der Küche, hat das Institut für Schadenverhütung und Schadenforschung der öffentlichen Versicherer (IFS) in Kiel bei einer Überprüfung der häufigsten Brände festgestellt.

Da beim Kochen viel Dampf entsteht und sich auch Qualm in der Küche verbreitet, wenn mal das Gulasch zu scharf angebraten wird, sollte in der Küche aber ein Rauchmelder installiert werden, der auf Hitze statt auf Rauch reagiert. „Ich finde, dass man sich diese Sicherheit gönnen sollte“, meint der Fachmann.

Besonders gefährlich ist es, wenn eine Pfanne mit Öl Feuer fängt. Hat sich Fett entzündet, niemals versuchen, die Flammen mit Wasser zu löschen: Da Wasser sekundenschnell verdampft, wird es zusammen mit dem siedend heißen Fett quasi aus der Pfanne gerissen. Solche Fettexplosionen können schwerste Brandverletzungen zur Folge haben und die hochschlagenden Flammen im Nu auf die Dunstabzugshaube übergreifen.

„Am besten den Deckel von der Seite her auf die Pfanne schieben, weil dann die Verletzungsgefahr geringer ist, und gleichzeitig die Pfanne von der Feuerstelle ziehen. Dann den Herd ausschalten“, rät Marcus Prinz im Fall des Falles. Mit dem Deckel könne man die Flammen oft ersticken. Auch eine Löschdecke in der Küche griffbereit zu haben sei eine gute Idee.

Keine gute Idee hingegen ist es nach seinen Worten, bei einem gerade mit eigenen Mitteln scheinbar gelöschten Brand wegen des Qualms alle Fenster und Türen aufzureißen: Die plötzliche Sauerstoffzufuhr kann einen Schwelbrand erneut anfachen. „Dann habe ich sofort wieder einen Vollbrand“, so der Feuerwehrprofi. Das gilt, solange die Brandstelle noch heiß oder auch nur warm ist.

Ob Kachelofen oder offener Kamin – auch hier sollte man nach den Worten von Marcus Prinz geeignete Löschmittel – etwa einen Eimer mit Sand – griffbereit haben und nur geeignetes, abgelagertes Holz verfeuern. Für offene Kamine gibt es engmaschige Funkenschutzvorhänge oder -gitter. Und bevor man ins Bett geht, sollte das Feuer erloschen sein. „Selbst ist der Bürger“, fasst Prinz die nötigen Vorsorgemaßnahmen zusammen.

Die Lotter Bürger scheinen das in letzter Zeit zu beherzigen, denn laut Marcus Prinz gab es im vergangenen Jahr über die Weihnachtsfeiertage keinen einzigen Einsatz für die Lotter Wehr und im Jahr davor lediglich einen Fehlalarm. Dafür hätten Rettungsdienste und Krankentransportfahrten zugenommen.

Auch Silvester ist der „Klassiker“, nämlich ein Dachstuhlbrand durch eine fehlgelandete angeschossene Rakete, schon eine ganze Weile her. Es seien auch dann eher Brände in Müllcontainern zu löschen. „In den letzten zwei Jahren ist es ruhiger geworden“, sagt Lottes Feuerwehrchef, betont aber zugleich die Einsatzbereitschaft der Wehr über die digitale Alarmierung: „Wir sind selbstverständlich auch an Silvester für die Bürger da und personell gut aufgestellt in beiden Löschzügen.“

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