Veronika Neigel ist „Foodsaverin“
Essen vor der Tonne retten

Westerkappeln/Lotte/Mettingen -

In den Kochtöpfen von Veronika Neigel und auch in denen ihrer sämtlichen Nachbarn garte kürzlich mehr oder weniger zeitgleich Brokkoli vor sich hin. Den hatte sie bei ihrer letzten Tour „erbeutet“. Neigel ist „Foodsaver“, also eine sogenannte Lebensmittelretterin, die praktisch alles Essbare, das noch genießbar ist, vor dem Wegwerfen rettet. Jetzt will sie in Lotte, Westerkappeln und Mettingen Essensretter mobilisieren.

Mittwoch, 16.01.2019, 16:48 Uhr aktualisiert: 16.01.2019, 18:51 Uhr
Veronika Neigel will für Westerkappeln, Lotte und Mettingen eine Foodsaving-Gruppe gründen. Hierfür ist die Bürenerin auf die Hilfe von Ehrenamtlichen angewiesen.
Veronika Neigel will für Westerkappeln, Lotte und Mettingen eine Foodsaving-Gruppe gründen. Hierfür ist die Bürenerin auf die Hilfe von Ehrenamtlichen angewiesen. Foto: Katja Niemeyer

In den Kochtöpfen von Veronika Neigel und auch in denen ihrer sämtlichen Nachbarn garte kürzlich mehr oder weniger zeitgleich Brokkoli vor sich hin. Die Bürenerin war mal wieder auf Tour gewesen. Bei einem Gartenbaubetrieb der Fachhochschule Osnabrück hatte man ihr eine Tonne des gesunden, grünen Gemüses in ihr geräumiges Auto geladen. Veronika Neigel verteilte die „Beute“ in der Nachbarschaft und hatte damit ihre Mission erfüllt: Der Brokkoli war gerettet.

Natürlich wurde er damit nicht vor dem Verzehr bewahrt, sicherlich aber vor der Mülltonne. Veronika Neigel ist „Foodsaver“, also eine sogenannte Lebensmittelretterin, die praktisch alles Essbare, das noch genießbar ist, vor dem Wegwerfen rettet. Seit rund anderthalb Jahren gehört sie der Osnabrücker Gruppe der bundesweiten Organisation Food­sharing an. Jetzt will sie in Lotte, Westerkappeln und Mettingen Essensretter mobilisieren.

Neue Mitstreiter

Der Anfang ist bereits gemacht. Die Mutter von vier Kindern hat eine Facebook-Gruppe eingerichtet, in der sich innerhalb von zwei Wochen mehr als 150 Interessierte registrierten. „Und es kommen immer noch Neue hinzu“, berichtet die 40-Jährige.

Bevor sie eine offizielle Foodsharing-Gruppe gründet, benötigt sie aber noch verlässliche Mitstreiter, die zum Beispiel den Transport der Lebensmittel von den Supermärkten und Bäckereien zu den Verteilerpunkten – im Foodsharing-Jargon werden sie „Fair-Teiler“ genannt – übernehmen. Zwei ehrenamtliche Helferinnen stehen jetzt schon auf ihrer Liste, mit weiteren ernsthaft interessierten Bürgern sei sie in Kontakt.

„Im Idealfall bleibt nichts übrig."

Gemeinsam könnten sie künftig dafür sorgen, dass in Westerkappeln, Lotte und Mettingen weniger Lebensmittel verschwendet werden. Um nicht mehr, aber auch um nicht weniger geht es. „Im Idealfall bleibt nichts übrig. Das ist unser Hauptziel“, sagt Veronika Neigel, wohl wissend, dass sie es wohl niemals ganz erreichen wird.

Foodsharing

Foodsharing ist eine bundesweite Initiative, die sich gegen Lebensmittelverschwendung engagiert, indem sie ungewollte und überproduzierte Lebensmittel in privaten Haushalten sowie von kleinen und großen Betrieben rettet. Die Aktivitäten laufen in erster Linie über die Online-Plattform foodsharing.

Darüber hinaus versteht sich die Organisation als bildungspolitische Bewegung und fühlt sich nach eigenen Angaben nachhaltigen Umwelt- und Konsumzielen verpflichtet.

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Denn irgendwas wird immer in der Tonne landen. Womöglich sogar etwas von der Ware, die sie an diesem Morgen auf dem Tisch in ihrer Küche ausgebreitet hat – obschon alles noch genießbar ist. Die Paprikaschoten haben zwar ein paar Dellen. Das Mindesthaltbarkeitsdatum von der Schokolade ist abgelaufen. Und die Blätter des Salatkopfes sind schon etwas schlaff. Das hindert Essensretter wie Veronika Neigel aber nicht daran, die Ware genussvoll zu vertilgen.

Verschiedene Verteilerpunkte

In der Osnabrücker Food­sharing-Gruppe hat sie sich zu einer sogenannten Betriebsverantwortlichen „hochgearbeitet“. In dieser Funktion fährt sie dreimal in der Woche Supermärkte und andere Betriebe an, mit denen die Organisation zusammenarbeitet, lädt die aussortierte Ware ein und steuert anschließend die verschiedenen Verteilerpunkte. An diesen Stationen stehen öffentlich zugängliche Kühlschränke, aus denen sich einerseits jedermann bedienen kann, die zugleich aber auch jederzeit befüllt werden können.

Gleichzeitig können die Kühlschränke aber zum Beispiel auch von Nachbarn mit Lebensmitteln befüllt werden, die noch genießbar sind, aber nicht benötigt werden – etwa mit den Resten vom Kuchen der Kaffeetafel oder mit dem übriggebliebenen Salat von der Party am Vortag, wie Veronika Neigel erläutert. Eine Win-Win-Situation: Der Spender muss kein schlechtes Gewissen haben, der Empfänger freut sich über gratis Lebensmittel.

Gutes Netzwerk

Manchmal kommt es aber auch vor, dass die Bürenerin ein Foto von der Ware in der Facebook-Gruppe oder auf der Plattform von Foodsharing postet. „Wer Interesse hat, meldet sich dann bei mir persönlich und kommt zum Abholen vorbei.“ Die Abholung und Verteilung funktioniere vor allem wegen eines sehr gut ausgebauten Netzwerkes, betont Neigel. So seien etwa in der Foodsharing-Gruppe Osnabrück 260 Mitglieder registriert. Die Facebook-Gruppe zähle gar rund 4000 Mitglieder.

Vor allem aufgrund des Netzwerkes ist es möglich, auch mal kurzfristig einen großen Posten zu verteilen. Wie zum Beispiel kürzlich die 200 Berliner mit Eierlikör-Füllung, die eine Bäckerei den „Foodsavern“ überließ. „Da bin ich dann mit Sack und Pack durch die Nachbarschaft gezogen, um die Berliner vorm Verderben zu bewahren.“

Zum Thema

Kontakt: E-Mail: v.neigel@lebensmittelretten.de; Facebook-Gruppe Foodsharing Lotte, Westerkappeln, Mettingen und Umgebung

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