Cyber-Kriminelle werden immer professioneller
Porno-Masche: Erpressung am Computer

Greven -

Petra B. fühlte sich unschuldig. Sie habe Pornoseiten im Internet angesehen stand in der Email, die sie erhalten hatte. Man habe sie dabei gefilmt, aber mit ein paar Bitcoins lasse sich die Sache aus der Welt bringen. „Bitcoins?“, fragte sich die Hausfrau, „was ist das?“

Freitag, 18.01.2019, 11:45 Uhr aktualisiert: 18.01.2019, 12:06 Uhr
Cyberkriminalität nimmt zu. Hier sieht man das so genannte „IT Security Team“ der Fachhochschule Steinfurt, das an einem internationalen Hacker-Wettbewerb teilnahm.
Cyberkriminalität nimmt zu. Hier sieht man das so genannte „IT Security Team“ der Fachhochschule Steinfurt, das an einem internationalen Hacker-Wettbewerb teilnahm. Foto: Gunnar A. Pier

Petra B. zeigte diesen Fall von Online-Erpressung an. „Jeden Tag haben wir solche Meldungen auf dem Tisch“, sagt Kriminalhauptkommissar Berthold Griese aus Greven. Im Kreis Steinfurt nimmt die Zahl betrügerischer Attacken per Emails oder Telefon zu. „Die Täter“, so der Ermittler, „werden in Zukunft noch gezielter vorgehen, die Qualität der Angriffe steigt.“

Griese und sein Kollege Ingo Knobbe ermitteln auf einem Feld, in dem sich Opfer möglicherweise oft nicht melden. „Das ist schambelastet“, sagt er. Die Täter sitzen häufig im Ausland. Große Erfolge sind selten.

Vielfältige Maschen

Unlängst hat es immerhin die Osnabrücker Staatsanwaltschaft geschafft, mehrere Callcenter in Indien durchsuchen zu lassen. Es gab Verhaftungen. Hinter den Betrügereien stecken oft Profi-Unternehmen.

Die Maschen der Onlinebetrüger sind vielfältig. Immer noch häufig sind Anrufe scheinbarer Microsoft-Mitarbeiter, die auf Viren hinweisen. Die Opfer sollen sie auf ihre Computer lassen, dabei werden Daten abgefischt. Alles, was man arglos so gesammelt hat – bis zum eingescannten Personalausweis.

Berthold Griese gehört zu den Menschen, die an ihrem Laptops die Kamera zukleben. Paranoia? „Nein“, sagt er, „es gibt Fälle, wo durch Trojaner Kameras und Mikrofone freigeschaltet werden. Selbst Mark Zuckerberg von Facebook empfiehlt, die Kamera zuzukleben.“

Opfer sollen mit Bitcoins zahlen

Ermittlungen sind auch deshalb schwierig, weil die Cyber-Kriminellen ihre Opfer oft mit Bitcoins zahlen lassen. „In den Emails wird genau beschrieben, wie das geht“, sagt der Ermittler.

Bei der digitalen Währung kann man zwar teilweise Zahlungsverläufe nachvollziehen. Aber professionell arbeitenden Tätergruppen verstehen es, die Bitcoin-Daten in Dollars zu verwandeln. Teilweise gibt es auch die Masche, Opfer zum Kauf von iTunes-Karten zu verleiten. Deren Codes lassen sich per Mail oder am Telefon weitergeben.

Misstrauen hilft

Gegen die neuen Betrugsmaschen hilft vor allem eins: Misstrauen. „Das Wichtigste ist, sich selbst zu informieren“, sagt Griese, „das größte Sicherheitsrisiko ist immer noch der User selbst.“

Wer Auto fährt, nimmt Fahrstunden und benötigt einen Führerschein. Wer sich an einen PC setzt, sollte sich zumindest Grundwissen aneignen. Zahlreiche Internetseiten zeigen aktuelle Gefahren auf wie die Bundesanstalt für Sicherheit in der Informationstechnik (www.bsi.de), oder der Polizei ( www.polizei-beratung.de ).

Die Grevener Internet-Ermittler sind sich sicher: Die Arbeit geht nicht aus. „Die Phishing-Seiten“, sagt Griese, „werden immer besser, auch die Fake-Shops sind professionell gemacht.“ Die Zeiten, wo man Betrugsmails am holprigen Deutsch erkennen konnte, sind vorbei. Die Profis nehmen einfach gute Dolmetscher.

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