Halener Landwirte planen Stallneu- und Umbauten / Mehr Platz für Sauen und Ferkel
Die Zukunft der Schweinehaltung

Lotte-Halen -

Auch Schweinehalter in der konventionellen Landwirtschaft bemühen sich, ihren Tieren mehr Platz und Komfort zu bieten – jedenfalls in Halen. Der Halener Landwirt Hartmut Meyer und sein Sohn Nils haben große Pläne für die Sauenhaltung und Ferkelproduktion.

Donnerstag, 17.01.2019, 18:26 Uhr aktualisiert: 17.01.2019, 18:30 Uhr
Die jetzigen Abferkelbuchten sind sowohl für die Muttersau, als auch für die Ferkel zu klein.
Die jetzigen Abferkelbuchten sind sowohl für die Muttersau, als auch für die Ferkel zu klein. Foto: Angelika Hitzke

Der Betrieb Meyer arbeitet in enger Kooperation mit dem Betrieb des Bürener Sauenhalters Ulrich Schwabe und dem landwirtschaftlichen Betrieb von Bullenmäster Hendrik Stiegemeyer in Wersen. Alle drei Betriebe nutzen einen gemeinsamen Maschinenpark mit modernen, computergesteuerten Landmaschinen. Außerdem betreiben Schwabe und Stiegemeyer einen gemeinsamen Schweinemaststall mit 1200 Plätzen am Hunterorther Eschweg. Weitere 1924 Mastplätze hat die Halen Schweinemast KG von Hartmut Meyer und Hendrik Stiegemeyer an der Achmerstraße 17 neben der künftigen Hofstelle von Nils Meyer . Bislang hat nur Ulrich Schwabe über die Ferkelproduktion für den Wersener Maststall hinaus auch noch Ferkel auf dem freien Markt verkauft. „Er will aber 2019 aus der Sauenhaltung aussteigen“, erklärt Hartmut Meyer.

Ansonsten bilden die drei Betriebe mit ihrer Kooperation einen geschlossenen Kreislauf: vom Futteranbau über das Belegen der Sauen, das Abferkeln und die Ferkelaufzucht und die Mast bis zur Verwertung der Gülle ausschließlich auf Böden im Lotter Gemeindegebiet. Wenn die Ferkel 25 bis 30 Kilo wiegen, kommen sie in die Mast: „Die Ferkel, die ich hier produziere, gehen zu 100 Prozent in den Schweinemast-KG-Stall“, so Meyer. Das System habe den Vorteil, dass man die „ganz großen Preisschwankungen“ ausgleichen kann, die teuren Maschinen – selbst ein gebrauchter Trecker könne heute schon mal 160 000 Euro kosten – nur einmal angeschafft werden müssten und man sich gegenseitig unterstützen kann. So macht Hartmut Meyer zum Beispiel auch die Urlaubsvertretung für Sohn Nils im Maststall und umgekehrt. Ein weiterer entscheidender Vorteil ist, dass aufgrund der geschlossenen Kreisläufe auf die Behandlung mit Antibiotika – außer im Einzelfall – weitestgehend verzichtet werden könne, so Hartmut Meyer.

Er selbst hält derzeit 230 Sauen, und zwar überwiegend in Gruppenhaltung – in der Vergangenheit Achtergruppen. In Kastenständen befinden sich nur noch die für den Schlachter aussortierten Tiere oder kranke Sauen, die tierärztlich behandelt werden müssen. Da die Ställe über 25 oder sogar 30 Jahre alt seien und deshalb ohnehin eine Renovierung anstehe, haben sich Vater und Sohn auch im Hinblick auf neue gesetzliche Bestimmungen und die Zukunftsfähigkeit ihrer Hof­stellen zu Um- und Neubau der Ställe entschlossen, sodass die Tiere künftig mehr Platz haben werden.

„Bei den Sauen kommen die Kastenstände ganz weg“, erläutert der Halener Landwirt, „die Gruppengröße wird auf 40 bis 60 Tiere umgestellt.“ Auslauf und mehr Platz sollen dafür sorgen, dass die Tiere fitter sind; der Wechsel zwischen Betonspaltenböden, Kunststoffböden und beheizten Flächen mit geschlossenem Boden für besseren Klauenabrieb und die Unterteilung in Fress-, Lauf- und Liegebereiche sorgen, mehr Raufutter und Spielzeug für weniger Rangkämpfe. Denn die seien der Nachteil der Gruppenhaltung: „Es gibt auch aggressive Sauen, die abgesondert werden müssen und sich nicht integrieren. Die kommen dann nach dem Abferkeln zum Schlachter. Aber in der Regel ist nach zwei bis drei Tagen die Hierarchie klar, und die Kämpfe sind vorbei“, so der Sauenexperte. Der alte Ferkel-Aufzuchtstall, so kündigt er an, wird komplett abgerissen und an der Hofstelle von Nils Meyer neu gebaut. Die Zahl der Sauenplätze werde auf insgesamt 350 aufgestockt. Nach Aufgabe der Sauenhaltung von Ulrich Schwabe sind das also weniger Sauen als jetzt. „Die Tiere bekommen 40 Prozent mehr Platz als aktuell vorgeschrieben“, so Meyer.

Der erst vor wenigen Jahren erneuerte Abferkelstall werde entkernt und innen so umgebaut, dass die Abferkelbuchten von jetzt fünf auf sieben Quadratmeter vergrößert und geöffnet werden können, sodass sich Sau und Ferkel ab zwei Tagen nach der Geburt frei bewegen können. Fußbodenheizung und Infrarotlampen sorgen auch schon jetzt für wohlige Wärme im Abferkelstall, auch geöffnet werden können die Buchten schon. „Aber der Platz ist zu klein, sowohl für die Sau als auch für die Ferkel“, hat der Halener Landwirt festgestellt.

Zusammen mit seinem Sohn Nils hat er sich auf Versuchsbetrieben, Messen und in Fachstudien informiert und sich für die Sieben-Quadratmeter-Lösung entschieden: „Wenn die Buchten größer sind, besteht die Gefahr, dass einzelne Ferkel sich verlaufen und unterkühlen, weil sie das Liegenest mit der Infrarotlampe nicht gleich finden“, erklärt er. Oder die Schwächeren finden nicht zum Gesäuge und werden von den kräftigeren Geschwistern in die Ecke gedrängt.

Ganz auf Gitter und Boxen verzichten könne er auch in Zukunft nicht: Bei der Besamung, also dem Belegen durch den Eber, sei eine Fixierung der Sauen ebenso nötig wie während des Geburtsvorgangs. Nach Hartmut Meyers Erfahrungen kommt es sonst nämlich nicht selten vor, dass die Sau beim oder direkt nach dem Abferkeln ihre Jungen erdrückt.

Auch die Ferkel haben künftig mehr Platz. „Wir versuchen umzusetzen, dass die Ringelschwänze dranbleiben. Aber wir haben festgestellt, dass Stroh als Beschäftigung alleine nicht genügt.“ Spielsachen wie Bälle und Weidenstöcke in Hülsen zum Knabbern sollen ebenso wie mehr Raufutter ablenken und Abhilfe schaffen, sodass sich die Tiere nicht gegenseitig anfressen.

Weil der erhöhte Platzbedarf im alten Stallsystem nicht machbar sei und Schwabe die Sauenhaltung aufgibt, ist geplant, dass Nils Meyer neben dem vor sechs Jahren gebauten 2000-Quadratmeter-Maststall an der Achmerstraße einen Ferkelaufzuchtstall mit 2000 Plätzen neu baut. Mit der Genehmigung durch die Tecklenburger Außenstelle des Kreises Steinfurt rechne er jetzt im Januar oder Februar, dann könne der Bau im Sommer starten. Auf der Hofstelle, die sein Sohn von ihm gepachtet habe und zu der eigene Flächen für den Ackerbau gehören, würden die Ferkel dann vom Absetzen bis zur Mastreife von 30 Kilo gepäppelt. „Um das geschlossene System zu erhalten, müssen wir die Sauenhaltung aufstocken“, erklärt der Vater, „das heißt, wir werden den alten Ferkelstall komplett abreißen und dafür an der gleichen Stelle einen neuen Abferkelstall mit Freilaufbuchten bauen.“

Im Winter 2019/20 soll der alte Stall „leer gefahren“ und dann abgerissen werden. Anschließend folgt der Bau des neuen Abferkelstalls. Der jetzige Abferkelstall soll dann im Sommer 2020 entkernt und für die neue Gruppenhaltung umgebaut werden, sodass in zwei Jahren das gesamte Bauprojekt abgeschlossen sein wird: „Ziel ist, 10 000 Schweine im Jahr auf beiden Standorten, also Halen und Wersen, zu mästen – alles im geschlossenen System“, sagt Hartmut Meyer.

Inzwischen lebe mit ihm, seinem Vater, seinem Sohn und dem elfjährigen Enkelsohn und der fünfjährigen Enkeltochter die vierte Generation auf dem Hof an der Achmerstraße 25. „Auf der grünen Wiese neu zu bauen wäre billiger und ginge schneller“, sagt der Halener Landwirt und verweist darauf, dass von der Idee über die Planung und Begutachtung bis zur hoffentlich baldigen Genehmigung schon drei Jahre verstrichen seien, bis zur Umsetzung also insgesamt fünf Jahre vergehen. „Aber wir wollen ja die Hofstelle erhalten!“

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