Bürener Bauer erklärt, warum ein fairer Milchpreis wichtig ist
Kühe machen eine Menge Arbeit

Lotte -

Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) fordert nach dem Dürresommer 2018 faire Milchpreise. Rentable Erzeugerpreise müssten bei über 40 Cent pro Liter liegen. Das meint auch der Bürener Landwirt Piet Jongsma. Er erklärt, warum das wichtig ist und wie sich der Sommer auch auf die wenigen Milchviehbetriebe in der Gemeinde Lotte ausgewirkt hat.

Sonntag, 27.01.2019, 15:24 Uhr aktualisiert: 29.01.2019, 12:46 Uhr
Seine 95 Milchkühe muss Piet Jongsma zweimal am Tag melken und füttern. Dazu kommt die Versorgung der 15 bis 25 kurz vorm Kalben stehenden Kühe im gegenüber abgeteilten, mit Stroh ausgestreuten Trockensteherstall und der in Extraställen untergebrachten rund 80 Kälber.
Seine 95 Milchkühe muss Piet Jongsma zweimal am Tag melken und füttern. Dazu kommt die Versorgung der 15 bis 25 kurz vorm Kalben stehenden Kühe im gegenüber abgeteilten, mit Stroh ausgestreuten Trockensteherstall und der in Extraställen untergebrachten rund 80 Kälber. Foto: Angelika Hitzke

Seine 95 Milchkühe fressen pro Tag 5000 Kilo Futter, eine Mischung aus Kraftfutter, Mais und Grassilage. Dazu kommt das Futter für das Jungvieh, also rund 80 Kälber von 0 bis zwei Jahren, und für die „Trockensteher“, die sechs bis acht Wochen vor dem Kalben stehenden Kühe in der Babypause.

Für das Futter baut Piet Jongsma auf seinen Äckern Mais und Triticale an. Heu kommt von den eigenen Wiesen. Wegen der Dürre habe er 2018 bei Heu und Triticale „weniger als die Hälfte“ und beim Mais nur ein Drittel der normalen Menge ernten können. Zum Teil habe der Mais gar keine Kolben ausgebildet, und das Gras hatte so wenig Wasser, dass sich das Mähen kaum gelohnt habe. „Wenn es zu lange trocken ist, dauert es zu lange, bis das Gras wieder hochkommt, erläutert er.

Neben Mais für rund 20 000 Euro habe er deshalb fast 250 Wickelballen Grassilage aus Holland, wo es mehr Regen gab, zukaufen müssen, was noch einmal mit 7000 Euro zu Buche schlug – zusätzlich zu allen anderen Kosten. Denn der Bürener Bauer, der aus der Nähe von Leeuwarden in der nordholländischen Provinz Friesland stammt, bewirtschaftet den Hof seit der Trennung von seiner Frau alleine, nur mithilfe einer 450-Euro-Job-Kraft, die ihn als Melkerin vor allem an den Wochenenden und bei der Aufzucht der Kälber unterstützt.

Einen Melkroboter hat er noch nicht, auf seinem Hof wird das Melkgeschirr noch von Hand angelegt.

Da er selbst mindestens sechs Stunden täglich allein mit dem Melken und Füttern der Tiere beschäftigt ist, jeweils nach dem Melken, also zweimal am Tag, im Melkstall alles desinfizieren und natürlich Milchmenge, Fett-, Eiweißgehalt, Keim- und Zellzahl dokumentieren und die Buchführung am Computer erledigen muss, bleibt ihm für die Feldarbeit nur begrenzt Zeit. Zur genauen Analyse und Überprüfung sämtlicher Inhaltsstoffe in der Milch sowie der Eutergesundheit kommt jeden Monat ein Milchkontrolleur auf den Hof.

Für die übrige Arbeit auf dem Acker muss dann ebenso wie zum Beispiel für das Abpumpen der Güllegrube und das Ausbringen des Flüssigdüngers ein Lohnunternehmen bezahlt werden.

„Im Sommer habe ich noch einen Praktikanten von der Landwirtschaftsschule aus Holland hier“, erzählt Piet Jongsma. Seine eigenen, mittlerweile erwachsenen Kinder – das jüngste ist 18 – studieren und haben kein Interesse an der Landwirtschaft. Weder der Sohn noch die drei Töchter wollen den Hof übernehmen, den er selbst 2005 von seinem nach Ostdeutschland gegangenen Vorgänger übernommen hat.

Deshalb sucht der Bürener Milchviehhalter, der gerade 59 geworden ist, auch jemanden, der in seinen Betrieb zunächst als Partner in einer GbR mit einsteigt, um ihn später als sein Nachfolger zu übernehmen, wenn er in den Ruhestand geht.

Der aktuelle Grundpreis für den Liter Milch, den die Erzeuger bekommen, liege ohne Mehrwertsteuer bei 31,5 Cent je Liter, wenn die Milch einen Fettgehalt von vier Prozent und 3,4 Prozent Eiweiß hat, berichtet Jongsma. Insgesamt sind das knapp 37 Cent. Da die Milch seiner Kühe mehr Fett und Eiweiß enthalte, habe er zuletzt knapp 40 Cent bekommen: „Unter 40 Cent ist zu wenig. Man muss ja auch noch ein bisschen Geld zur Seite legen für Reinvestitionen“, erklärt der Landwirt.

Er habe jetzt die Baugenehmigung für eine Stallerweiterung für bis zu 135 Milchkühe und den Bau eines neuen Güllelagers und Futtersilos sowie der Auffanganlage der Sickersäfte daraus. Denn der Betrieb in Büren soll ja zukunftsfähig bleiben.

Ganz so dramatisch wie die AbL in ihrer Pressemitteilung sieht Piet Jongsma die Lage übrigens nicht. Die AbL hatte nach der ersten Januarwoche einen Preissturz auf 33 Cent pro Liter erwartet und betont, dass damit „der Ruin vieler weiterer Milchviehbetriebe in Kauf genommen“ würde. Im Moment sei der Milchpreis zwar immer noch „ein bisschen“ zu niedrig, aber stabil, so Jongsma: „Ich erwarte jetzt, dass der Preis stabil bleibt.“

Seine Kühe lieferten pro Tag durchschnittlich 27 Liter Milch. „Mir reicht das“, meint er und verweist darauf, dass Super-Hochleistungskühe, die 30 oder mehr Liter am Tag geben, auch anfälliger für Krankheiten seien. Ausgehandelt werde der Preis, den Molkereien den Bauern zahlen, mit dem Einzelhandel und den Discountern. Die Entwicklung zwinge die Landwirte dazu, immer mehr Leistung für immer weniger Ertrag zu erbringen. Wolle man das gleiche Einkommen behalten, zwinge das dazu, den Betrieb zu vergrößern.

„Aber das muss man ja nicht mitmachen“, sieht der Bürener durchaus auch Perspektiven für das Überleben von Betrieben mit unter 100 Kühen. In Stadtnähe so wie hier biete sich da ein Hofladen oder -café als zusätzliche Einnahmequelle an. Dafür braucht man natürlich Partner und Mitarbeiter. Piet Jongsma sieht seinen Beruf aber optimistisch: „Die Leute brauchen immer Nahrungsmittel und Milch!“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6350402?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F177%2F
Spielen sonntags verboten
Der Schulhof der ehemaligen Josefsschule an der Hammer Straße: Hier, ist, wie auf allen Schulhöfen städtischer Schulen, das Spielen am Sonntag verboten.
Nachrichten-Ticker