Uwe-Kersten Uecker entführt Zuhörer in die 1960er Jahre
Dorfsheriff mit der „Handpan“

Lotte -

In ein intimes kleines Theater hatte der Kunstkreis Lotte den Feierraum im Alt-Lotter Hotel Knüppe für Uwe-Kersten Uecker und seine Retro-Reise in das Bramsche der 1960er-Jahre mit „Geschichten, die das Leben schrieb“ verwandelt. Beruflich sei er „Dorfsheriff in Ostercappeln“, stellte sich Uecker vor, der eine „Handpan“ (Handpfanne) mitgebracht hatte.

Montag, 04.02.2019, 23:00 Uhr
Liebeserklärungen an Familie und die 1960er-Jahre hat Uwe-Kersten Uecker bildhafte Worte geschenkt.
Liebeserklärungen an Familie und die 1960er-Jahre hat Uwe-Kersten Uecker bildhafte Worte geschenkt. Foto: Ursula Holtgrewe

Dem Ufo-ähnlichen metallenen Perkussionsinstrument entlockte er händisch meditative Sphärenklänge. Die Benefizveranstaltung trug Uecker in der Kulisse eines Bühnenbildes mit Wohnwand, Musiktruhe, rollender Hausbar, Stehlampe und Ohrensessel vor. Um Spenden für „ Leukin “ bat die Kunstkreisvorsitzende Christiane Budke . Der Verein, der an Leukämie erkrankte Kinder unterstützt, erhalte auch die Erlöse aus dem Verkauf von Ueckers Büchern und Broschüren mit eigenen Erlebnissen wie „Fight against cancer. And win!“ (Kämpfe gegen den Krebs. Und gewinne!“)

Der Kreative, bei dem im Jahr 2014 chronisch lymphatische Leukämie diagnostiziert wurde, hat sich, maßgeblich unterstützt von seiner Familie, mit der Situation arrangiert, ist optimistisch und zuversichtlich: „Ich gehe offen mit der Situation um und weiß: Der Krebs wohnt in mir. Ich hoffe, dass er ruhig bleibt.“

Handpan-entspannt und neugierig sogen die Zuhörer Ueckers Erlebnisse auf, eine mit sensiblen Wortbildern beschriebene Retrospektive auf eine Kindheit in Bramsche, die „der kleine Junge“ in der Wirtschaftswunderzeit erlebte. Mit von Opa geklauten Zigarren; dem süßen „Schwarzen Kater“, der kleine Jungen schnell betrunken macht; dem Pinkeln vom Einmeterbrett und Entrüstung der Badegäste.

Es waren die Jahre, in denen Kinder sich an Weihnachten „noch vor Aufregung fast in die Hose machten“, erinnerte Uecker. Schnee lag. Die Familie schmückte den Weihnachtsbaum jahrelang mit dem gleichen Lametta. In der Stube mischte sich harziger Tannenduft mit dem aus der Ölkanne, die zum Nachkippen vor bullernden Öfen namens Küppersbusch oder Juno standen. Auf bunten Tellern lagen Apfelsinen, Nüsse und Äpfel. „Gans musste zu Weihnachten sein“, berichtete „der kleine Junge“.

Das Publikum nickte – und freute sich kurz darauf an der ironisch-spöttelnden Beschreibung vom „watschelnden Gaumenschmeichler“, der sich „nicht ganz freiwillig“ seines Federkleids entledigt hatte, um in Mutters kuschelig warmer Bratröhre seiner letzten Tellerbestimmung entgegenzugaren. Liebevoll lästerte der detailverliebte Beobachter über die „Überhopfung“ seiner Eltern an Heiligabend und die Pflichtkirchgänge.

Auch das war den nun feixenden Zuhörern bekannt. Ebenso die Familienkutschen im Hause Uecker: die erste, eine Isetta, gefolgt vom Opel Blitz. Die „Zauberkästen“ von Blaupunkt und Saba brachten schwarz-weiße Filme, Shows und Sportberichte in die Wohnzimmer.

Eine kleine Nuance weicher wurde Ueckers Stimme bei zärtlichen Liebeserklärungen an Großeltern und Eltern, an seine Frau Monika, an seinen Sohn – an das Leben. Der Fan von Loriot, Heinz Erhardt und Reinhard Mey verbreitete auch als Sänger eine wohltuend heimelige Atmosphäre. Beispielsweise mit Meys Lied „Gute Nacht, Freunde“.

Uecker drückte Lebensfreude aus in der umgedichteten Zeile „Vielen Dank Leben, dich zu haben ist sehr schön – wie ein letztes Glas im Stehn.“ Schade, dass nach den Zugaben Schluss war. Schön, dass die knapp 30 Besucher rund 200 Euro für „Leukin“ übrig hatten.

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Bisher keine Hinweise auf vorsätzliche Brandstiftung
 
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