Appell für mehr Sauberkeit
Lotter Jugendliche vom Müll genervt

Lotte -

Zu viel Müll: Das war nur ein Kritikpunkt, den Jugendliche aus der Gemeinde Lotte im November den Kommunalpolitikern in einer Ausschusssitzung im Rathaus zusammen mit einer multimedialen Ideensammlung zu ihren Wünschen und Erwartungen vorgestellt hatten. Anlass, mal nachzufragen, wo es beim Thema Müll denn hakt und welche Lösungen die jungen Leute selber sehen.

Dienstag, 05.02.2019, 17:26 Uhr aktualisiert: 06.02.2019, 17:40 Uhr
Aus dem Auto, aus dem Sinn: Justin und Veronika zeigen auf den ganz alltäglichen Müll am Parkplatzrand. Morsche Spielgeräte und die geringe Größe kritisiert Marvin am Spielplatz im Wohngebiet Brookwiesen.
Aus dem Auto, aus dem Sinn: Justin und Veronika zeigen auf den ganz alltäglichen Müll am Parkplatzrand. Morsche Spielgeräte und die geringe Größe kritisiert Marvin am Spielplatz im Wohngebiet Brookwiesen. Foto: Angelika Hitzke

Vorm Jugendtreff „Westside“ in Büren erklären Justin Schober (17) und die gleichaltrige Veronika Kashina, die auch Jugendpfleger Mirko Harmel als ehrenamtliche Mitarbeiterin im Treff unterstützt, was ihnen immer wieder übel aufstößt: Auf dem Pflaster direkt vor dem Treff-Container und dem Tor zum Schulhof der Regenbogenschule liegen schon wieder Kippen herum. Auf den Parkplätzen rund um die Wende Tetrapacks, leere Feuerzeuge und Süßigkeitenverpackungen. Im Mülleimer gleich neben dem Törchen ist noch jede Menge Platz. Aber Papier und ein Einmalhandschuh liegen daneben auf dem Boden.

Ein Stückchen weiter im Bürgerpark verunziert Papiermüll den Rasen am Rondell mit den Bänken. Der Mülleimer daneben ist demoliert. „Wir machen hier vorm Treff immer wieder sauber, aber am nächsten Tag liegen wieder Kippen da“, sagt Justin.

Nach dem Rundgang füllt sich der Treff rasch. Rapper Abdul Amit Aker, als „Provinzheld“ auch am Video und der multimedialen Ideensammlung beteiligt, stößt dazu und mischt sich in die Diskussion ein: „Was mich nervt, ist der Müll an den Bushaltestellen. Wenn da Glasscherben liegen und man mit dem Fahrrad vorbeikommt. Und die Schmierereien!“

Und wer hinterlässt den Müll und die Scherben? Justin betont, dass die Urheber keineswegs nur Jugendliche und schon gar nicht die Treffbesucher seien. „Viele Eltern rauchen hier, bevor sie ihre Kinder abholen, und werfen ihre Kippen einfach weg“, bestätigt Mirko Harmel. (Junge) Erwachsene sind es auch nach den Worten von Abdul, die am Wochenende mit ihren Autos in der Wende Party machen und Kippen, Getränke- und Snackpackungen einfach aus dem Auto werfen. Am Bänke-Rondell im Bürgerpark träfen sich vor allem im Sommer abends Cliquen, um abzuhängen und Alkohol zu konsumieren.

Die Leute bei beobachtetem Fehlverhalten direkt anzusprechen trauen sich die Jugendlichen aber nur in ganz bestimmten Situationen. Nämlich dann, wenn es sich um einzelne Gleichaltrige oder Jüngere handelt.

Mehr größere, stabile Mülleimer könnten dazu beitragen, dass nicht soviel Unrat daneben landet, meinen die Bürener Jugendlichen. „Ich finde, dass jeder bei sich selber anfangen muss“, sagt Veronika., „ich schmeiße kein Papiertaschentuch einfach weg, sondern stecke es in die Jackentasche und werfe es dann zu Hause in den Mülleimer.“ Auch Justin findet, dass sich jeder erst mal „an die eigene Nase fassen muss.“ Das habe auch etwas mit dem Bewusstsein der Menschen zu tun, ergänzt Harmel.

Ähnlich sehen das auch der zwölfjährige Marvin Beiderwellen und der 18-jährige FSJler Matthias Greiwe aus dem Wersener „Sit In“ sowie Sarah Tschauder (16), Jolina Polte (12), Anna-Sophie Viertel (13) und ihr Bruder Benjamin Viertel (15) aus dem Alt-Lotter Jugendtreff Bansen. Dort gab es im Sommer mal ein Problem mit den bunten Wassereisfolien, die da rund um den Jugendtreff verstreut lagen. Seitdem Pfand dafür eingeführt wurde, sei das Problem Geschichte.

Zu den Müll-Brennpunkten – „im Sommer mehr als im Winter“ – gehörten die Spielplätze, die Bushaltestellen und die Straßen und Wege rund ums Stadion bei Heimspielen der Sportfreunde, erzählen die Jugendlichen. Aber auch der Radwanderparkplatz am Goldbach, der Bereich der Tankstelle und die Gegend rund um die inoffizielle „Hundewiese“ in der Kurve Krümpelstraße Richtung Saerbecker Damm seien oft zugemüllt, erzählen die Lotter Jugendlichen. Marvin aus Wersen macht darüber hinaus auf „morsche Spielgeräte“ auf den Brookwiesen-Spielplätzen aufmerksam. Und er hat ein positives Gegenbeispiel: „Der Spielplatz auf dem Esch ist schön und da ist alles sauber.“

Morsche Spielgeräte und die geringe Größe kritisiert Marvin am Spielplatz im Wohngebiet Brookwiesen.

Morsche Spielgeräte und die geringe Größe kritisiert Marvin am Spielplatz im Wohngebiet Brookwiesen. Foto: Angelika Hitzke

Ein Problem nicht nur in Lotte seien die Autobahnauf- und abfahrten, die von Müll übersät sind, der aus Autofenstern geworfen wird. Und Hundehaufen auf Gehwegen, wie Sarah mit angeekeltem Gesicht erzählt. Es gebe nur drei Hundetütenautomaten in Lotte. „Viele mögen das nicht aufsammeln“, hat sie festgestellt.

Müll vermeiden, indem man auf Einwegplastiktüten und -verpackungen, To-Go-Becher und Fastfood-Schälchen verzichtet, Pfand auch für Plastik einführen, mehr Hundetütenspender samt dazugehörigem Mülleimer, überhaupt mehr und größere, auch für Kippen und Flaschen geeignete Entsorgungsbehälter an den Brennpunkten, das sind ihre Vorschläge, um das Problem in den Griff zu bekommen. In Westerkappeln, so berichtet Benjamin, der dort zur Gesamtschule geht, gebe es „sehr viele“ Hundekotentsorgungsstationen.

Wären häufigere, gemeinsame Müllsammelaktionen in der ganzen Gemeinde vielleicht ein Weg? Die Bansen-Jugendlichen und Ulla Tschauder sind da skeptisch. „Wir haben so eine Sammelaktion schon gemacht. Aber da waren nur Kinder dabei, kaum Erwachsene. Das geht nicht, weil das zu gefährlich ist an den Straßen“, sagt die Jugendpflegerin aus Alt-Lotte. Viele Erwachsene sähen nicht ein, dass sie anderer Leute Müll aufsammeln sollten.

Und die dreisten Dreckspatzen gehen davon aus, dass irgendwer den Müll schon wegmacht. Um das zu verhindern oder zumindest einzudämmen, hat Marvin noch eine Idee: „Man müsste Ordner einsetzen, die die Brennpunkte beobachten oder zumindest regelmäßig kontrollieren und Strafzettel verteilen wie bei Falschparkern“, meint er. Außerdem sollte das Thema auch im Unterricht behandelt werden: „Vielen ist gar nicht bewusst, was sie da anrichten.“

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