Familienvater aus Lotte wegen „Hochrisikoverhaltens“ vor Gericht
Verfolgungsfahrt mit Körperverletzung

Lotte/Tecklenburg -

Acht Monate auf Bewährung wegen fahrlässiger Körperverletzung lautet das Urteil des Schöffengerichts Ibbenbüren für einen Familienvater aus Lotte. Darauf verständigten sich das Gericht, Staatsanwaltschaft, Nebenklage und Verteidiger nach mehrstündiger Beweisaufnahme. Laut Anklage soll der 49-Jährige in einer Septembernacht 2017 auf der Osnabrücker Straße in Alt-Lotte den Wagen der damaligen Freundin seines Sohnes mit hohem Tempo und geringem Abstand verfolgt haben, bis es zur Kollision kam.

Mittwoch, 06.02.2019, 19:00 Uhr
 
  Foto: dpa

Das Auto, in dem die Osnabrückerin als Fahrerin und deren Freundin als Beifahrerin saßen, kam durch den Aufprall ins Schleudern und prallte gegen ein Straßenschild, bevor es in der Böschung landete. Die heute 22 und 24 Jahre alten Insassinnen trugen erhebliche Verletzungen davon und leiden immer noch an den psychischen Folgen des Unfalls.

Zum Vorwurf des gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr und der gefährlichen Körperverletzung mit einem Kraftfahrzeug lässt sich der Lotteraner über seinen Verteidiger ein. Er habe das Fahrzeug der Frau weder verfolgt noch überholt oder ausgebremst, habe nicht gewusst, wer sich darin befand, sondern sei auf das Auto aufgefahren, weil er zu spät bemerkt habe, dass es abbiegen wollte.

Als Grund für seine Unaufmerksamkeit gibt er an, seinen Sohn gesucht zu haben, der nach einem Streit das Haus verlassen hatte. Einen Vorsatz streitet er ab. Er bedauere den Vorfall und die Unfallfolgen für die Insassinnen.

Die jungen Frauen, die als Nebenklägerinnen auftreten, erinnern sich an die Nacht. Sie seien von Osnabrück nach Lotte gefahren, um den Sohn des Angeklagten abzuholen, nachdem dieser im Streit das Haus des Vaters verlassen hatte. Übers Handy hielten sie Kontakt mit ihm, als sie bemerkten, dass dessen Vater sie verfolgte. Der Sohn habe von Morddrohungen seines Vaters gegen ihn erzählt und ihr eindringlich geraten, auf keinen Fall anzuhalten, sondern wegzufahren, sagt die 24-jährige Fahrerin aus. Auch ihre Freundin erinnert sich mit Schrecken an die Geschehnisse.

Beide jungen Frauen sagen aus, der Angeklagte habe nach dem Unfall eine Metallstange aus seinem Auto geholt und sei damit auf sie zugekommen. Sein Sohn habe das verhindert, sind sie sich einig. Der 23-Jährige ist ebenfalls als Zeuge geladen, nimmt als Sohn des Angeklagten aber sein Zeugnisverweigerungsrecht in Anspruch.

Auf die Metallstange, von der der Angeklagte angeblich nichts weiß, will der Bruder der Beifahrerin, der später am Unfallort eintraf und als Zeuge aussagte, die Beamten hingewiesen haben. Die als Zeugin erschienene Beamtin kann das nicht bestätigen und verweist auf ihren Bericht. Gut erinnert sie sich aber an das „ganz ungewöhnliche Verhalten“ des Unfallverursachers, der völlig unbeteiligt und desinteressiert gewirkt habe.

Um das Verfahren zu Ende bringen zu können, verständigen sich nach mehreren Stunden alle Beteiligten auf das Rechtsgespräch. Ergebnis: Dem Angeklagten wird eine Bewährungsstrafe von sechs bis neun Monaten in Aussicht gestellt, wenn er einräumt, das Fahrzeug verfolgt, aber nicht vorsätzlich gerammt zu haben.

Er habe die Hoffnung gehabt, die Frau im Auto würde ihn zu seinem Sohn führen, mit dem er nach dem Streit habe reden wollen, fasst der Verteidiger das Geständnis zusammen. Da der Angeklagte während der Fahrt selber nach dem Sohn Ausschau gehalten habe, habe er zu spät bemerkt, dass das Auto vor ihm abbiegen wollte, und sei aufgefahren. Er bedauere sein Verhalten und die Unfallfolgen.

Mit der Bewährungsstrafe von acht Monaten folgt das Gericht dem Antrag der Staatsanwältin. Der Verteidiger hat sich für sechs Monate ausgesprochen. Zu den Auflagen gehört unter anderem die Zahlung von Schmerzensgeld in Höhe von 800 und 500 Euro an die Beifahrerin und die Fahrerin.

Seinen Führerschein, den der Lotteraner eine Woche nach dem Unfall abgeben musste, erhält er noch im Gerichtssaal zurück. Wegen seines „Hochrisikoverhaltens“ im September 2017 sei der Entzug berechtigt gewesen, heute sei das nicht mehr notwendig, sagt der Vorsitzende Richter.

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