Vorstand des Bürgervereins Wersen diskutiert mit OB Griesert
Krautkönig hält Hof im Osnabrücker Rathaus

Wersen/Osnabrück -

Einen Monat vor Ablauf seiner Regentschaft hat Wersens Krautkönig Wolfgang Griesert eine Delegation des Bürgervereins an seiner Wirkungsstätte im Osnabrücker Rathaus empfangen. Während der gut vierstündigen Audienz ging es um friedliche Gebietsansprüche, fußballerische Rivalitäten und angeblich fortgesetzten Sexismus.

Freitag, 08.02.2019, 17:38 Uhr aktualisiert: 08.02.2019, 17:54 Uhr
Im Friedenssaal beeindruckte der Hausherr seine Gäste (von links) Wilfried Freier, Helmut Börst und Rainer Lammers mit profundem historischen Wissen
Im Friedenssaal beeindruckte der Hausherr seine Gäste (von links) Wilfried Freier, Helmut Börst und Rainer Lammers mit profundem historischen Wissen Foto: Thomas Niemeyer

Gleich bei der Begrüßung ließ der Oberbürgermeister keine Zweifel an seiner Haltung zu entsprechenden Vorhaltungen der Osnabrücker Grünen gegenüber Veranstaltungen wie der Osnabrücker Mahlzeit oder dem Herrenabend in Wersen. Mit Blick auf den Tischschmuck, bestehend aus der Krautkönigskette und drei veritablen Weißkohlköpfen, ulkte Griesert : „Nachher können wir die ja bei den Grünen ablegen; da können sie gemeinsam sauer werden.“

Im Nachgang zur Osnabrücker Mahlzeit, so berichtete Griesert, habe er etliche Botschaften erhalten, die beklagten, dass dort Geschäfte abgeschlossen würden, wovon Frauen dann ausgeschlossen seien. „Unter 1300 Männern Geschäfte abzuschließen ist gar nicht so einfach; dann schon eher in einer Skatrunde.“ So ganz ernsthaft befasste sich die siebenköpfige Runde mit den grünen Verschwörungstheorien jedoch nicht und einigte sich auf die Sprachregelung: „Es handelt sich um Veranstaltungen, in denen man Freundschaften pflegt, aber besser keine Vorurteile.“

Beim ebenfalls nicht übermäßig verkniffenen Rückblick auf das zu Ende gehenden Königsjahr rechnete sich „Wolfgang der Wersierte“ das von ihm verordnete schiedlich friedliche Unentschieden zwischen dem VfL und den Sportfreunden als diplomatischen Erfolg ganz im Sinne der Friedensstadt Osnabrück an. Auch die Bürgerbrücke über die Hase bewertete er nach eingehender persönlicher Inspektion positiv.

Solch zur Schau gestellter Selbstzufriedenheit mochte sich der Lotter Amtsbruder Rainer Lammers nicht sofort anschließen. Mit den Bahnschranken bei Spedition Munsberg an der Atterstraße sei ein Hindernis zwischen Osnabrück und Wersen nicht aus dem Weg geräumt worden; und ein Bürgertunnel zwischen Büren und der ehemaligen Landwehrkaserne stehe im Sinne eines besseren Miteinanders über die Landesgrenze hinweg ebenfalls noch aus, drängte Lammers zu sinnvollem Aktionismus. Konkrete Abkommen resultierten daraus zwar nicht, aber der gegenseitige Wunsch, über die nächsten Bürgermeisterwahltermine hinaus weiter zusammenzuarbeiten.

Griesert regte deshalb an, nach chinesischem Vorbild einen Fünfjahresplan für konkrete Kooperationen aufzustellen.

Ein Stillleben aus Weißkohl und Königskette begrüßte Lottes Bürgermeister Rainer Lammers (links) und Bürgervereinschef Olaf Wienhaus (rechts) beim Empfang des amtierenden Wersener Krautkönigs Wolfgang Griesert im Osnabrücker Rathaus.

Ein Stillleben aus Weißkohl und Königskette begrüßte Lottes Bürgermeister Rainer Lammers (links) und Bürgervereinschef Olaf Wienhaus (rechts) beim Empfang des amtierenden Wersener Krautkönigs Wolfgang Griesert im Osnabrücker Rathaus. Foto: Thomas Niemeyer

Vorsichtig sondierte der Osnabrücker den aktuellen Grenzverlauf nach der Neuverschwenkung der Hase neben dem Stichkanal und der daraus resultierenden Verlegung der bürgervereinseigenen Brücke. Als er erfuhr, dass die neue Bürgerbrücke nun komplett auf westfälischem Gebiet liege, konnte er eine gewisse Enttäuschung nicht verbergen: „Ach, ich hätte sie schon gerne in Osnabrücke umbenennen wollen.“ Andererseits, so räumte er ein, seien die Osnabrücker ja geizig und hätten sie wahrscheinlich durch eine kostenpflichtige Fähre ersetzt.

Um von angedeuteten räumlichen Erweiterungsträumen wieder herunterzukommen, führte der Hausherr seine Gäste mit dem Vorsitzenden Olaf Wienhaus, seinem Stellvertreter Helmut Börst und dem Ehrenvorsitzenden Wilfried Freier an der Spitze durch sein Rathaus, das von Friedenssymbolen beherrscht wird. Nicht nur unterm historischen Leuchter im Friedenssaal bewies Wolfgang Griesert sein profundes Wissen zur Geschichte der Friedensstadt und ihrer mal mehr, mal weniger friedlichen Machthaber.

Entsprechend friedlich gestimmt, ging es dann an die kaloriengestützte Vorbereitung der am 8. März anstehenden Machtübergabe an einen möglichen 44. Wersener Krautkönig.

Es sei nicht verschwiegen, dass dabei nicht nur mancher Leckerbissen, sondern auch bereits manche Träne verdrückt wurde. Dass diese Tränen letztlich eher vom Lachen herrührten, mag sein. Aber diese Männer schämten sich ihrer nicht.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6378538?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F177%2F
Poller schützen bald den Domplatz
Der städtische Ordnungsdezernent Wolfgang Heuer (l.) und Norbert Vechtel (Ordnungsamt) vor der längsten Sperranlage in der City an der Loerstraße. Bis 2021 sollen alle relevanten Innenstadt-Zufahrten mit Überfahrschutzpollern ausgestattet sein.
Nachrichten-Ticker