Lotter Männerkreis diskutiert über globale Ernährung
Lust auf Fleisch lässt Welt hungern

Lotte -

„Es ist genug für alle da – Welternährung und nachhaltige Landwirtschaft“ lautete das Thema des Diplom-Agraringenieurs Dirk Hillerkus beim Talk am Dienstag des evangelischen Männerkreises Alt-Lotte.

Freitag, 08.02.2019, 20:00 Uhr
Futter für unser Fleisch: Teile des tropischen Regenwaldes (hier im Amazonasgebiet von Brasilien) müssen für den Anbau von Soja abgeholzt werden.
Futter für unser Fleisch: Teile des tropischen Regenwaldes (hier im Amazonasgebiet von Brasilien) müssen für den Anbau von Soja abgeholzt werden. Foto: dpa

Am Beispiel der Fleischproduktion verdeutlichte der Referent des Instituts für Kirche und Gesellschaft der Evangelischen Kirche von Westfalen die Zusammenhänge und Probleme von Ernährung und Nachhaltigkeit. Er berichtete, dass in Deutschland pro Jahr und Person etwa 80 Kilogramm Fleisch verbraucht würden, von dem etwa 20 Prozent in den Abfall wanderten.

Für diesen Konsum würden allein 4,5 Millionen Tonnen Sojaschrot verfüttert. Das allerdings wachse nicht auf hiesigen Feldern, sondern unter anderem in Brasilien. Dort würden für den Anbau Teile des tropischen Regenwaldes vernichtet und zu Ackerland umgewandelt. Das wiederum beeinflusse mittlerweile weltweit das Klima und zerstöre kleinbäuerliche Strukturen.

Ebenfalls mit der enormen Fleischproduktion hänge laut Hillerkus zusammen, dass heute etwa 800 Millionen Menschen unterernährt seien oder gar Hunger litten. Dabei könne allein die weltweite Getreideproduktion mindesten zwölf Milliarden Menschen ernähren, würden nicht 36 Prozent als Futtermittel und 21 Prozent anderweitig zweckentfremdet. Als „größten Hungertreiber“ bezeichnete der Referent allerdings Kriege und die ungerechte Landverteilung.

Diplom-Agraringenieurs Dirk Hillerkus referierte beim Talk des evangelischen Männerkreises.

Diplom-Agraringenieurs Dirk Hillerkus referierte beim Talk des evangelischen Männerkreises. Foto: Friedrich Schönhoff

Probleme aber liegen auch vor der eigenen Haustür. Es sei die unersättliche menschliche Gier, meinte eine Zuhörerin und berichtete von einem Beispiel aus Westerkappeln. Dort habe ein Bauer seinen Betrieb eingestellt und das Land verpachten wollen. Viele Bauern der Nachbarschaft hätten Interesse bekundet, mussten aber letztendlich kapitulieren angesichts des Gebotes eines großen, industriell geführten Betriebes. Der nutze die Fläche nun, um seine Gülle entsorgen zu können.

Auch der Referent trug Beispiele vor, in denen landwirtschaftliche Flächen in Deutschland zu reinen Spekulationszwecken aufgekauft würden.

Was aber kann man tun? Im Männerkreis war man sich einig, dass sich die Verbraucher ihrer Macht zu wenig bewusst seien. So könne jeder regionale und der Jahreszeit entsprechende Produkte kaufen. Das wäre ein Anfang.

Hillerkurs verwies als positives Signal auf den jüngsten Ernährungsbericht des Landwirtschaftsministeriums. Demnach wünschen sich mehr als zwei Drittel der Verbraucher einen schonenderen Umgang mit den natürlichen Ressourcen. Dafür seien sie bereit, den Fleischkonsum zu reduzieren. Etwa die Hälfte der Menschen in Deutschland könne sich dem Bericht zufolge neue Formen der Landwirtschaft vorstellen, in denen mehr Lebensmittel direkt vom Hof vermarktet würden. Dafür sind mehr als 80 Prozent der Verbraucher bereit, zwischen zwei und zehn Euro mehr zu bezahlen.

Die Politik sei ebenfalls in die Pflicht zu nehmen, hieß es im Männerkreis. So sei es dringend erforderlich, die Landwirtschaft nicht mehr flächenbezogen zu subventionieren, sondern sich an Qualitätsstandards zu orientieren. Auch an die Ziele der Koalitionsvereinbarung wurde erinnert. Demnach sollen 20 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen ökologisch bebaut werden. Derzeit läge der Anteil gerade einmal bei 7,5 Prozent, so Dirk Hillerkus, der 16 Jahre als Berater für landwirtschaftliche Entwicklung in Äthiopien tätig war.

Er wies auf die Forderungen der evangelischen Kirche nach Ernährungssouveränität gerade in den ärmeren Ländern hin. Das Paradigma für das 21. Jahrhundert seien auf Vielfalt ausgerichtete Strukturen in kleinbäuerlichen arbeitsintensiveren Betrieben.

Die Rolle der Kirche im gesamten Prozess sieht der Referent als Mahnerin, Mittlerin und Motor. Dafür könne man in den eigenen Betrieben wie Kindertagesstätten und Altenheimen mit gutem Beispiel vorangehen.

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