Kriminalität ist in Westerkappeln gesunken
Doch kein Hort des Verbrechens

Westerkappeln/Lotte -

Eine schwere Brandstiftung, ein versuchter Totschlag und ein Mord. Wer vergangenes Jahr die Zeitung aufschlug, hatte das Gefühl, Westerkappeln ist ein Hort des Verbrechens. Tatsächlich ist das Leben in der Gemeinde aber ein bisschen sicherer geworden, wie aus der am Mittwoch veröffentlichten Kriminalitätsstatistik der Polizei für das Jahr 2018 hervorgeht.

Mittwoch, 13.02.2019, 16:30 Uhr aktualisiert: 13.02.2019, 17:02 Uhr
Kriminalität ist in Westerkappeln gesunken: Doch kein Hort des Verbrechens

Arthur Büscher , Erster Kriminalhauptkommissar (EKHK) bei der auch für Westerkappeln zuständigen Polizeiwache Ibbenbüren, war nach eigenen Worten selbst ein wenig überrascht von den aktuellen Zahlen. Angesichts der zahlreichen Medienberichte über Kapitalstraftaten und deren juristische Aufarbeitung habe er „eigentlich Schlimmeres erwartet“, erzählt er.

Im vergangenen Jahr wurden in Westerkappeln insgesamt 602 Straftaten angezeigt. Das sind 21 Fälle oder 3,4 Prozent weniger als im Jahr davor. Und im Vergleich zum Jahr 2016 gab es sogar einen Rückgang von 13,6 Prozent. Im gesamten Bereich der Polizeiwache Ibbenbüren gibt es den gegenteiligen Trend.

Mehr Straftaten im Wachbereich Ibbenbüren

Im Bezirk der Polizeiwache Ibbenbüren, die auch für Westerkappeln, Lotte, Mettingen, Recke und Hopsten zuständig ist, wurden im vergangenen Jahr 5617 Straftaten angezeigt. Das bedeutet eine Steigerung von 2,3 Prozent gegenüber 2017. Im Folgenden die Zahl der gemeldeten Straftaten (in Klammern prozentuale Veränderung zu 2016):

...

Aussagekräftiger für die Sicherheitslage in einem Ort sei die sogenannte Häufigkeitszahl (HZ), wie Büscher betont. Diese wird aus den Fällen und der Bevölkerungsgröße einer Kommune pro 1000 Einwohner berechnet. Zuletzt betrug die HZ für Westerkappeln 53,97. Das liegt unterhalb des Kreisdurchschnitts und unter den Werten der beiden Vorjahre (56,04 bzw. 62,35). „Das ist vielleicht nicht weltbewegend, aber durchaus erwähnenswert“, meint der EKHK. Anzumerken ist allerdings auch, dass Westerkappeln eine deutlich höhere Häufigkeitszahl aufweist als die anderen Gemeinden im Zuständigkeitsbereich der Polizeiwache Ibbenbüren. Nur in Ibbenbüren selbst gibt es einen höheren Wert.

Mitverantwortlich dafür ist sicher die Rauschgiftkriminalität. Wie im Vorjahr wurden in Westerkappeln 44 Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz registriert – so viele, wie seit 2002 nicht mehr, aber kein Vergleich zu 1999, als es 228 Rauschgiftdelikte gab.

Ein Anstieg der Fallzahlen in diesem Bereich sei oft auf nur einen Fahndungserfolg zurückzuführen, der – zum Beispiel durch die Auswertung von Handydaten – zu anderen Dealern oder Konsumenten in der Drogenszene führe, wie Büscher erläutert. So erkläre sich auch die Explosion der Btm-Delikte in Ibbenbüren von 97 auf 365 Fälle (+376 Prozent). Das zuständige Kriminalkommissariat habe dort konsequent Anzeige gegen jeden bekannten Konsumenten erstattet. Die vergleichsweise hohe Fallzahl in Westerkappeln hängt vermutlich mit einer Wohnungsdurchsuchung Mitte März vergangenen Jahres zusammen, als mehrere hundert Gramm Marihuana, die schon zum Verkauf eingetütet waren, sichergestellt wurden.

Viel zu tun hatte die Polizei vergangenes Jahr nach Darstellung Büschers mit einer Gruppe von Jugendlichen, aus deren Kreis auch die drei jungen Männer stammen, die in der Nacht zum 2. April einen 22-jährigen Westerkappelner umbringen wollten. „Wir hatten die schon vorher im Fokus. Dieses Ding am Ostermontag war jedoch nicht zu erwarten“, sagt der Erste Kriminalhauptkommissar.

Der Clique zugerechnet würden auch diverse Sachbeschädigungen. Und auch im Zusammenhang mit Einbruchsdiebstählen liefen noch Ermittlungen, bestätigt Büscher. Mittlerweile sei es um die Gruppe aber „deutlich ruhiger geworden“. „Wir halten die auf Trab“, meint der Kriminalist. Ein junger Mann aus der Gruppe sei mittlerweile in das Intensivstraftäterprogramm aufgenommen worden, für einen weiteren werde das geprüft. Die Folge: Um solche „Klienten“ kümmere sich ein einziger Staatsanwalt.

Apropos Sachbeschädigungen: Ende vergangenes Jahres wurden in Westerkappeln und Umgebung zahlreiche Buswartehäuschen demoliert, kreisweit wurden 53 Fälle angezeigt. Die mutmaßlichen Täter seien ermittelt, berichtet Büscher. In der Statistik werde sich das vermutlich erst nächstes Jahr niederschlagen.

Erfreulich sei aus Westerkappelner Sicht auch ein Rückgang der Einbruchskriminalität. Im Jahr 2018 gab es 38 Fälle, darunter „nur“ zwölf Wohnungseinbrüche. Aus der Nachbargemeinde Lotte wurden dagegen 56 Einbrüche gemeldet. Die daraus resultierende HZ (3,97) ist der schlechteste Wert im ganzen Kreis Steinfurt. Oder um es anders auszudrücken: Das Risiko, Opfer von Einbrechern zu werden, war vergangenes Jahr in Lotte statistisch am größten. Vor allem die Gewerbegebiete strahlten dort eine gewisse Anziehungskraft aus, sagt Büscher.

Deutlich weniger Wohnungseinbrüche

In Westerkappeln gab es vergangenes Jahr in den das Sicherheitsgefühl der Bürger besonders berührenden Deliktbereichen fast überall Rückgänge gegenüber 2017. Auch in der Gemeinde Lotte ging die Zahl der Straftaten zurück.Einige (in Klammern Wert 2017 und prozentuale Veränderung):

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Was dieses Jahr noch alles in der Gemeinde passiert, weiß kein Mensch. Die Polizei will, soweit möglich, weiter für mehr Sicherheit arbeiten. „Wir bleiben in Westerkappeln dran“, verspricht Arthur Büscher.

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