Probleme für Familien in Lotte
AWO-Kita-Streik zum Wochenstart

Lotte -

Diesmal wird die AWO-Kita in Alt-Lotte an zwei Tagen bestreikt. Für kommenden Montag und Dienstag (18. und 19. Februar) hat die Vereinigte Dienstleistungsgewerkschaft Verdi rund 65 000 Beschäftigte der AWO-Einrichtungen aufgerufen. Mehrere Alt-Lotter Familien hatten bereits Betreuungen organisiert, als jüngst ein Aushang über eine Notgruppe in der Halener AWO-Kita informierte.

Freitag, 15.02.2019, 18:10 Uhr aktualisiert: 17.02.2019, 13:14 Uhr
Wenn Kitas streiken, haben manche Familien ein Riesenproblem.
Wenn Kitas streiken, haben manche Familien ein Riesenproblem. Foto: dpa

Für diese hätte Susanne Klose gern ihre Tochter angemeldet. „Ich bin jeden Tag berufstätig. Also haben eine Freundin und ich uns abgesprochen, dass wir die Kinder betreuen. Am Montag sind beide hier, am Dienstag dort“, berichtete sie. Das sei bereits Anfang der Woche geregelt worden, kurz nachdem sich abgezeichnet habe, dass Verdi zum Streik aufrufen könnte.

„Mein Mann und ich sehen es ein, dass die Erzieher für ihre wichtige Arbeit angemessen bezahlt werden müssen“, sagt Klose. „Gute Mitarbeiter wechseln dahin, wo ihnen mehr Geld geboten wird. Möchte ein Arbeitgeber diese Leute halten, gelingt das nur mit entsprechender Bezahlung“, ist sie überzeugt.

Für Berufsneulinge sei es nicht attraktiv, sich bei der AWO zu bewerben, wenn sie bei anderen Trägern besser bezahlt werden. „Aber wir Familien möchten unsere Kinder gut und qualifiziert betreut wissen ohne häufigen Personalwechsel“, zeigt die Alt-Lotterin Verständnis für die Forderungen der Mitarbeiter. Die seien nachvollziehbar, wenn man bedenke, dass eine Kinderpflegerin bei der AWO 14 Prozent weniger verdiene, als Angestellte im Öffentlichen Dienst.

„So fair es ist, dass wir Familien vorher informiert wurden und die Chance hatten, eine Alternative zu organisieren, aber: Wenn man in der Situation steht, dass die Kita bestreikt wird, tut sich für diejenigen ein Riesenproblem auf, wenn man, wie wir, nicht auf die Unterstützung der Familie zurückgreifen kann“, berichtet Susanne Klose von ihrer privaten Situation. Viele Großeltern beispielsweise seien berufstätig, andere, wie bei ihr selbst, wohnten zu weit weg, um mal kurz herzukommen.

Die Arbeitszeit, die sie in Abstimmung mit ihren Kollegen hat freinehmen können, will sie nacharbeiten. „Ich fand es schon ärgerlich, dass es erst seit Kurzem einen Aushang in der Kita mit Verweis auf die Notgruppe mit 20 Plätzen in Halen gibt. Die hätte ich gern in Anspruch genommen. Weil wir ja eine Regelung gefunden haben, wollten wir nichts mehr ändern“, stellt die berufstätige Mutter klar.

„Wir bemühen uns nach Kräften, solche Gruppen einzurichten. Jedoch ist kein Mitarbeiter verpflichtet, vorher den Streik anzukündigen“, betont Oliver Mau , Referent der Geschäftsführung der AWO-Hauptgeschäftsstelle Unterbezirk Münsterland-Recklinghausen in Herten. Da die AWO offiziell von Verdi erst am Donnerstag erfahren habe, dass für den Wochenbeginn zum Warnstreik aufgerufen wird, habe nicht eher reagiert werden können. „Auf die sozialen Medien und Informationen dort können wir uns nicht verlassen“, sagt Mau.

Weiterhin habe es Schreiben an Eltern und Angehörige gegeben, dass es während des Warnstreiks zu Einschränkungen in AWO-Institutionen kommen könne, berichtet er.

Am Freitag startete auch der AWO-Unterbezirk eine Abfrage bei allen eigenen Institutionen, ob sie dem Streikaufruf folgen werden. Dem ersten Streikaufruf waren von den 24 AWO-Kitas im Kreis Steinfurt zwei gefolgt, eine in Greven, wo es eine Notgruppe gab, und die in Alt-Lotte.

„Das Einrichten einer Notgruppe ist Trägersache. Für sie müssen wir zwei nicht streikende Mitarbeiter mit entsprechender Qualifizierung einsetzen können“, erklärte Oliver Mau. Vergleichbares gelte beispielsweise für Pflegedienste. Mau hielt es für durchaus denkbar, dass die Notgruppe eingerichtet worden sei, weil sich beim ersten Streik erboste Eltern ans Jugendamt gewendet hatten. Das habe daraufhin mit der AWO als Träger Kontakt aufgenommen.

Zuversichtlich blickt Oliver Mau in die Zukunft des Wohlfahrtsverbandes, der in diesem Jahr das 100-Jährige feiert: „Es hat sich schon etwas bewegt bei den aktuellen Tarifverhandlungen. Ich hoffe sehr, dass in der vierten Verhandlungsrunde am 6. März eine Einigung erzielt wird.“

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