Alt-Lotter Statisten auf der Theaterbühne
Die eigene Mutter erkannte ihn nicht

Lotte/Osnabrück -

„Statisten gesucht.“ Auf solche Theaterannoncen bewarben sich vor einigen Jahren Claus Weidner und Matthias Pfordt aus Alt-Lotte erfolgreich. Aktuell stehen sie in Carl Millöckers Operette „Der Bettelstudent“ auf der Bühne des Theaters Osnabrück.

Freitag, 01.03.2019, 17:28 Uhr aktualisiert: 03.03.2019, 16:00 Uhr
„So geschminkt erkennt uns längst nicht jeder“, wissen die Bettelstudent-Statisten Claus Weidner (links) und Matthias Pfordt.
„So geschminkt erkennt uns längst nicht jeder“, wissen die Bettelstudent-Statisten Claus Weidner (links) und Matthias Pfordt. Foto: Ursula Holtgrewe

Aber nicht gemeinsam. Die Hobbyakteure teilen sich bei den 21 Aufführungen die Rolle im zweiten Akt auf dem Marktplatz und später als Gefangene. „Die Operette ist ein Sonderfall, weil sie eine politische ist, die im 18. Jahrhundert spielt: Polen ist von den Sachen besetzt“, erklärt Dr. Matthias Pfordt , der am Handruper Leoninum Geschichte, Politik und Latein unterrichtet.

Seiner und Weidners Bühnenpart ist, dass sie, eine Dame im Arm, auf dem Marktplatz umherspazieren, handeln, sich unterhalten, Brezeln essen und Getränke holen. „Man darf den Hauptakteuren nicht im Weg stehen“, hat Claus Weidner verinnerlicht. Geprobt haben die Westfalen gemeinsam und hörten beschwingte Evergreens wie „Ach, ich hab‘ sie ja nur auf die Schulter geküsst“. Claus Weidner stand bei der Premiere auf den Brettern, die die Welt bedeuten. „Es war im Ensemble eine große Anspannung zu spüren. Man meinte, das Knistern hören zu können“, erinnert er sich.

Kostüme und Masken der Komparsen sind unterschiedlich. „Matthias hat eine schöne Weste bekommen“, sagt Westenfan Weidner gespielt neidisch. „Ja, die 20 Euro waren gut angelegt“, antwortet Pfordt schelmisch. Vom Publikum aus sind beide auf dem Marktplatz nicht wiederzuerkennen. Weidner trägt eine gelockte Perücke, Pfordt erhält in der Maske eine wahre Haarpracht, die sein Gesicht umrahmt. Einig sind sich beide, dass Ausstatterin und Maskenbildnerin sie kreativ für die Rollen herausgeputzt haben. So gut, dass Pfordts Mutter ihren Sohn auch auf den zweiten Blick nicht erkannt habe, lobt dieser schmunzelnd die Arbeit in der Maske.

Überhaupt betonen die Hobbyisten, dass das Ensemble sie sofort integriert habe und es unter allen Theaterleuten ein nahezu freundschaftliches Miteinander gebe. „Bei aller Kollegialität geht es hoch professionell zu“, sagt Pfordt.

Als Gefangene stehen sie zum Schluss natürlich und schlicht gekleidet auf der Bühne. Für ihren etwa 40-minütigen Auftritt sind sie rund vier Stunden unterwegs. Wer meint, die Gage sei dementsprechend, irrt. „Die Parkgebühren sind bezahlt. Ein ganz kleines bisschen bleibt noch übrig“, berichtet Weidner.

Die Alt-Lotter Statisten bringen Bühnenerfahrungen mit zum Bettelstudenten. Claus Weidner kam bereits vor rund 20 Jahren zu den „Montagsspielern“, ist als Rezitator sowie Mitglied im Dinner-Act-Ensemble bekannt. Gern erinnert er sich an die Rolle des Gerichtsdieners in „Terror“ von Ferdinand von Schirach im Osnabrücker Theater. „Es war schon ein besonderes Gefühl, 600 Menschen im Griff zu haben mit dem Satz: ,Bitte erheben sie sich‘“, blickt Weidner zurück.

Aktuell steht er in der Low-Budget-Produktion „Der schwarze Obelisk“ in zwei Rollen vor der Kamera. „Jüngst war ein Dreh im ,Blue Note‘. Der Premierentermin ist noch nicht bekannt“, berichtet Weidner.

Die Theaterkarriere von Matthias Pfordt als Komparse begann vor sechs Jahren: „Ich habe schon mal als Statist in einem Video mitgespielt, das für das Stück ,Lysistrata‘ von Aristophanes gedreht wurde – bei eisiger Kälte auf dem Schulhof der BBS Westerberg. Dieses Video wurde dann bei jeder Aufführung eingespielt. Ich habe also nicht im Emma-Theater selbst auf der Bühne gestanden, war aber in dem Video präsent. Damals hatte ich mich beworben, weil die ,Lysistrata‘ von Aristophanes eines meiner absoluten Lieblingstheaterstücke ist.“

Von 2017 bis 2018 stand Pfordt rund 30mal in „Nathan der Weise“ auf der Bühne und im Focus der Schüler bei deren Theaterbesuch. „Dazu bin ich gekommen, weil im Theater Werbezettel auslagen“, erinnert er sich.

Fast wären Weidner und Pfordt gemeinsam zum Casting für die zweite Staffel „Babylon Berlin“ nach Bonn gefahren: „Wir haben es dann gelassen, auch weil die Anfahrt zum Dreh recht weit gewesen wäre. Fraglich ist im Nachhinein, ob wir uns bei den 5000 Bewerbern überhaupt durchgesetzt hätten.“ Und weil sie im E-Mail-Verteiler für Statisten gelistet sind, brauchen die Mimen gar nicht in die Ferne zu schweifen. Sie müssen nur auf das nächste „Statisten gesucht“ warten.

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