Gruseliges und Spannendes zum internationalen Frauentag in Lotte
Schlaue und schaurige Frauen

Lotte -

Weltfrauentag. Während Wersens „Ratsstuben“ vergangenen Freitag beim Herrenabend ganz in Männerhand war, wurde Alt-Lottes Haus Hehwerth an diesem Tag zum Frauentreff. Lottes Gleichstellungsbeauftragte hatte zu thematischen Buchempfehlungen und Märchen und Erzählungen eingeladen – auch über „Die Weiße Frau von Wersen“.

Dienstag, 12.03.2019, 19:36 Uhr aktualisiert: 12.03.2019, 19:38 Uhr
Den Lotter Frauentag mit märchenhafter Kulisse im Haus Hehwerth richteten Thekla Hasselkuß (von links), Karin Lenze und Beate Diesel aus
Den Lotter Frauentag mit märchenhafter Kulisse im Haus Hehwerth richteten Thekla Hasselkuß (von links), Karin Lenze und Beate Diesel aus Foto: Ursula Holtgrewe

„Dass vor hundert Jahren Frauen zum ersten Mal wählen durften, haben wir starken Frauen zu verdanken“, begrüßte Karin Lenze mehr als 40 Interessierte. Noch vor dem eigentlichen Beginn standen die Frauen am Büchertisch von Beate Diesel . „Die Diätbücher habe ich auf die Märchenseite von Thekla gelegt“, sagte Lottes Büchereileiterin vieldeutig lachend.

In dem Fundus von Lottes Märchenerzählerin Thekla Hasselkuß konnte die Frauen ebenso blättern und stöbern. „Ich habe heute Märchen über starke Frauen mitgebracht. Sie sind stark im Kopf, im Herzen, im Umfang und im Erleiden“, machte sie auf dem goldenen Stuhl in ihrer märchenhaften Kulisse neugierig. Zu ihren Neuanschaffungen gehörte ein Werk, in dem auch Wersens „Weiße Frau“ veröffentlicht ist: Die Tochter einer verarmten Ritterfamilie, Maria, die in einer Burg nahe Wersen lebt, verliebt sich in Bauernsohn Arnold. Gegen ihren Willen verheiraten sie die Eltern an einen reichen Osnabrücker Kaufmann. Am Hochzeitstag ertränkte sie sich. Fortan erschien sie als Weiße Frau und fand erst ihre Ruhe, als die Burg dem Erdboden gleich war.

Als Kontrastprogramm stelle Beate Diesel Krimis vor. Schwedische von Christina Olsen mit der Frederika Bergman-Serie mit politischem Bezug, und auch die des Österreichers Andreas Gruber. „Der hat mich in seine Krimis reingezogen“, beschrieb sie ihre Faszination von dessen Stil und Erzählsträngen.

Zu den Empfehlungen gehörten weiterhin Amelie Frieds „Eine Woche im Paradies“ und Nele Neuhaus‘ „Muttertag“. Thekla Hasselkuß erfüllte am späteren Abend den Wunsch von Karin Lenze. „Es ist ein Märchen für Frauen im 21. Jahrhundert“, begann die Erzählerin und beschrieb eine Prinzessin, der ein Frosch aus einem Feuchtbiotop auf den Schoß sprang. „Süße, wenn du mich heiratest, werde ich wieder ein Prinz“, säuselte der Grüne. Es folgte eine machomäßige Zukunftsbeschreibung, in der er die Prinzessin zur Dienerin degradierte.

Abends schmunzelte sie vor sich hin bei einem Glas Chardonnay – und Froschschenkeln in Weißwein-Zwiebelsoße. Diese Art von Emanzipation gefiel den Besucherinnen.

Auf Gleichberechtigung im Rathaus angesprochen antwortete Karin Lenze: „Wir haben eine gute Frauenquote.“ Auch bei Leitungsfunktionen müsse sich die Lotter Verwaltung nicht verstecken, denn Frauen seien in der Überzahl: Petra Tepe als allgemeine Vertreterin von Bürgermeister Rainer Lammers im Fachbereich allgemeine Verwaltung, Esther Kleina-Metelerkamp (Leiterin Allgemeine Sicherheit und Ordnung, Soziales), Astrid Hickmann (Leiterin Bauverwaltung). In der Unterzahl in Leitungsfunktionen seien die Herren, Bürgermeister Lammers und Jörg Risse (Finanzen).

Bei öffentlichen Ausschreibungen steht in Bewerbungsunterlagen neben den hinlänglich bekannten Abkürzungen bei der Angabe fürs Geschlecht längst auch ein d. Das bedeutet divers und ist als drittes Geschlecht beispielsweise für intersexuelle Menschen eingeführt worden“, erklärte Lottes Gleichstellungsbeauftragte Karin Lenze. Gleichwohl sei Intersexualität relativ selten in kleinen Kommunen wie Lotte. Daher gebe es bei der neuen Toilettenanlage kein stilles Örtchen, auf dem „d“ steht.

Und dann ließ die Gleichstellungsbeauftragte durchblicken, dass sie es sich gut vorstellen könne, gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (AsF) und anderen Lotter Frauengruppen erneut einen ganzen Frauentag auszurichten. Da böte sich das Jahr 2021 an, wenn der Frauentag 110 Jahre alt wird.

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