Kerstin Beiderwellen sammelt seit fast 25 Jahren Müll
Von ekligen Windeln und Autoteilen

Lotte-Büren -

Umweltschutz ist für die Bürenerin Kerstin Beiderwellen selbstverständlich. Sie sammelt und entsorgt an der Bergstraße achtlos Weggeworfenes. Den heutigen „World cleanup day“ (Weltweiter Reinigungstag) verlegt sie auf viele Tage in zwölf Monaten. Was treibt sie an?

Samstag, 16.03.2019, 00:01 Uhr aktualisiert: 16.03.2019, 00:20 Uhr
Unverdrossen und bei jedem Wetter sammelt Kerstin Beiderwellen achtlos Weggeworfenes an Bürens Bergstraße auf.
Unverdrossen und bei jedem Wetter sammelt Kerstin Beiderwellen achtlos Weggeworfenes an Bürens Bergstraße auf. Foto: Ursula Holtgrewe

Im nächsten Jahr könne sie ihr „silbernes Sammeljubiläum“ feiern, registriert sie ein wenig erstaunt. „Naturverbunden bin ich eigentlich schon immer“, berichtet Kerstin Beiderwellen . Das liege wohl daran, dass sie in Westerkappeln-Seeste mit Blick aufs Naturschutzgebiet Düsterdieker Niederungen aufgewachsen sei. „Vielleicht bin ich auch deshalb Gärtnerin geworden.“

In dieser Woche war sie wieder unterwegs und hatte innerhalb kurzer Zeit auf „ihrer“ Heim-Sammelstrecke fast einen Zehn-Liter-Eimer voll aufgelesen. „Sehr häufig werden Café-to-Go-Becher weggeworfen“, kritisiert sie die Methode der Autofahrer: „Fenster auf und weg“.

Als sie vor rund einem Viertel Jahrhundert an die Bürener Bergstraße zog, erfüllte sie sich einen Wunsch. Etwa 300 Meter von ihrem Familiensitz entfernt in Richtung Wersen stallte sie ein Pony ein auf dem Gehöft von Familie Schwabe. Heute stehen dort zwei, „Navarre“ und „Olina“. Um sie zu versorgen und zu pflegen, macht sich die Umweltschützerin täglich auf den Weg. Einst radelte sie dicht neben der viel befahrenen Bergstraße, nach Fertigstellung des „Regenbogenradwegs“ nutzt sie die Sicherheit des Bürgerradwegs.

„Ich kann es nicht haben, wenn die Natur mit Müll verunstaltet wird. Wir müssen die Umwelt ordentlich hinterlassen, denn wir haben zwei Kinder“, begründet die Bürenerin ihr ehrenamtliches Engagement.

Beidseits der Fahrbahn und der Fahrradstrecke hebt sie in regelmäßigen Abständen den Müll auf, den Zeitgenossen achtlos der Natur überlassen. „Es gab eine Zeit, da lagen reichlich Pampers herum. Das ist etwas besser geworden“, beschreibt die Ehrenamtliche eklige Funde. Die könne man doch in den Hausmüll geben, ergänzt sie kopfschüttelnd.

Heimlich erhält der wilde Müll immer wieder Nachschub in Form von leeren Zigarettenschachteln, Glasflaschen, Energiedrink-Dosen, Pizzakartons, Verpackungen von Fast-Food-Ketten, sogar mal Autoteile wie zum Beispiel Radkappen. Was von der Größe her passt, wandert in den Eimer der Bürenerin. Anderes holt sie extra ab.

Dass Müll nicht achtlos weggeworfen, sondern zuhause entsorgt werden muss, vermittelt Familie Beiderwellen ihren Kindern seit Jahren. „Früher haben sich die Jugendlichen im ersten Konfirmandenjahr mit der Pastorin der Lotter Müllsammelaktion angeschlossen. In einem anderen Jahr sind wir mit unserem jüngeren Sohn dabei gewesen. Wir fanden die Geselligkeit zum Schluss beim Jugendtreff ,Sit In‘ schön“, erinnert sich Beiderwellen.

Tipps zur Vermeidung von Müll der Radtouristen an ihrer Hausstrecke, hat sie auch: „Ich hätte gern am Radweg mehr Mülleimer.“ Das müsse die Verwaltung regeln. Am Tisch an der Bergstraße fehle der Mülleimer, obwohl das Befestigungsrohr noch nahe der Sitzgruppe stehe. „Sinnvoll wäre es, an der ersten Bank in Richtung Wersen wieder einen Mülleimer zu installieren. Dort liegen häufig Reste herum.“

Neben der der Sitzgruppe an Bürens Bergstraße ist nicht einmal mehr eine Mülleimerhalterung an dem Pfahl vorhanden.

Neben der der Sitzgruppe an Bürens Bergstraße ist nicht einmal mehr eine Mülleimerhalterung an dem Pfahl vorhanden. Foto: Ursula Holtgrewe

Beharrlich kümmert sich die Umweltschützerin darum, ihr direktes Umfeld natürlich zu erhalten. Dazu gehört auch die gründliche Pflege der beiden Grünflächen der Gemeinde vor ihrem Haus. Für sie sei das alles selbstverständlich, „weil wir die Verantwortung jetzt haben und an unsere Kinder weitergeben werden.“

Damit dieses Verantwortungsbewusstsein noch weiter um sich greift, veranstalten sowohl die Grundschule in Alt-Lotte (am Donnerstag, 4. April) als auch die gesamte Gemeinde Lotte (Samstag, 6. April) eine Müllsammelaktion.

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