Jugend trifft Politik: Gelungene Auftaktveranstaltung in Wersen
Gute Stimmung und viele Ideen

Lotte -

Locker, entspannt und konstruktiv verlief die große Auftaktveranstaltung zum Dialogforum „Jugend trifft Politik“ in der Aula der Gesamtschule in Wersen. „Ich hoffe, das ist keine Eintagsfliege“, meinte Bürgermeister Rainer Lammers bewi der Eröffnung

Mittwoch, 10.04.2019, 17:12 Uhr
Die Demokratie in Gestalt einer Bambuspflanze hegen sollen alle Teilnehmer der ersten Dialogveranstaltung „Jugend trifft Politik“.
Die Demokratie in Gestalt einer Bambuspflanze hegen sollen alle Teilnehmer der ersten Dialogveranstaltung „Jugend trifft Politik“. Foto: Angelika Hitzke

In fünf liebevoll mit passenden Requisiten und stabilen Kartons als improvisierten Sitzmöglichkeiten gestalteten Foren diskutierten Jugendliche und Erwachsene in bunt gemischten Teams die Themen „Freizeitaktivitäten in Lotte“, „Öffentliche Räume auch für Jugendliche?“, „Mobilität“, „Beteiligungsmöglichkeiten für Jugendliche“ und „Müll“. Immer wieder fanden sich die Teams neu zusammenfür die die nächste Station

Der Regisseur, Conferencier und Musikproduzent Felix van Beuse sorgte als Hauptmoderator mit kleinen Spielchen von Anfang an für eine lockere Stimmung. Klar, dass bei der Frage „Wer kennt Capital Bra?“ sämtliche Jugendliche, für die der Rapper natürlich ein Begriff ist, die Bühne stürmten

Dafür waren die Politiker und Gemeindemitarbeiter bei der Frage „Wer war schon mal bei einem Spiel der Sportfreunde Lotte ?“praktisch unter sich. Immerhin zwei, nämlich Jugendpfleger Mirko Harmel und Servicebetriebsleiter Hans-Georg Kunkemöller, enterten die Bühne bei der Frage, wer denn an den Aufstieg der Sportfreunde Lotte in die zweite Liga glaube. Aber alle Anwesenden drängten sich dort auf die Frage: „Wer ist heute Abend motiviert?“

„Kommunalpolitik ist nicht so verstaubt, wie ihr vielleicht denkt, sondern hochinteressant“, hatte der Bürgermeister in seiner kurzen Eröffnungsrede gesagt und betont, dass die Mitwirkung der jungen Leute in der Gemeinde ganz wichtig sei. Moderator van Beuse unterstrich, dass der Austausch zwischen Jugend und Politik hier in Lotte zu einer „hoffentlich regelmäßigen“ Sache werden sollte. In jeweils 15 bis 20 Minuten diskutierten die zusammengewürfelten Teams aus Jugendlichen und Erwachsenen mit großer Ernsthaftigkeit und auf Augenhöhe.

So stellte beispielsweise eines der Teams beim Thema „Freizeitmöglichkeiten“ fest, dass sich zwar vieles in Vereinen abspielt, aber auch viele Angebote außerhalb gemacht werden. Die Jugendtreff böten viel für Zehn- bis 14-Jährige. „Ich finde, es sollte mehr für unsere Altersgruppe angeboten werden“, meinte die 17-jährige Sarah. Doch der vom Wersener Jugendtreff für Leute ab 16 angebotene Besuch des Georgsmarienhütter „Escape Rooms“ habe keine Resonanz gefunden, berichteten die Teammoderatoren. Aktuelle digitale News, eine Handy-App fürs Programm der Jugendtreffs, eine Online-Ausgabe des Wochenblatts und zusätzlich ein überall auszuhängender Überblick auf Papier, so die Lösungsvorschläge, könnte die Angebotsvielfalt bekannter machen und zur besseren Nutzung beitragen.

Ganz konkrete, mit etwas Vorlauf und gutem Willen auch relativ zeitnah umzusetzende Ideen erarbeiteten die Teams auch bei den Themen „öffentliche Räume für Jugendliche“, „Mobilität“ und „Müll“. Rapper Abdul aus Büren etwa fühlt sich mit seine Freunden nach Jugendtreffschluss im Bürgerpark wohl, wo die jungen Leute gern abhängen, mal ein Bier trinken und Musik hören wollen, aber oft von älteren Anwohnern, die dort mit ihren Hunden spazieren gehen, „angebollert“ würden. Den Platz, an dem sie sich treffen, mitgestalten und so über die Identifikation Vermülllung und Vandalismus vorbeugen, Mülleimer öfter leeren und mit Aschenbecher versehen, eine Schutzhütte aufstellen, das persönliche Gespräch mit den älteren Bürgern suchen – das waren hier die Vorschläge.

Dass der Taxibus eben kein Großraumtaxi, sondern ein Anrufbus zum normalen ÖPNV-Preis ist, wissen die meisten Jugendlichen gar nicht. Allerdings fährt er nur bis 20 Uhr. Was fehlt, ist nicht nur die Möglichkeit, am Wochenende nach einem Kinobesuch in Osnabrück zu normalen Abendstunden und nicht erst mit dem Nachtbus nach Mitternacht wieder nach Lotte zurückzukommen, sondern auch Preistransparenz bei den Tickets und die Nutzbarkeit des Schülermonats-Tickets nicht nur für den direkten Schulweg.

Wiederverwendbares Geschirr für öffentliche Veranstaltungen schlug Bürgermeister Lammers im Müllteam vor, Netze zum Auffangen des Abfalls an den Autobahnauf- und abfahrten Wirtschaftsförderin Joana Watermeyer. Der 14-jährige Paul plädierte dafür, das Thema Müll in jeder Schule im Unterricht zu behandeln, und erzählte, dass seine Schule in Uffeln jeden Dienstag eine Stunde lang Müll sammeln geht. Behälter für Mülltrennung, mehr Licht an Bushaltestellen und standortabhängige Leerungsintervalle waren weitere Vorschläge.

Das Zeugnis für die Beteiligungsmöglichkeiten Jugendlicher fiel durchwachsen aus: Der Wille und die Möglichkeiten sind zwar da, aber die Kenntnis darüber bei den jungen Leuten gering, obwohl sie sich auch im Internet beispielsweise auf der Homepage der Gemeinde informieren könnten. „Da sollte noch viel mehr passieren“, sagte etwa Jessica, die einräumte, dass sie persönlich keinen einzigen Ansprechpartner in der Gemeindeverwaltung kenne. „Ich werde nie von Jugendlichen angesprochen“, bestätigte Joana Watermeyer. Paul meinte, dass mehr Social-Media-Kontakte Abhilfe schaffen könnten.

Chill-Ecke, Fotobox und Fingerfood sorgten für Abwechslung in der Pause der dreistündigen Veranstaltung. Den Wettbewerb, wer auf den meisten Fotos mit Politikern beziehungsweise Jugendlichen zu sehen ist, gewannen Rapper Abdul und die Vize-Bürgermeisterin Helga Strübbe. Auf die Frage nach seinen Zielen zeigte sich der 15-Jährige selbstbewusst: „Also, ich will Bürgermeister werden!“ Die Verlosung einer „GoPro“-Action-Kamera gewann Jessica, die sich spontan zur Teilnahme entschlossen hatte.

Bevor Moderator Felix van Beuse jedem Teilnehmer eine Bambuspflanze als Symbol für die Demokratie, die anfangs gepflegt werden muss, aber dann wächst, überreichte, dankte er den Jugendlichen für den Mut, mitzumachen, sowie der Verwaltung, dem Bürgermeister und vor allem Ludger Vorndieck. Der Leiter des Bereichs Kinder- und Jugendförderung beim Kreis Steinfurt habe den Dialog vorangetrieben. Der gab das Lob an alle an der Vorbereitung beteiligten Lotter weiter. In einem waren sich alle einig: „Beteiligung geht nur, wenn alle mitmachen!“ Das war bei diesem Dialogforum der Fall.

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