Sondersynode des Kirchenkreises Tecklenburg in Westerkappeln
Mehrausgaben als beste Alternative

Tecklenburger Land -

Mit großer Mehrheit hat die Sondersynode des Evangelischen Kirchenkreises Tecklenburg am Mittwoch in Westerkappeln Mehrkosten von fast einer Dreiviertelmillion Euro für ein neues Verwaltungsgebäude in Münster genehmigt. Leicht fiel das den Synodalen nicht, für die meisten war das aber offensichtlich die beste Alternative.

Donnerstag, 11.04.2019, 14:48 Uhr aktualisiert: 11.04.2019, 17:54 Uhr
Mit großer Mehrheit billigte die Kreissynode Mehrausgaben für das neue Kreiskirchenamt in Münster.
Mit großer Mehrheit billigte die Kreissynode Mehrausgaben für das neue Kreiskirchenamt in Münster. Foto: Frank Klausmeyer

„Keiner verlässt den Saal“, erklärt Superintendent André Ost zu Beginn der Sondersitzung im Dietrich-Bonhoeffer-Haus. Das ist durchaus ernst gemeint. Denn von insgesamt 90 Synodalen aus 17 Kirchengemeinden haben sich nur 61 Frauen und Männer in die Teilnehmerliste eingetragen – gerade eine Person mehr als für die Beschlussfähigkeit gebraucht wird.

Thema am Mittwoch sind einzig und allein die Mehrkosten für einen gemeinsamen Verwaltungssitz der Kirchenkreise Münster, Steinfurt-Coesfeld-Borken und Tecklenburg am Coesfelder Kreuz in Münster.

Mit einer Entscheidung zu den Mehrausgaben tun sich die Synodalen schwer. Denn diese Fusion war nie eine Herzensangelegenheit; nicht für die Pfarrer, nicht für die Presbyter und schon gar nicht für die Beschäftigten des Kreiskirchenamtes in Lengerich. Am Ende eines langen Diskussions- und Entscheidungsprozesses überwog aber wohl die Einsicht, dass der Kirchenkreis durch Synergieeffekte eines Verwaltungszusammenschluss mehr gewinnen als verlieren kann.

Ich fühle mich nicht in einem Kirchenschiff, sondern wie auf der Gorch Fock.

Heinrich Arendröwer, Presbyter aus Lotte, fragt sich, ob nicht doch noch ein dickes Ende kommt.

„Es ist nicht gerade öffentlichkeitswirksam, wenn Kirche so viel Geld für Verwaltung ausgibt“, räumt der Superintendent ein. Die Mehrkosten für den Neubau seien jedoch Einmalkosten. Langfristig spare der Kirchenkreis, ist Ost überzeugt. Das heutige Kreiskirchenamt in Lengerich sei nicht zukunftsfähig, sowohl was die Gebäudesubstanz betrifft als auch die Verwaltungsorganisation. Will heißen: Investieren müssen hätte der Kirchenkreis so oder so.

Superintendent André Ost (Mitte) leistete am Mittwoch viel Überzeugungsarbeit.

Superintendent André Ost (Mitte) leistete am Mittwoch viel Überzeugungsarbeit. Foto: Frank Klausmeyer

Detailliert legt Ost die Karten offen, warum der Neubau so viel teurer wird. Die Auftragsbücher der Firmen seien voll. „Seit gut einem Jahr spielt der Markt verrückt.“ Die Preise seien deswegen nach zehn Jahren relativer Stabilität in die Höhe geschossen.

Wie es zur Kostensteigerung gekommen ist

Nachdem die drei Kirchenkreise Münster, Steinfurt-Coesfeld-Borken und Tecklenburg den Neubau eines gemeinsamen Verwaltungsgebäudes Ende 2016 beschlossen hatten, wurde ein Architektenwettbewerb gestartet. Für die Umsetzung des Siegerentwurfs vom Architekturbüro Bastian (Münster) waren Kosten von 9,6 Millionen Euro ermittelt worden – inklusive Grundstück.Die Gremien der Kirchenkreise entschieden sich für die Vergabe an einen Generalunternehmer. Doch schon bei der Ausschreibung beschlich die Verantwortlichen ein ungutes Gefühl. Denn die Resonanz war so spärlich, dass die Ausschreibungsfrist verlängert werden musste. Nur fünf von 18 angeschriebenen Unternehmen gaben ein Angebot ab. „Das zeigt, was in der Braubranche los ist“, sagt Superintendent André Ost. Die Angebote, die schließlich abgegeben wurden, „lagen jenseits von Gut und Böse“, erläutert Ost. Das niedrigste Angebot habe 33, das teuerste 73 Prozent über der Kalkulation gelegen.Was folgte, waren Nachverhandlungen bis in den März. Insbesondere durch eine abgespeckte Haustechnik und eine geänderte und damit billigere Fassadenkonstruktion seien Einsparpotenziale ausgeschöpft worden, berichtet Architekt Christoph Kamps vom Kirchenkreis Münster als Projektbegleiter. Wenn die Verträge bis Ostern unterschrieben werden, gewähre der Generalunternehmer drei Prozent Nachlass, so dass die Baukosten dann bei 11,3 Millionen Euro liegen. Hinzu kommen Investitionen für die EDV in Höhe von rund 400 000 Euro.

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Unter dem Strich stehen jetzt geplante Mehrausgaben von 1,7 Millionen Euro oder 14 Prozent. Angesichts der deutlich höheren Ausschreibungsergebnisse möchte der Superintendent aber nicht von einer Kostenexplosion sprechen. Da noch 400 000 Euro für die EDV-Ausstattung dazu kommen, deren Anschaffung allerdings ohnehin fällig gewesen wäre, müssen nun 2,1 Millionen Euro zusätzlich geschultert werden. Jeder der drei Kirchenkreise übernimmt 700 000 Euro – vorausgesetzt auch die anderen beiden stimmen zu.

Willkommen in Deutschland !

Pfarrer Detlef Salomo (Lotte) versteht nicht, warum in der Baubranche die Kosten immer über den Kalkulationen liegen.

Sein Tafelsilber muss der Kirchenkreis Tecklenburg dafür nicht verkaufen und auch keine Schulden machen, versichert Ost. Die zusätzlichen Ausgaben könnten aus Rücklagen finanziert werden. Auch dank weiter sprudelnder Kirchensteuereinnahmen hat der Kirchenkreis ein gutes Polster.

Bei den Synodalen bleiben Zweifel. Was passiert, wenn der Generalunternehmer mit seiner Kalkulation nicht hinkommt und mehr Geld verlangt oder mangelhaft baut, will Pfarrer Christian Heinz (Ibbenbüren) wissen. Das stehe nicht zu erwarten, erklärt Projektbegleiter Christoph Kamps. Ein Festpreis und der Fertigstellungstermin würden nach EU-Recht vertraglich fixiert.

Pfarrer Ingo Göldner aus Ladbergen äußert die Befürchtung, dass zuletzt Billiglöhner aus Moldawien den Preis für die ausgehandelten Kosten zahlen müssen oder minderwertige Baustoffe verarbeitet werden. Auch diese Sorge versucht Kamps zu entkräften. Das Unternehmen habe einen sehr guten Ruf, arbeite mit Subfirmen aus der Region zusammen und halte sich an tarifliche Bestimmungen.

In Gottes Namen, macht es und beißt in den sauren Apfel, sonst wird es noch teurer.

Pfarrer Andreas Finke (Ibbenbüren)

Pastor Andreas Finke (Ibbenbüren) will nichts mehr anbrennen lassen und ergreift das Schlusswort: „Wir haben die Kostensteigerung im Vorfeld der Bauphase erkannt und reagiert. Dieser Vorgang ist nicht mit dem BER, der Elbphilharmonie oder der Gorch Fock zu vergleichen.“ Die Synodalen lassen sich überzeugen. Bei nur drei Gegenstimmen und acht Enthaltungen werden die Mehrausgaben genehmigt. Alles andere wäre „ziemlich übel“ gewesen, meint Superintendent Ost. „Das hätte uns an den Anfang des Prozesses zurückgeworfen.“

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