Projekt „Sieben auf einen Streich“
Startschuss zur Aktivierung

Lotte -

Die zweite Phase des Förderprogramms für energetische Stadtsanierung für das 50er-Jahre-Quartier in Büren soll anlaufen. Im Verkehrs- und Umweltausschuss sperrte sich einzig die CDU gegen dieses Vorhaben. Sie spricht von Steuerverschwendung.

Mittwoch, 17.04.2019, 06:40 Uhr aktualisiert: 17.04.2019, 06:50 Uhr
Häuser aus den 50er-Jahren sind typisch für das Sanierungsquartier in Büren.
Häuser aus den 50er-Jahren sind typisch für das Sanierungsquartier in Büren. Foto: Angelika Hitzke

Leuchtturmprojekt für den Klimaschutz oder Verschwendung von Steuergeldern? Zwischen diesen Polen bewegte sich die Diskussion über die Teilnahme an der zweiten Phase des KfW-432-Pilotprojektes „Sieben auf einen Streich“, eines Förderprogramms für energetische Stadtsanierung, für das 50er-Jahre-Siedlungsquartier Büren im Lotter Verkehrs- und Umweltausschuss. Sie wurde letztlich gegen die Stimmen der CDU beschlossen.

Wie Lottes Klimaschutzmanager Marc-Philipp Nikolay und Sara Dietrich vom Kreis Steinfurt erläuterten, wurde mit der Analyse der Rahmenbedingungen – der energetischen Bestandsaufnahme und der Ermittlung des Potenzials – in den vergangenen zwei Jahren der Grundstein für die zweite Phase gelegt. „Jetzt geht es um die Aktivierung und Mobilisierung der Bürger und erste, relativ niedrigschwellige Angebote“, so Dietrich.

Dafür sorgen ein „Kümmerer vor Ort“ und der Aufbau eines Netzwerkes. Um die sieben Teilnehmer-Kommunen – außer Lotte sind Westerkappeln, Ibbenbüren, Mettingen, Neuenkirchen, Metelen und Wettringen dabei – zu entlasten, soll laut Dietrich ein Sanierungsmanagementteam aufgebaut werden, das beim Kreis Steinfurt im Amt für Klimaschutz angesiedelt ist und über Sammelanträge und Sponsoring die Gemeinden auch finanziell entlastet. Die KfW setze auf den Eigenanteil der Kommunen – für Lotte sind das 2500 Euro im Jahr 2019, je 5000 Euro in den Jahren 2020 und 2021 sowie 2500 Euro im Jahr 2022 – noch einmal 65 Prozent Förderung drauf. „Wir wollen Ende April den Antrag einreichen“, erklärte sie.

Im Ablaufplan für Büren sind für dieses Jahr die Vorstellung und aufsuchende Beratung durch den „Kümmerer“, der Aufbau eines lokalen Netzwerks, ein Gebäudescreening und eine Kampagne zum Energieträgerwechsel vorgesehen. Es gehe darum, Strukturen für die Verstetigung zu schaffen.

2020 soll der Kümmerer die Umsetzung erster Sanierungsvorhaben und Projekte begleiten, eine Themografieaktion im gesamten Quartier erfolgen, Modernisierung, Wohnumfeldgestaltung und Energieeinsparung in Eigenleistung angestoßen werden, eine Energiewerkstatt zur Umweltbildung installiert und in einer Kampagne über altersgerechte Umbaumöglichkeiten informiert werden.

2021 stehen neben dem fortlaufenden Sanierungsprozess Solarenergienutzung und Mobilität im Vordergrund, 2022 dann der zweite Teil energetischer Sanierungen mit der Bildung von Einkaufsgemeinschaften, Besichtigungsrundgang und Best-Practice-Beispielen. Regelmäßige Treffen und Nachbarschaftsfeste sollen dem Informationsaustausch und der Identifikation mit dem Quartier dienen.

Steffen Wascher monierte, dass „bis dato keine konkreten Maßnahmen erkennbar“ seien. „Auch der Ablaufplan ist mit vielen Hülsen gefüllt“, sagte er. Da es sich um eine punktuelle Förderung handle, profitiere nur ein kleiner Teil der Bevölkerung: „Wir lehnen diese Steuerverschwendung ab!“

Fraktionschef Werner Schwentker stieß ins gleiche Horn: „Die gute Absicht ist da, aber wir sehen nicht, dass was davon beim Bürger ankommt, der es braucht.“ In zwei Jahren habe es keine zählbaren Ergebnisse gebracht.

Nikolay betonte, dass nach der Konzepterstellungsphase jetzt erst das Sanierungsmanagement beginne, sodass naturgemäß noch keine konkreten Ergebnisse vorliegen könnten. Er verwies unter anderem auf die Sanierung der Elly-Heuss-Begegnungsstätte als zentrales öffentliches Projekt. Dietrich unterstrich, dass Förderung und Beratung mit „unglaublichen Angeboten“ Anreize und Hilfestellung gäben: „Das ist ein Leuchtturmprojekt für den Kreis Steinfurt!“

Für die SPD hob Hermann Brandebusemeyer das Sanierungsmanagement als „einen wichtigen Beitrag der einzelnen Haushalte“ zum Klimaschutz hervor. Und der stehe ganz oben auf der Tagesordnung. Hier werde ein ganzes Bündel von Maßnahmen vorgeschlagen und angestoßen: „Das ist ein Leitfaden, an dem wir uns entlanghangeln können.“ Jetzt gelte es, örtliche Akteure mit einzubeziehen: „Die SPD meint, die 5000 Euro sind gut angelegt.“

Der Meinung waren auch Friedel Glüder (Grüne) und Thomas Engels (FDP). „Büren wurde nicht ohne Grund ausgesucht. Hier sind besonders viele Häuser aus den 50er-Jahren“, so Glüder. Da die Bevölkerung noch sehr wenig über energetische Sanierung wisse, sei dies eine gute Möglichkeit, auf die Förderung aufmerksam zu machen – gerade, weil sich die Bevölkerungsstruktur dort ändere.

Und Engels fand: „Bei den Summen sollten wir uns nicht groß anstellen.“

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