Entsorgung des Verpackungsmülls
Vorerst weiter nur Gelbe Säcke

Lotte -

Wünschenswert im Sinn der Bürger wäre eine Kombination von Gelbem Sack und Gelber Tonne für die Entsorgung von Verpackungsmüll. Doch dazu bedarf es der Einigkeit unter den Kommunen im Kreis. Die ist vor 2023 nicht zu erzielen, deshalb bleibt es in Lotte vorerst bei Gelben Säcken.

Freitag, 19.04.2019, 06:44 Uhr aktualisiert: 19.04.2019, 07:01 Uhr
In Lotte bleibt es bis 2023 beim Gelben Sack als Entsorgungsweg. Die Gemeinde soll sich allerdings für eine Kombination mit der robusteren Gelben Tonne stark machen, ist die einhellige Meinung im Umweltausschuss.
In Lotte bleibt es bis 2023 beim Gelben Sack als Entsorgungsweg. Die Gemeinde soll sich allerdings für eine Kombination mit der robusteren Gelben Tonne stark machen, ist die einhellige Meinung im Umweltausschuss. Foto: dpa

In einem waren sich die Lotter Kommunalpolitiker in der jüngsten Sitzung des Verkehrs- und Umweltausschusses von vornherein einig: Am liebsten wäre ihnen ein Mischsystem aus Gelbem Sack und Gelber Tonne für die Entsorgung von Verpackungsmüll. Lebhaft diskutiert wurde zudem ein Antrag der Grünen zur energetischen Nutzung des bei der Landschaftpflege anfallenden Grünabfalls.

Hintergrund für die Thematisierung von Gelbem Sack und Gelber Tonne ist das seit 1. Januar geltende neue Verpackungsgesetz. Es gibt den Kommunen die Möglichkeit, die Rahmenvorgaben für den nächsten Sammlungszeitraum von 2021 bis 2023 zu ändern, also sich für eines der beiden Systeme oder eine Kombination, zu entscheiden.

Weil die Entsorgungsgesellschaft Steinfurt (EGST) als Systembetreiber juristisch gegen ein für ihn mit höheren Kosten verbundenes Mischsystem vorgehen könnte, haben sich mehrere Kommunen im Kreis bereits auf eines der beiden Systeme festgelegt: Einige wie Greven und Ochtrup auf den Gelben Sack, andere wie Emsdetten und Lengerich auf die Gelbe Tonne, die allerdings nur alle vier Wochen geleert wird.

Wegen der unterschiedlichen Positionierung der Kommunen, so erläuterte Lottes Umweltbeauftragte Ursula Wilm-Chemnitz in der Beschlussvorlage, sei ein zeitnahes Durchsetzen des bürgerfreundlicheren Mischsystems unrealistisch geworden. In Lotte leere das Entsorgungsunternehmen Tönsmeier freiwillig aus Kulanz auch privat von Bürgern angeschaffte und an die Straße gestellte Gelbe Tonnen, obwohl der Gelbe Sack offizieller Entsorgungsweg ist.

Eine Kombination aus Gelber Tonne, die zusätzliche Stellfläche erfordert, die nicht jeder hat, und deren Volumen begrenzt ist, und zusätzlich Gelbem Sack käme dem Entsorgungsbedarf am ehesten entgegen. Da aber derzeit eine Entscheidung für die Gelbe Tonne einen völligen Verzicht auf den Abtransport der Gelben Säcke bedeutet, sprach sich das Gremium einstimmig für die Beibehaltung des Gelben Sacks aus. Die Verwaltung soll aber auf die EGST einwirken, sich im nachfolgenden Ausschreibungszeitraum für eine kombinierte Sammlung aus Gelbem Sack und Gelber Tonne sowie eine bessere Qualität der Gelben Säcke einzusetzen.

Wie Ursula Schmidt-Neubauer für die Antragsteller erläuterte, sollen mit der energetischen Nutzung von Biomasse aus der Unterhaltspflege, also dem Grünschnitt aus der Mahd kommunaler Flächen und Wegeränder, die Ziele aus dem im Masterplan der Gemeinde verankerten Klimaschutzkonzept und die Artenschutzstrategie unterstützt werden. Der Antrag sah daher vor, die Verwaltung mit der Bewertung des Biomassenpotenzials und der Prüfung möglicher Kooperation mit Nachbarkommunen und lokalen Akteuren zur Verwertung des Pflanzenmaterials zu beauftragen.

Die Grünen-Ratsfrau berichtete, dass sie in den elf Jahren, die sie in Osterberg am Höhenweg gewohnt hatte, beobachtet habe, wie sich die Wegeränder durch Vermulchung statt Abtransport der Mahd verändert hätten und die Artenvielfalt (Biodiversität) auf der Strecke geblieben sei. Ökologisch sei der Abtransport der jährlich zweimaligen Mahd für die nötige Ausmagerung der Böden sinnvoll. Zur möglichen energetischen Nutzung der Biomasse schlagen die Grünen eine Potenzialanalyse in Zusammenarbeit mit anderen Kommunen zur Verwertung in Biogasanlagen oder zur Herstellung von Pellets vor.

Für die SPD begrüßte Hermann Brandebusemeyer die Idee als „durchaus sinnvoll“. Das Problem seien die Kosten durch erhöhten Arbeitsaufwand. Deshalb müsse man zunächst in Kooperation mit anderen Kommunen gucken, was an Biomasse anfällt, ob die anderen Gemeinden bereit sind, mitzuziehen, und dann erst eine Machbarskeitsstudie für die Nutzung machen, deren Kosten auf 5000 Euro gedeckelt werden sollten.

Hartmut Meyer (CDU) gab zu bedenken, dass die Entsorgung des Mähgutes wegen für Biogasanlagen ungeeigneter Begleitstoffe „mit sehr hohen Kosten verbunden“ sei. „Biogasanlagen sind wie Hochleistungskühe zu füttern“, sagte der Landwirt aus Halen. Sein Fraktionschef Werner Schwentker verwies darauf, dass andere Geräte eingesetzt werden müssten und Pflege und Abtransport dann zeitaufwendiger wären.

Wilm-Chemnitz betonte, dass es sich um einen politischen Antrag in Kooperation mit dem Kreis Steinfurt handele, der die Möglichkeit eröffne „zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen“, nämlich Artenschutz und Klimaschutz. Es gebe tatsächlich interessierte Kommunen, „aber es hat sich noch keiner vorgewagt“, räumte die Umweltbeauftragte ein und schlug vor, auch die Unterhaltungsverbände dazu zu hören.

Der Ausschuss empfahl schließlich einstimmig, zunächst unter Einbeziehung des Kreises die Zusammenarbeit mit benachbarten Kommunen und lokalen Akteuren auszuloten und eine Machbarkeitsstudie für maximal 5000 Euro anzustreben.

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