„Fahrkarte für alle oder keinen“
Bürener Eltern wollen kostenlose Schülerbeförderung nach Wersen

Lotte-Büren -

Bürener Eltern wollen nach wie vor auch für Kinder, die in der Sekundarstufe I sind und die Gesamtschule Lotte-Westerkappeln am Standort Wersen besuchen, eine kostenlose Schulbusbeförderung unabhängig von der Entfernung. Denn der reguläre Schulweg entlang des Strotheweges, so ihr Argument, „wurde als höchstgefährlich eingestuft“.

Sonntag, 05.05.2019, 16:50 Uhr aktualisiert: 06.05.2019, 16:26 Uhr
Am Strotheweg gibt es nur auf einer Seite einen relativ schmalen Weg, den sich Fußgänger und Radfahrer teilen müssen. Besonders frühmorgens, wenn an der Bushaltestelle Gedränge herrscht, ist das Durchkommen schwierig. Kleinmes Bild: Die Überquerung der Atterstraße (rechts) vom Strotheweg (links) ist wegen der Kurve und der Gleise unübersichtlich und für Schulkinder schwierig.
Am Strotheweg gibt es nur auf einer Seite einen relativ schmalen Weg, den sich Fußgänger und Radfahrer teilen müssen. Besonders frühmorgens, wenn an der Bushaltestelle Gedränge herrscht, ist das Durchkommen schwierig. Kleinmes Bild: Die Überquerung der Atterstraße (rechts) vom Strotheweg (links) ist wegen der Kurve und der Gleise unübersichtlich und für Schulkinder schwierig. Foto: Angelika Hitzke

Das zumindest schreibt Kathrin Kröger-Spiegel in einer E-Mail vom 23. April an die Redaktion. Ein paar Eltern, so Kröger-Spiegel, wollten dieses Thema zum wiederholten Mal aufgreifen, weil sich Änderungen ergeben hätten, die aber nicht für alle von Vorteil seien.

„Uns geht es nicht um die 3,5 Kilometer, sondern um die Sicherheit. Entweder für alle eine Karte oder für niemanden,“ fordert sie. Sie meint damit die in Paragraf 5 der Schülerfahrkostenverordnung des Landes NRW definierte Notwendigkeit einer kostenlosen Schülerbeförderung.

Anspruch darauf haben danach nur jene Schüler der Sekundarstufe I, bei denen die einfache Entfernung zwischen Wohnung und Schule mehr als 3,5 Kilometer beträgt. Zum Vergleich: Grundschülern wird ein Schulweg von zwei Kilometern, Gymnasiasten der Sekundarstufe II ein Weg von fünf Kilometern zugemutet. Wie sie den zurücklegen, ob zu Fuß oder mit dem Rad, ist dabei unerheblich. Ausnahmen gibt es nur für Schüler, die vorübergehend aus gesundheitlichen Gründen oder wegen einer Behinderung auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind. Und – unabhängig von der Entfernung – auch für jene, deren Schulweg „nach den objektiven Gegebenheiten besonders gefährlich oder nach den örtlichen Verhältnissen für Schülerinnen und Schüler ungeeignet ist.“

Die Überquerung der Atterstraße (rechts) vom Strotheweg (links) ist wegen der Kurve und der Gleise unübersichtlich und für Schulkinder schwierig.

Die Überquerung der Atterstraße (rechts) vom Strotheweg (links) ist wegen der Kurve und der Gleise unübersichtlich und für Schulkinder schwierig. Foto: Thomas Niemeyer

Paragraf 6 Absatz 2 definiert, wann das der Fall ist: „Ein Schulweg ist insbesondere dann besonders gefährlich, wenn er überwiegend entlang einer verkehrsreichen Straße ohne Gehweg oder begehbaren Randstreifen führt, oder wenn eine verkehrsreiche Straße ohne besondere Sicherung für Fußgänger überquert werden muss.“

Ob die Gefahren auf dem Strotheweg und auf den möglichen Ersatzrouten Hansastraße oder Bergstraße und dann weiter über Atterstraße, Mühlenbreede, Zum Attersee, Bringenburg, Alter Mühlenweg, Ampel Poststraße, Zum Herrengarten über die Gefahren des normalen Straßenverkehrs hinausgehen, darüber gehen die Meinungen auseinander.

Eltern wie Carola Robbers oder Kerstin Seidensticker halten den Strotheweg, die Kreuzung Strotheweg/Atterstraße und auch die Ecke Mühlenbreede/Zum Attersee wegen des starken Gefälles für hochgefährlich, wenn ihre Kinder mit dem Rad zu Schule fahren. Zu Fuß aber, so argumentieren sie, sei der Weg sehr weit. „Wir haben unserer Tochter in der fünften und sechsten Klasse deswegen die Busfahrkarte bezahlt“, erzählt Kerstin Seidensticker, „Jetzt ist sie 13 und fährt mit dem Rad.“ Wie die jetzt zwölfjährige Alexandra Robbers, die nach Einschätzung ihrer Mutter inzwischen routiniert und vernünftig genug ist, an den Gefahrenpunkten besonders vorsichtig zu sein.

Ersatzschulweg Hansastraße: Hier ist das Überqueren der stark befahrenen Atterstraße auf den gegenüber liegenden Radweg ein wenig sicherer, weil die Sicht in beide Richtungen frei ist.

Ersatzschulweg Hansastraße: Hier ist das Überqueren der stark befahrenen Atterstraße auf den gegenüber liegenden Radweg ein wenig sicherer, weil die Sicht in beide Richtungen frei ist. Foto: Angelika Hitzke

Die gebe es nicht nur auf der stark abschüssigen Mühlenbreede, wo gerade morgens und nachmittags reger Autoverkehr am Kindergarten herrsche, sondern auch an der Einmündung des Teichweges in die Atterstraße, die der einseitige, in beide Richtungen zu nutzende Radweg quert, aber die Autofahrer wegen des hohen Zauns weit vorfahren müssen.

Das Straßenverkehrsamt beim Kreis Steinfurt, so teilte Landkreis-Pressesprecherin Kirsten Weßling auf Nachfrage mit, verneint das nach Auswertung der Unfalldaten: „Aus fachlicher Sicht ist der Strotheweg in Büren nicht als besonders gefährlich eingestuft“, so Weßling. Reiner Schöttler, Sprecher der Kreispolizeibehörde, bestätigt dies: „Wir hatten da mal einen Unfall mit einem Kind, aber der liegt schon etwas zurück.“ Ein „Unfallhäufungspunkt“ sei der Strotheweg nicht.

In der Lotter Gemeindeverwaltung stuft man die Einmündung des Strotheweges in die Atterstraße und auch die Westerkappelner Straße durchaus als gefährlich ein. Wenn die Schüler die stark befahrene Atterstraße überqueren müssen, um auf den nur auf einer Seite vorhandenen Radweg zu gelangen, sei es wegen der Kurve und der Schienen „schwierig“ für die Kinder, alles im Blick zu haben, sagt Petra Tepe , Hauptamtsleiterin und allgemeine Vertreterin von Bürgermeister Rainer Lammers.

Es gebe aber einen Ersatzschulweg über die Hansastraße. Die Bergstraße mit ihrem erst vor wenigen Jahren neu gebauten Rad-/Gehweg gilt laut Tepe nicht als offizieller Ersatzweg. An der Einmündung der Hansastraße in die Atterstraße müsse diese zwar auch überquert werden, hier sei die Situation aber überschaubarer und daher weniger gefährlich. „Dazu müssen sich die Kinder oben vom Berg aber erst mal von der Schule entfernen, um dann die Straße zu überqueren. Welches Kind macht das schon?“ gibt Kerstin Seidensticker zu bedenken.

Wie Carla Robbers und Kathrin Kröger-Spiegel weist sie darauf hin. dass in der Stadt Osnabrück im Nachbarland Niedersachsen alle Kinder eine Fahrkarte für den Schulbus bekommen, „auch, wenn sie direkt neben der Schule wohnen“.

Der Schulzweckverband Lotte-Westerkappeln als Träger ist aber laut Lottes Hauptamtsleiterin Petra Tepe an die gesetzlichen Vorgaben gebunden. Einen Ermessensspielraum gebe es nicht: „Nur wenn es keinen Ersatzschulweg gäbe, hätten alle Anspruch“, erklärt Tepe.

Ihre Mitarbeiterin Silke Timmermann berichtet, dass die Gemeinde die Entfernungen genau nachgeprüft habe. „Wir haben uns viel Mühe gegeben“, sagt sie und berichtet: „Ich bin mit dem Messrad durch die Gegend gelaufen.“ Vom Ergebnis „profitieren auch ganz viele Kinder“.

Aber eben nicht alle. Wer rund um Kromschröder oder am Schmalkenweg wohnt, muss zu Fuß gehen, mit dem Rad oder dem Elterntaxi fahren – oder die Busfahrkarten eben selber bezahlen. Das wollen die Bürener Eltern gern ändern: „Jedes Kind hat das gleiche Recht auf Bildung. Dann sollte es auch für jedes Kind eine Busfahrkarte geben“, findet nicht nur Kerstin Siedensticker.

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