Feuerwehr Lotte hat neun weibliche Mitglieder
Frauen an den Brand-Herd

Lotte -

„Frauen an den Brand-Herd“ wirbt das „Netzwerk Feuerwehrfrauen“ für weibliche Mitglieder auch in Freiwilligen Feuerwehren. Aktuell stellen sich in der Gemeinde Lotte neun Frauen den Einsatzbereichen der Wehr: Retten, Löschen, Bergen und Schützen. Was fasziniert sie daran?

Dienstag, 07.05.2019, 17:48 Uhr aktualisiert: 07.05.2019, 18:17 Uhr
Sie stehen bald allesamt ihre Frau bei Feuerwehreinsätzen in Lotte: Jana Duhme (von links), Nicole Janikulla, Katja Rahe, Svenja Ströker, Pia Brüggemann, Alina Weber und Marion Hoffeld.
Sie stehen bald allesamt ihre Frau bei Feuerwehreinsätzen in Lotte: Jana Duhme (von links), Nicole Janikulla, Katja Rahe, Svenja Ströker, Pia Brüggemann, Alina Weber und Marion Hoffeld. Foto: Ursula Holtgrewe

Übereinstimmend betonen die Frauen, es sei für sie selbstverständlich, sich ehrenamtlich für die Gesellschaft zu einzusetzen. Den anspruchsvollen Dienst in der Feuerwehr traten sie aus unterschiedlichen Gründen an.

Es sind Brüder, die die jüngere Schwester und deren Freundin neugierig gemacht haben in die Jugendwehr einzutreten – und dabei zu bleiben. Es gibt weiterhin Quereinsteigerinnen, die durch den Freund zur Lotter Freiwilligen Feuerwehr gekommen sind; oder weil die Berichte der Kinder die Mutter neugierig gemacht haben, so wie bei Maren Hoffeld. „Ich wollte mitreden können und selbst das machen, worüber sie reden“, sagt sie lachend.

Jana Duhme erinnert sich: „Es war in Wersen beim Osterflammen 2009. Meine Mutter hat mich zur Jugendwehr angemeldet und ich bin geblieben.“

Oder wie bei Katja Rahe . Die zweifache Mutter hat auch aus Sicht von Lottes Wehrleiter Marcus Prinz einen ungewöhnlichen Weg beschritten. Sie blickt zurück: „Ich habe miterlebt, wie ein Kunde zusammengebrochen ist und keiner konnte so recht helfen. Beim Nachhausegehen fiel mir ein Plakat für einen Infoabend der ,First Responder‘ auf. Da war für mich klar: da gehe ich hin.“ Katja Rahe wurde „First Responder“. Der weitere Schritt, sich der Lotter Feuerwehr als aktives Mitglied anzuschließen, sei für sie dann naheliegend gewesen, betont sie.

Die vielfältigsten Erfahrungen als Feuerwehrfrau bringt zweifelsohne Nicole Janikulla mit. „Ich bin mit 18 Jahren zur Wehr gekommen durch die Aktivität meines Vaters“, blickt sie im 24. Ehrenamtsjahr bei der Alt-Lotter Feuerwehr zurück.

In Wersen engagieren sich mit unterschiedlichen Qualifikationen Katja Rahe, Alina Weber, Maren Hoffeld, Jana Duhme, Svenja Ströker, Pia Brüggemann, Ramona Wedemeyer und Franziska Feist. Die Ausbildung bei der Feuerwehr unterscheidet nicht zwischen Frauen und Männern. In NRW besteht sie aus vier Modulen zur Truppmannausbildung, der Grundausbildung. Sie findet in der Regel auf Gemeindeebene statt zu den Themen Grundlagen in Erster Hilfe, Löscheinsatz und technische Hilfe. Die Prüfungen umfassen Theorie und Praxis. Die meisten Lotter Frauen sind noch in der Grundausbildung. Sie können später entscheiden, wie viele Zusatzqualifikationen hinzukommen sollen.

Für die Fitness ist jede selbst verantwortlich und entscheidet, ob Laufen und/oder Muckibude zu vereinbaren sind mit dem Arbeitsalltag. Alle drei Jahre unterzieht sich jeder einem Fitnesscheck, ab dem Alter von 50 Jahren jährlich.

Jana Duhme erinnert sich dreieinhalb Jahre zurück an die Einsatzrealität als Feuerwehrfrau: „Mein erster richtiger Großeinsatz war beim Brand bei der Spedition Sostmeier. Es ist schon etwas anderes als bei Übungen, wenn man im Ernstfall zehn bar Druck auf dem Schlauch hat. Das hat mich beeindruckt und überrascht. Da muss man auch mal zwei Stunden lang richtig zupacken.“

Auch in Abschlussprüfungen der Grundausbildung können Dinge trotz reibungslosen Trainings mal nicht klappen. Davon können Katja Rahe und Pia Brüggemann berichten. Entmutigt hat sie das keineswegs. „Es war zu Beginn schon ein detailliertes Lernen erforderlich, wo auf dem Fahrzeug die vielen Gerätschaften verstaut sind und wie sie funktionieren“, berichtet Pia Brüggemann. „Der 88 Kilo schwere gefüllte B-Schlauch war eine größere Herausforderung, die wir dann zu zweit gestemmt haben“, erinnert sich Alina Weber schmunzelnd.

Lottes Feuerwehrfrauen sind selbstbewusst und wissen, was sie können. Sie kontern bei Bedarf im rauen Ton der Kameraden und sind bereit, das gleiche zu machen wie die Männer. Jana Duhme betont unter fröhlichem Nicken der Kameradinnen:

„Es ist schon etwas Besonderes, wenn bei Ölspureinsätzen 75 Prozent Frauenbeteiligung zu verzeichnen sind“, hebt Katja Rahe heraus. Marcus Prinz ergänzt: „Und es gibt Kommunen, in denen die Tagesverfügbarkeit der Frauen höher ist, als bei den Männern, sodass nur Frauen auf den Fahrzeugen sind.“

Wer Interesse hat, kann sich montags, 20 Uhr, bei den Übungsabenden in den Gerätehäusern informieren. Eindrücke über die qualifizierte Arbeit der Freiwilligen Feuerwehr gibt es bei der Nordlichtübung am kommenden Freitag, 10. Mai, ab 19 Uhr mit Szenarien in Büren, Wersen und Alt-Lotte, für die die Lotter Kameraden die Drehbücher geschrieben haben, als Ausrichter aber nicht aktiv mitmischen.

Marcus Prinz ist stolz auf „seine“ engagierten Feuerwehrfrauen: „Sie sind unproblematisch und wollen gleichbehandelt werden. Sie werden genauso akzeptiert, als wenn männliche Kameraden dazukommen.“ Ramona Wedemeyer flicht ein: „Wir sind Frauen mit unterschiedlichen Lebenserfahrungen zwischen achtzehn und zweiundvierzig. Wir kommen gut miteinander aus, denn wir lachen lieber miteinander, als das wir uns anzicken.“

Nicole Janikulla, die viele Facetten bei Einsätzen auch an Brand-Herden erlebt hat, sagt nach wie vor: „Feuerwehr macht einfach Spaß.“

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