Zwei Lotter Beispiele für mehr Natur im eigenen Garten
Bienenbuffet und Vogelparadies

Lotte -

Anne Hollander hat in ihrem ansonsten akkurat gepflegten Siedlungsgarten in Alt-Lotte zwei jeweils rund 100 Quadratmeter große Wildflächen und ein Insektenhotel. Annette Hagedorn und ihr Mann Werner waren sich schon 1989, als sie ihr Haus an der Krümpelstraße gebaut haben, einig, „dass wir einen wilden, grünen Garten haben wollen.“

Mittwoch, 08.05.2019, 19:00 Uhr
Blick von der Terrasse in den naturnahen, eben nicht super „ordentlichen“ Garten der Hagedorns. Er ist für viele Tier- und Pflanzenarten ein Refugium.
Blick von der Terrasse in den naturnahen, eben nicht super „ordentlichen“ Garten der Hagedorns. Er ist für viele Tier- und Pflanzenarten ein Refugium. Foto: Angelika Hitzke

So ist er auch geworden – und dazu Heimat nicht nur für Insekten, sondern auch für Frösche, Molche, Vögel und Erdkröte „Elisabeth“.

Schon seit mindestens 30 Jahren, erzählt Anne Hollander , habe ihr verstorbener Mann Heyko darauf bestanden, eine Ecke des ansonsten kurz gehaltene Rasens wild wachsen zu lassen und nur einmal im Jahr mit der Sense zu mähen. Das erledigt jetzt ein Bekannter, denn die Gartenbesitzerin ist nicht mehr die Jüngste und hat mit der restlichen Pflege des insgesamt über 1200 Quadratmeter großen Grundstücks genug zu tun. Allein fürs Rasenmähen braucht sie anderthalb Stunden: „Ich mache jeden Tag ein bisschen“, sagt sie.

Im vergangenen Jahr habe sie Ulrich Harhues von der Bürgerstiftung Lotte angesprochen, dass sie ein Stück Garten für eine bienenfreundliche Wildblumenwiese zur Verfügung stellen könne. „Das wäre Heykos Ding gewesen“, ist sie überzeugt. Harhues habe dann Freunde aktiviert, die den Rasen umgebrochen und eigens dafür bestellte Erde darauf verteilt hätten. Darauf, so berichtet Urlrich Harhues auf Nachfrage, habe er dann die Osnabrücker Mischung, einen Mix aus 41 regionaltypischen Wildblumen- und drei Grasartensamen, ausgesät.

Über das Ergebnis ist Anne Hollander bisher aber recht enttäuscht: „Letztes Jahr war es fast nur ein Kraut, das aussah wie Senf, keine Kornblumen, kein Mohn“, sagt sie. Immerhin: Bei Sonnenschein summt und brummt es rund um das auf dem Rasen aufgestellte Insektenhotel. Und dieses Jahr wachsen neben dem Kraut mit den unscheinbaren gelben Blüten, von dem keiner so genau weiß, was es ist, auch zartes Wiesenschaumkraut, leuchten große, orangefarbene Blüten und tief dunkelrote Blütenstände an Pflanzen mit kleeähnlichen Blättern.

Da die Mischung aus mehrjährigen Wildpflanzen besteht, dürfe man natürlich keine großblütigen Blumen wie die Zuchtsorten aus dem Gartenmarkt erwarten. Und man muss sich in Geduld üben: „Man kann nicht sofort im ersten Jahr die volle Pracht haben“, erklärt Harhues. Beim Wildblumen-Saatgut, das der Kreis Steinfurt ausgebe, müsse man die Wiese fünf Jahre stehen lassen, bis sich je nach Boden- und Witterungsverhältnissen das endgültige Bild zeige: „Das verändert sich von Jahr zu Jahr.“

Von Anfang an „urwaldähnlich“ mit großer Artenvielfalt auch an Bäumen und Sträuchern, unterschiedlichsten Obstsorten, Teichen und einer von einer Pfeifenwinde berankten Pergola überdachten Terrasse angelegt ist der Garten der Hagedorns vor und hinter ihrem Haus an der Krümpelstraße. Die mindestens 20 Meter hohe, zum Teil efeubewachsene Robinie gleich am Eingang habe sie 1982 im Balkonkasten ausgesät, erzählt Annette Hagedorn stolz und freut sich über Hummel, Bienen und Co.: „Wenn die Anfang Juni blüht, dann summt und brummt es. Und wenn im Herbst der Efeu blüht. summt und brummt es wieder!“

Die gepflanzten Wildkrokusse und Tulpen – „mein Mann ist ein Blumenzwiebelfreak“ – zwischen Mirabelle, Pflaume, grüner Stachelbeere und Aroniabeere sind größtenteils schon ausgeblüht, jetzt überwiegen im Vorgarten die Blautöne von Gedenkemein, Vergissmeinnicht und Akelei, die sich selbst aussäht. In Töpfen, die drinnen überwintern, gedeihen Zitronen- und Mandarinenbäumchen.

An den Seiten des Hauses ranken auf einer Seite Efeu, auf der anderen russischer Wein und Blauregen empor: Fast bis zum Dach reicht die Glyzinie mit ihren prachtvollen Blütenkaskaden. Davor gedeiht ein Pfirsichbaum. Kornelkirsche, Felsenbirne, Ilex, Salomonsiegel, Christrosen, Eberesche, Haselnuss, wilde Mirabelle, Aprikosen, Mandelbaum und Trompetenblume, ein Elstar-Apfelbaum, eine Williams-Christ-Birne, eine Schattenmorelle und eine große Trauerweide, die einen Pavillon vor einem der beiden Teiche hinterm Haus bildet: Bäume und Sträucher gibt es auf den knapp 1000 Quadrametern Garten genauso reichlich wie Wildblumen und -kräuter.

Dabei, so betont Annette Hagedorn, macht diese Vielfalt auch noch wenig Arbeit: „Mal was Vertrocknetes abschneiden oder das, was überhand nimmt, zurückschneiden und etwas Löwenzahn ausstechen, wenn es zu viel wird, und die Korbweiden am Teich beschneiden“ – dass sei eigentlich alles. Grasschnitt und gehäckselte Pflanzenabfälle kommen auf den Komposthaufen, Laub und reifer Kompost auf die Beete: „Das ist ein stetiger Kreislauf.“

In den Korbweiden niste der Zaunkönig, am Teich mit den kleinen Fischen könne sie im Winter den Eisvogel beobachten. Im anderen Teich sind Frösche und laichen Molche, die man manchmal auf den Natursteinen an der Terrassenböschung sehe, erzählt sie und entfernt vorsichtig einen der Bruchsteine: „Das ist Erdkröte Elisabeth“, schmunzelt sie.

Neben Grünfink, Meisen, Sperling und Amsel fühlen sich hier auch Rotkehlchen, Dompfaff, Heckenbraunelle und Gartenbaumläufer wohl. Und dass trotz Kater Bruno, der die Ratten vom Kompost fernhält und diejenigen, die sich trotzdem hintrauen, tötet und unter der Trauerweide ablegt. Die Vögel aber lässt er laut Hagedorn im Gegensatz zu einer seiner Vorgängerinnen in Ruhe, weshalb die auch keinen Spektakel machen, wenn er im Garten ist. Der Kater kam vor gut zwei Jahren vorbei, sprang trotz der schon vorhandenen Katze gleich aufs Sofa, ließ sich kraulen „und ist einfach hier eingezogen“, erzählt die Tier- und Naturfreundin.

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