Pfarrer Detlef Salomos Abschied: Rückblick auf 20 Jahre
Er kam als Familie

Lotte -

Der Abschied fällt Detlef Salomo nicht leicht, doch bald ist es soweit. 20 Jahre lang war er Pastor in der evangelischen Gemeinde in Alt-Lotte, am 2. Juni 2019 geht diese Zeit zu Ende. Ein Rückblick.

Donnerstag, 23.05.2019, 18:00 Uhr
Pfarrer Detlef Salomo verabschiedet sich in den Ruhestand.
Pfarrer Detlef Salomo verabschiedet sich in den Ruhestand. Foto: Jannik Zeiser

In seiner Jugend habe er lange nicht gewusst, was einmal aus ihm werden sollte: Schauspieler? Kabarettist? Lehrer? „Mein Vater wollte, dass ich Architekt werde“, erzählt Detlef Salomo . Letztere Idee war schnell vom Tisch – mathematisch sei er zu unbegabt, so Salomo selbst –, die anderen Professionen hat er jedoch zumindest ein bisschen verwirklicht – als Pfarrer .

„Als Pfarrer kann ich meine persönlichen Interessen und Neigungen mit meinen beruflichen Aufgaben verbinden“, sagt Salomo. Der Beruf biete einfach viele Freiheiten. Er studierte zunächst Religionspädagogik, später Theologie und Philosophie, außerdem Skandinavistik. Kurz stand für ihn zur Wahl, Lehrer zu werden. Doch „das hätte mich nicht ausgefüllt.“ Seine erste Pfarrstelle hatte Detlef Salomo in Hagen im Ruhrgebiet für 13 Jahre inne.

Ende der 1990er-Jahre stand Salomo, damals 48 Jahre alt, vor einer Entscheidung: Wollte er in seiner Hagener Gemeinde alt werden, oder würde er einen Neuanfang wagen? Als die Möglichkeit kam, die Pfarrstelle in Lotte anzunehmen, wagten Detlef Salomo und seine Frau Annette mit ihren zwei Kindern den Wechsel. „Ich wollte in den ländlichen Raum und ich wollte nicht in meiner Hagener Gemeinde versauern“, begründet Salomo die Entscheidung heute. Bereut habe er das nie.

An Lotte habe ihn nicht zuletzt die alte Kirche gereizt – sie zählt nunmehr 704 Jahre. Alte Kirchen hätten eine ganz besondere Atmosphäre, etwas, das Gebäude jüngeren Datums für ihn einfach nicht ausstrahlen können, erzählt er. In der Lotter Gemeinde sei er dann schnell angekommen: „Ich hatte einen freundlichen Empfang und bin gut aufgenommen worden. In den Gruppen konnte ich schnell Kontakte knüpfen.“ Die Sympathie beruhte offenbar auf Gegenseitigkeit. Presbyter Matthias Pfordt blickt in der aktuellen Ausgabe des Gemeindebriefes, der „Flaschenpost“, auf die ersten Begegnungen mit Detlef Salomo zurück; bereits auf dem Bewerbungsfoto sei die ganze Familie präsent gewesen: „Mir war sofort klar: Wenn wir den als Pfarrer nehmen, dann bekommen wir eine ganze Familie. Mich hat das sofort überzeugt und angesprochen.“

Eine Familienangelegenheit war das Pfarramt für Detlef Salomo dann in der Tat – nicht zuletzt durch Annette Salomo, die als Pfarrfrau tragende Funktionen in der Gemeinde übernommen hat, darunter etwa die Leitung des Kirchenchores. Diesen wird sie zunächst weiterführen. „Musikalisch bin ich selbst nicht, das kann glücklicherweise meine Frau“, so der Pastor. Detlef Salomo brachte stattdessen seine literarischen und kulturellen Interessen in das Gemeindeleben ein. Das schlug sich in zahlreichen Veranstaltungen nieder, wie der literarischen und musikalischen „Besinnung unterm Weihnachtsbaum“ am ersten Weihnachtstag. Besonders ins Zeug gelegt haben sich Salomo und sein Team für das jährliche „Futtern wie bei Luthern“ zum Reformationsfest. In der Rolle des Reformators selbst hat Salomo dabei in kleinen Schauspiel-Sequenzen Rede und Antwort gestanden, sich bissig und humorvoll zu alten und neuen Themen geäußert. Zu essen gab es Speisen nach originalgetreuen Rezepten aus Luthers Zeit.

Der christliche Glaube ist nicht unpolitisch – mit dieser Überzeugung hat Detlef Salomo seinen Beruf ausgeübt: „Jesu Botschaft hat soziale Konsequenzen und gesellschaftliche Relevanz.“ Er habe stets einen einfachen christlichen Lebensstil im Geiste der Bergpredigt vertreten sowie eine pazifistische Einstellung. Salomo rief im Jahr 2000 einen Männerkreis ins Leben, zunächst offiziell bekannt als „Talk am Kamin“, später mangels Kamins umbenannt in „Talk am Dienstag“. Dort stellen Referenten monatlich Themen mit aktueller Relevanz vor: Allein in den vergangenen Monaten ging es etwa um nachhaltige Landwirtschaft und die Probleme des Fleischkonsums, um einen klugen Umgang mit den Lehren der Geschichte, den demografischen Wandel und um Artenschutz im Kreis Steinfurt. Dabei schafft Salomo es regelmäßig, Experten zu gewinnen, die sich in fesselnden Vorträgen verstehen. Einer der prominentesten Gäste war wohl der Pfarrer, Bürgerrechtler und ehemalige Politiker Rainer Eppelmann, der vor gut zwei Jahren in der Lotter Talk-Runde über Demokratie und das Christentum referierte.

Aktuelle Themen baut Salomo mit Vorliebe auch in seine Gottesdienste ein. „Ich bin ständig auf Themensuche in Büchern und Zeitschriften.“ Seine Predigten schreibt er gerne mit dem Füllfederhalter und investiert eine Menge Mühe in sie. „Ich war ein unermüdlicher Arbeiter“, sagt er. Sogar in den Ferien habe er gearbeitet. Gleichzeitig gibt er zu: „Meine Arbeit ist fast ein Hobby. Es ist nicht nur Gelderwerb, sondern eine Berufung.“

In seinem Schaffen habe er einen großen Zuspruch und Rückhalt aus der Gemeinde erfahren, daneben gebe es allerdings einen Kreis entschiedener Gegner. Gemeint ist damit vor allem die Krise im Leitungsgremium der Lotter Gemeinde 2015. In diesem Jahr des 700. Kirchenjubiläums waren fünf Mitglieder des Presbyteriums zurückgetreten, es hatte zuvor internen Streit gegeben um die Finanzierung und die Kosten der Kirchenrenovierung. Die Ursachen für den damaligen Zwist sieht Detlef Salomo bei allen Beteiligten: „Keiner kann seine Hände in Unschuld waschen.“ In dieser Zeit der Krise habe sich ihm die Frage gestellt: „Gehen oder widerstehen?“ Er blieb und führte seine Arbeit weiter – zunächst unter großem psychischen Druck, wie er sagt. Im Nachhinein ist er froh, dass die Konflikte die Gemeinde nicht gespalten haben. „Alle Veranstaltungen im Jubiläumsjahr haben stattgefunden und hatten große Resonanz.“ Ein Höhepunkt dieser Veranstaltungsreihe war im Frühjahr 2015 ein ökumenischer Gottesdienst mit Osnabrücks Bischof Franz-Josef Bode. Dieser hielt auf Einladung Salomos eine Gastpredigt in der kleinen Nachbargemeinde. Mit einem neuen Presbyterium ging es ab 2016 weiter.

Sein Nachfolger oder seine Nachfolgerin werde eine lebendige Gemeinde vorfinden, sagt Salomo nun. Leicht fällt ihm der Rückzug in den Ruhestand nicht, gibt er zu, lange habe er den Termin verdrängt. Das geht nun nicht mehr; am kommenden Mittwoch, 29. Mai, um 18 Uhr findet in einem Gottesdienst die Wahl seines Nachfolgers statt. Zur Wahl stehen Iven Benck aus Mecklenburg-Vorpommern sowie Adelheid Zühlsdorf-Maeder aus Westerkappeln. Am 2. Juni um 10 Uhr findet dann die Verabschiedung von Detlef Salomo als Pfarrer statt.

Grundsätzlich könne er sich vorstellen, auch danach noch aktiv am Gemeindeleben mitzuwirken, den Talk am Dienstag wird er bis Jahresende weiterführen. Was danach kommt, werde sich zeigen müssen. Es sei schließlich an seinem Nachfolger, neue Akzente zu setzen - er selbst werde sich ins Private zurückziehen. „Durch die Arbeit sind andere Dinge zu kurz gekommen. Da besteht ein großes Nachholbedürfnis.“

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