Neue Entwicklungen der Wildtierpopulation
Wieder Fischotter in der Düte

Lotte/Westerkappeln -

Flüsse und Bäche scheinen wieder sauberer geworden zu sein. Wo noch vor Jahrzehnten eine Kloake zum Himmel stank – wie etwa die Hase in der Innenstadt von Osnabrück – könnte man heute wieder baden. Und mit den Fischen erobert sich der Otter diesen Lebensraum zurück: Der Wassermarder ist Spuren zufolge auch in der Düte in Wersen und Halen schon wieder anzutreffen. Andere Wildtierarten breiten sich sogar derart aus, dass über ihre Bejagung nachgedacht wird.

Donnerstag, 30.05.2019, 07:00 Uhr aktualisiert: 02.06.2019, 19:19 Uhr
Fischotter oder zumindest ihre Spuren und Hinterlassenschaften wurden auch an der Düte in Wersen und Halen wieder gesichtet.
Fischotter oder zumindest ihre Spuren und Hinterlassenschaften wurden auch an der Düte in Wersen und Halen wieder gesichtet. Foto: Sebastian Kahnert/dpa

Ursula Wilm-Chemnitz, Umweltbeauftragte der Gemeinde Lotte, bestätigt, dass Kotspuren des Fischotters an der Düte gefunden wurden. Eine Kollegin aus der Verwaltung habe ein Exemplar des Tieres an der Mündung des Flusses in die Hase sogar gesehen und versucht zu fotografieren – allerdings nur aus der Entfernung, sodass nicht eindeutig zu erkennen war, ob es sich tatsächlich um einen Otter handelte. „Es gab noch keine hundertprozentig eindeutige Sichtung“, so Wilm-Chemnitz.

Unstrittig ist hingegen, dass Halen im Norden des Gemeindegebietes Wolfsstreifgebiet ist – und das bereits seit fünf Jahren, wie der Halener Jäger und Landwirt Hartmut Meyer anhand von Spuren festgestellt hat. Das bedeutet, dass gelegentlich auch hier so ein Räuber auf der Durchreise ist. Ein sesshaftes Tier oder gar Rudel gibt es hier in der Gegend aber (noch) nicht.

Zum Problem werden laut Wilm-Chemnitz invasive Arten wie Nutrias (Sumpfbiber) und Waschbären. Letzterer hatte sich zunächst in Niedersachsen so rasant ausgebreitet, dass im vergangenen Jahr nach Angaben der Landesjägerschaft landesweit 15 812 Tiere erlegt wurden – mehr als je zuvor.

Zum Vergleich: Im Jahr 2005 wurden niedersachsenweit rund 2400 Waschbären geschossen. Der ursprünglich aus Nordamerika stammende Allesfresser wurde zur Pelzzucht nach Deutschland gebracht und erstmals im Jahr 1934 in Hessen ausgewildert. Seither verbreitet er sich und hat längst auch die Grenzen nach NRW überschritten.

So gehörten bereits im Jagdjahr 2016/17 in Westerkappeln zwei Waschbären zur Strecke. Hinzu kamen laut offizieller Jagdbilanz fünf Nutrias und 18 Bisams in Westerkappeln sowie drei Nutrias und ein Bisam in Lotte. Das sind aber nur die von Jägern erlegten Tiere.

Hinzu kommen beim Bisam, einer ursprünglich ebenfalls aus Nordamerika stammenden Wühlmausart, die im Auftrag des Unterhaltungsverbandes Düte von einem nebenberuflichen Bisamfänger mittels größerer Mausefallen beseitigten Tiere. Darin fanden nach Mitteilung von Wilm-Chemnitz im Jahr 2015 138 Bisams den Tod; im Jahr 2016 waren es 157 Tiere, im Jahr darauf 165 und vergangenes Jahr 113. Wohlgemerkt: Damit ist nicht die Population erfasst, sondern nur die Zahl der getöteten und abgerechneten Tiere, für deren Bekämpfung es einen Zuschuss vom Kreis Steinfurt gibt.

Denn die Bisams unterhöhlen wie Nutrias auch die Böschungen und machen zum Beispiel Räum- und Pflegearbeiten gefährlich, weil die durchlöcherten Uferbereiche einbrechen. Das gilt auch für die größeren, eigentlich in Südamerika beheimateten Nutrias, die ausgewachsen acht bis zehn Kilo schwer werden können. Auch diese Nagetiere sind zur Plage geworden, die den kleineren heimischen Biber verdrängt.

In der Grünanlage hinter dem Rathausplatz in Wersen, so berichtet Lottes Umweltbeauftragte haben sie schon überall Höhlen in die Uferböschung der Düte gegraben. Da sie wegen ihrer Größe und der Gefahr für andere (Haus-)Tiere sowie aus Tierschutzgründen nicht mit Totschlagfallen bekämpft werden dürften, werde zurzeit der Abschuss durch die Jäger diskutiert.

Diplom-Biologin Anja Roy , die freiberuflich als Wildtierbiologin für den Kreis Steinfurt vor allem an Gewässern dem Fischotter auf der Spuren ist, bestätigt: „Der Fischotter breitet sich europaweit wieder aus.“ Sie führt das auf ein komplexes Bündel von Ursachen zurück, dessen wesentlichste Komponenten der Rückgang der PCB-Belastung in den Gewässern und der Wegfall des Jagddrucks seien. Die Gewässer seien aber nicht unbedingt sauberer geworden, meint Anja Roy: „Die Nährstoffüberlastung ist teilweise immer noch extrem.“ Und in der Losung, also im Kot der Otter, finde sich auch Mikroplastik.

Bis in die 1960er-Jahre sei der Fischotter als Nahrungskonkurrent insbesondere in Gebieten mit Teichwirtschaft durch Bejagung nahezu ausgerottet worden. Der Wassermarder, so die Biologin, fresse übrigens nicht nur Fische, sondern „alles, was ihm vor die Nase kommt: Muscheln, Krebse, Frösche, Insekten, kleine Vögel und junge Bisams“. Seine Fußspuren könnten von Laien leicht mit denen des Waschbären verwechselt werden, lediglich seine Losung sei unverwechselbar.

Sie selbst habe im vergangenen Herbst am Zusammenfluss von Düte und Hase sowie im Berech der Autobahnbrücken-Baustelle eindeutige Hinterlassenschaften des Fischotters gefunden. Auch nach einer angeblichen Sichtung im Februar dieses Jahres war die Wildtierbiologin an der Düte unterwegs, hat aber nach ihren Worten da keine Spuren gefunden. Überdies müsse man wissen, dass ein einzelner Fischotter bis zu 20 Kilometer wandert. „Eine Beobachtung der Bestandsausbreitung heißt nicht, dass er resident ist“, sagt sie.

So sei im Norden der Kreises Steinfurt 2016/17 ein Fischottermonitoring durchgeführt worden. Jetzt, zwei Jahre später, habe man bei einer erneuten Zählung festgestellt, dass der Bestand dort wieder zusammengebrochen sei, was möglicherweise auch mit zwei trockenen Sommern in Folge zusammenhänge. „Viele Gewässer waren nur noch Gummistiefel tief. Fischotter suchen sich den Raum, der zu ihnen passt!“

Lebendfallen zur Bekämpfung von Nutrias würden für die etwa gleich großen Fischotter zur Gefahr, weil diese oftmals „nicht vernünftig verblendet sind“. Ein Fischotter, der in eine solche nicht ausreichend abgedunkelte Falle geht, „bringt sich darin halb um“.

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