Lotter Pastor Detlef Salomo in Ruhestand verabschiedet
Vom Hirten zum Schaf

Lotte -

20 Jahre war Pastor Detlef Salomo in Diensten der evangelischen Kirchengemeinde in Alt-Lotte. Am Sonntag wurde er während seines letzten Gottesdienstes von Superintendent André Ost in den Ruhestand verabschiedet. Anschließend feierte er im Gemeindehaus Arche mit Verwandten, Wegbegleitern und Gemeindemitgliedern seinen Abschied. Salomos Nachfolger wird Iven Benck, Pfarrer aus Wesenberg in Mecklenburg-Vorpommern.

Sonntag, 02.06.2019, 17:54 Uhr aktualisiert: 03.06.2019, 17:32 Uhr
Am Sonntag hielt Detlef Salomo seine letzte Predigt als Pastor der evangelischen Kirchengemeinde Alt-Lotte.
Am Sonntag hielt Detlef Salomo seine letzte Predigt als Pastor der evangelischen Kirchengemeinde Alt-Lotte. Foto: Ulrich Eckseler

Im Bewerbungsschreiben von Detlef Salomo habe es damals geheißen: „Mein besonderes Engagement in der Gemeindearbeit galt stets dem Einsatz für Frieden, Gerechtigkeit und die bedrohte Schöpfung“, erinnerte sich André Ost bei der Verabschiedung in der Kirche. Die politische Dimension des christlichen Glaubens sei Salomo stets ein Anliegen gewesen. Oft habe er seine Predigten dazu genutzt, um auf politische Verantwortungen hinzuweisen. Seine letzte Predigt als Pastor bildete keine Ausnahme.

„Abschiede fallen mir schwer“, so Salomo in seiner Predigt. „Wir müssen im Laufe unseres Lebens durch viele Abschiede hindurch, die schmerzlich, aber notwendig sind, weil wir daran reifen und wachsen.“ Nie und nirgends könne alles beim Alten bleiben. Weltweit würden Reichtum und Armut auseinanderdriften. Viele Menschen, durch Armut, Krieg und Verfolgung in die Heimatlosigkeit getrieben, seien auf der Suche nach Schutz, Zuflucht und Asyl. Andere könnten nicht ärztlich versorgt werden, hätten keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben oder litten unter den Folgen des Klimawandels.

Auch viele Gläubige würden wegen ihrer Religion verfolgt, erklärte Salomo. „Die Ursachen liegen in einem System, dass alles belohnt, was gewinnbringend verkauft wird, egal, ob es Nutzen stiftet oder zerstört. Im Zweifel kümmern sich die Investoren wenig um die Menschenrechte, die Zerstörung des Regenwaldes oder die Aufheizung des Klimas. ‚Ich will, dass ihr so handelt, wie wenn euer Haus brennt, denn das tut es‘, sagt Greta Thunberg auf dem Weltwirtschaftsforum. Doch eine Debatte über den Kapitalismus ist verpönt, das erlebte jüngst Kevin Kühnert. Es ist fast zum Lachen, wenn es nicht so ernst wäre“, betonte Detlef Salomo die gesellschaftlichen Zustände.

Salomos Kritik geschehe stets aus der tiefen Überzeugung, dass es kein Christsein ohne Bezug und Konsequenzen für den Umgang mit der Welt geben könne, formulierte André Ost. „Heute konnten wir Detlef Salomo noch einmal als Pfarrer dieser Gemeinde agieren sehen, hier in dieser Kirche, in der er zweifellos in seinem Element gewesen ist. „Wir haben Dich erlebt, als einen der sich sehr viel Mühe gegeben hat mit der Verteidigungsaufgabe. Einen schlecht vorbereiteten Gottesdienst hat es bei dir nicht gegeben“, so der Superintendent weiter.

Ost würdigte Salomo als einen tiefsinnigen, wortgewaltigen und leidenschaftlichen Geistlichen, der auch streitbar sei. Wichtiges Anliegen seien für Salomo zudem die Öffentlichkeitsarbeit und die Präsenz in der Gemeinde gewesen. So mimte er höchst selbst bei „Futtern wie bei Luthern“ den Reformator.

Sein Ruhestand bedeute nun eine Zäsur für Salomo und die Gemeinde. „Vielleicht besteht die größte Herausforderung für dich darin, jetzt einfach nur wieder Schaf zu sein“, so Ost zu Salomo. Trotz seines Ruhstandes bleibt der scheidende Pastor dem Gemeindeleben aber erhalten. So sagte er zu, nach einer Pause für Predigten, Vorträge oder als Mitglied in Ausschüssen zur Verfügung zu stehen. Aber „mit Mehr Abstand und mehr Freiwilligkeit“, wie André Ost betonte, der ihm abschließend für seinen langjährigen Dienst dankte und ihm für die Zukunft Gottes Segen wünschte.

Salomo dankte Weggefährten, Gemeindemitglieder und seiner Familie. Zumindest drei Dinge habe er im Leben richtig gemacht. So habe er sich für ein Theologiestudium und eine „Existenz als Kirchenbeamter“ entschieden. Auch die Entscheidung nach Lotte zu gehen, sei eine gute gewesen. Darüber hinaus hob er die Heirat mit seiner Frau Anette hervor, die ihm „zwei gesunde Kinder geschenkt“ und ihm den Rücken gestärkt habe. „Ich freue mich, dass wir zusammen so erfüllte 20 Jahre hatten, bin aber auch froh, wenn nun etwas Neues kommt und wir privat ein wenig mehr unternehmen können“, sagte Anette Salomo.

Lottes Bürgermeister Rainer Lammers drückte ebenfalls seine Wertschätzung aus. Er unterstrich Salomos Engagement für die Gemeinde, seine Begeisterung für ehrenamtliche Arbeit und eine stets gute Zusammenarbeit.

Die Gemeindemitglieder zogen gleichfalls ein positives Fazit der Dienstzeit von Detlef Salomo. „Wir hatten immer ein gutes Verhältnis zu ihm. Er hatte stets ein offenes Ohr für die Anliegen der Menschen. Es ist schade, dass er geht, wir hätten ihn gern länger bei uns behalten“, berichteten etwa Marlies und Wilhelm Ramberg. „Er war immer für uns da. Als ich meinen Mann verloren habe, hat er mir zur Seite gestanden“, erinnerte sich eine ältere Dame. Leider würde er nun gehen, „ich hoffe, dass wir einen guten Nachfolger bekommen“, fügte die Seniorin hinzu.

Iven Benck wird im September die Stelle in Lotte antreten, vorerst aber in einer provisorischen Unterkunft wohnen, da das Gemeindehaus „Arche“ baufällig und eine „energetische Katastrophe“ sei, wie Superintendent Ost betonte. Es sei wahrscheinlich, dass es abgerissen werde.

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