Nein heißt nein
20-jähriger aus Lotte wegen Vergewaltigungsvorwürfen angeklagt

Lotte/Tecklenburg/Ibbenbüren -

Vom Alkohol enthemmt, hat ein 20-Jähriger aus Lotte eine junge Frau verbal genötigt, sexuelle Handlungen an ihm vorzunehmen, sie gewaltsam bedrängt und mehrfach unsittlich berührt. Dafür stand er jetzt in Ibbenbüren vor Gericht. „Wenn eine Frau Nein sagt, heißt es auch nein.“ Das machte der Vorsitzende Richter des Schöffengerichts in Ibbenbüren in seiner Urteilsbegründung sehr deutlich.

Dienstag, 04.06.2019, 16:26 Uhr aktualisiert: 04.06.2019, 17:44 Uhr
 
  Foto: dpa

Angeklagt war der 20-Jährige wegen sexueller Nötigung und versuchter Vergewaltigung. Der Tatvorwurf geht auf einen Vorfall zurück, der sich am 25. März 2018 auf einer privaten Geburtstagsfeier in Tecklenburg-Brochterbeck ereignet hatte. An dem Abend richtete die Geschädigte zusammen einer Freundin in einer Partyhütte eine gemeinsame Geburtstagsfeier aus.

Unter den mehr als 50 Gästen befand sich auch der spätere Täter. Gegen 4.20 Uhr forderte dieser die Geschädigte auf, ihn auf den Parkplatz zu begleiten: „Man wolle reden.“ Dort presste der Angeklagte die junge Frau laut Staatsanwaltschaft gewaltsam gegen ein geparktes Auto, und es kam zu den sexuellen Übergriffen.

Die Ausführungen des Angeklagten vor Gericht waren von großen Erinnerungslücken geprägt. Bei einer Blutprobe nach der Tat hatte die Polizei einen Blutalkoholgehalt von knapp über zwei Promille festgestellt. Der Richter musste deshalb beim später verkündeten Strafmaß von einer „schuldvermindernden Enthemmung“ ausgehen.

Die Aussagen des Angeklagten, wie der Abend vor der Tat abgelaufen sei, wer wen wann geküsst habe, widersprachen den Einlassungen der Zeugen aus den polizeilichen Vernehmungen so erheblich, dass sich der sichtlich genervte Vorsitzende zu einem: „Ich glaube Ihnen nicht.“ hinreißen ließ. Für völlig lebensfremd hielt der Richter auch den Versuch des Angeklagten, sich nach der Tat beim Opfer entschuldigen zu wollen. „Man entschuldigt sich doch nur für etwas, was man getan hat oder glaubt, getan zu haben.“

Die Aussage des Opfers hingegen wurde von allen Parteien als sehr glaubhaft eingestuft. Die junge Frau war mit Beistand einer Zeugenbegleiterin vor Gericht erschienen. Bei ihrer Befragung durch das Gericht wurde sie mehrmals von ihren Emotionen überwältigt.

Im Anschluss an die Zeugenaussage der Geschädigten bat der Vorsitzende Richter Staatsanwalt und Verteidigung zu einem Gespräch ins Richterzimmer. Dabei konnte aber offensichtlich kein endgültiges Einvernehmen gefunden werden. Man einigte sich lediglich darauf, den Angeklagten nach Jugendstrafrecht zu behandeln. Da die Aussage des Opfers als glaubhaft anerkannt worden war, wurde auf die Vernehmung weiterer Zeugen verzichtet, und das Gericht zog sich zur Beratung zurück.

Das Urteil nach Paragraf 177 Strafgesetzbuch (Sexueller Übergriff; sexuelle Nötigung; Vergewaltigung in einem minder schweren Fall) lautete auf 1000 Euro Wiedergutmachung an das Opfer, fünf Beratungsstunden in „Beziehungsgestaltung“ und Übernahme der Gerichtskosten.

In seiner Urteilsbegründung bescheinigte der Richter dem Angeklagten einen „erhöhten Erziehungsbedarf“. Strafmildernd sei seine Bereitschaft zur Wiedergutmachung zu berücksichtigen. Ebenso der Versuch, sich beim Opfer zu entschuldigen, und dass der 20-Jährige nicht einschlägig vorbestraft sei. Der Angeklagte verzichtete darauf, Rechtsmittel gegen das Urteil einzulegen, das somit rechtskräftig ist.

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