Schutz von Wildtieren
Rücksicht ist oberstes Gebot

Lotte/Osnabrück -

Während der Setz- und Brutzeiten dürfen wild lebende Tiere nicht gestört werden. Das gilt in Niedersachsen wie in Nordrhein-Westfalen. Doch längst nicht alle Halter, insbesondere von Hunden, halten sich daran. Das ärgert Astrid Hockemeyer-Stahlhut.

Mittwoch, 12.06.2019, 06:34 Uhr aktualisiert: 12.06.2019, 09:17 Uhr
Ohne Leine stromert dieser Hund und über die Wiese zwischen Hase und Kanal neben der Straße „Die Eversburg“. Frauchen ist derweil noch am Auto.
Ohne Leine stromert dieser Hund und über die Wiese zwischen Hase und Kanal neben der Straße „Die Eversburg“. Frauchen ist derweil noch am Auto. Foto: Angelika Hitzke

Astrid Hockemeyer-Stahlhut wohnt Im Rowenhardt in Büren unmittelbar an der Grenze zur Haseaue, die zum Osnabrücker Stadtgebiet gehört. Sie hatte früher einen Hund, ärgert sich aber über jene Hundehalter, die ihre Vierbeiner jetzt in der Brut- und Setzzeit auf der Hase-Überflutungswiese an der Steinbrücke „Die Eversburg“ frei laufen und die Wildtiere aufscheuchen lassen.

Das beklagt sie unter anderem in einer E-Mail an die Umweltbeauftragte der Gemeinde Lotte, Ursula Wilm-Chemnitz . „Ich freue mich sehr über die Nähe zur Hase, zum Kanal auf Osnabrücker Gebiet und zu naturnahen Wald- und Wiesenflächen in unserer unmittelbaren Umgebung. Viele schöne Naturerlebnisse und Begegnungen mit weniger alltäglichen Tierarten wie dem Eisvogel, Grünspechten, Störchen, Gänsen, unzähligen Libellenarten, aber auch Rehen und Hasen direkt in Gartennähe durften wir schon erleben“, schreibt sie.

Sie verweist aber auch darauf, dass die Kanalverbreiterung und andere Eingriffe in die Landschaft in den vergangenen Jahren „der Biodiversität in dieser Kleinregion vielleicht schon geschadet haben, da Rückzugsorte der Tiere entfallen sind“. Vor diesem Hintergrund sei es umso wichtiger, dass Spaziergänger und Hundehalter wenigstens die nach Niedersächsischem Landesgesetz vom 1. April bis 15. Juli in der freien Landschaft geltende generelle Leinenpflicht für Hunde beachten.

Verstöße werden laut Jagdaufseher Reinhold Rethschulte mit einem Bußgeld von 50 Euro geahndet. Reißt der Hund einen Hasen, eine Ente oder ein Reh, kann das richtig teuer werden. Wird dem Hundehalter neben dem Verstoß gegen das Tierschutzgesetz auch noch Jagdwilderei zur Last gelegt, können das schnell mal 700 Euro sein.

Bei gutem Wetter tummeln sich nach den Worten der Bürenerin oft zu beiden Seiten der Hase Hunde ohne Leine und laufen auch die Böschung hinunter ans Wasser. „Manche Hundehalter führen eher ihr Handy spazieren als ihren Hund und achten nicht darauf, was der Hund anstellt, haben ihn aber auf jeden Fall schon mal direkt nach dem Aussteigen aus dem Auto von der Leine gelassen“, hat sie beobachtet und appelliert an die Einsicht von Herrchen oder Frauchen: „Ich glaube nicht, dass das böser Wille ist“, sagt sie, „die Leute denken oft gar nicht daran.“

In ihrer Mail an die Gemeinde regt sie an, „ob man nicht mehr unternehmen sollte als eine einmalige Information im Jahr. Vielleicht wären dauerhaft aufgestellte Informationsschilder oder Ähnliches eine Möglichkeit, Spaziergänger auf die Situation hinzuweisen, „schließlich möchte jeder auch in Zukunft noch Enten, Gänse und Schwäne an Gewässern beobachten“.

Mit Unterstützung von Bürgermeister Rainer Lammers, der das Problem ebenfalls sieht, hat Lottes Umweltbeauftragte in dieser Angelegenheit Kontakt zur Stadt Osnabrück und zum städtischen Jagdaufseher aufgenommen. Rethschulte, der die Hase in Eversburg demnächst ohnehin wegen der Nutrias, die dort die Böschung unterhöhlen, inspizieren will, wird dabei ein Auge auf besagte Wiese haben und sich mit der Bürenerin in Verbindung setzen.

Ursula Wilm-Chemnitz bedauert, dass die Leinenpflicht im NRW-Landesgesetz, das für Lotte gilt, weniger streng geregelt ist als in Niedersachsen. Doch auch dort ist eindeutig festgelegt, dass „während der Setz- und Brutzeiten die dort wild lebenden Tiere nicht gestört werden“ und außerhalb dieser Zeiten „wildlebende Tiere und der Jagdbetrieb nicht beeinträchtigt werden“ dürfen. In NRW gibt es in Wald- und Außenbereichen keine generelle Anleinpflicht. Die Kommunen können aber zusätzliche Bestimmungen im Hinblick auf den Leinenzwang für ihren Geltungsbereich einführen.

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