Marc-Philipp Nikolay ist seit drei Jahren Klimaschutzmanager
Viele Fördermittel nach Lotte geholt

Lotte -

Drei Jahre ist Marc-Philipp Nikolay jetzt als hauptamtlicher Klimaschutzmanager der Gemeindeverwaltung im Amt. Zusammen mit der Politik arbeitet er seither auf vielen Baustellen: Von der Stärkung des Radverkehrs über die Einrichtung des Klimatisches bis zum Dachflächenkataster reicht die Liste. Und er hat viele Fördermittel nach Lotte geholt.

Mittwoch, 12.06.2019, 17:10 Uhr aktualisiert: 12.06.2019, 17:12 Uhr
Drei E-Fahrzeuge hat die Gemeinde Lotte bereits in den Dienst gestellt. Drei weitere sollen folgen.
Drei E-Fahrzeuge hat die Gemeinde Lotte bereits in den Dienst gestellt. Drei weitere sollen folgen. Foto: Ursula Holtgrewe

Drei Jahre ist Marc-Philipp Nikolay jetzt als hauptamtlicher Klimaschutzmanager der Gemeindeverwaltung im Amt. Zusammen mit der Politik arbeitet er seither auf vielen Baustellen: Von der Stärkung des Radverkehrs über die Einrichtung des Klimatisches bis zum Dachflächenkataster reicht die Liste.

Aktuell läuft die Klimaschutzförderung durch das Bundesumweltministerium (40 Prozent), die neben der Finanzierung seiner Stelle die Öffentlichkeitsarbeit beinhaltet, noch bis Ende Juni. Eine wichtige Aufgabe sei, für konkrete Projekte neue Fördertöpfe anzuzapfen. Die Nachfolgeförderung für die nächsten zwei Jahre ist beantragt und so gut wie sicher. In den vergangenen drei Jahren seien insgesamt 500 000 Euro für Klimaschutzförderung nach Lotte geflossen.

Das letzte Wort hat natürlich immer die Politik, aber Vorbereitung und Umsetzung der umweltpolitischen Beschlüsse im Fachdienste übergreifenden EEA-Team (European Energy Award) koordiniert der Klimaschutzmanager. Das EEA ist ein Netzwerk für Klimaschutz und Enegieeffizienz, dem bereits 1456 Kommunen in Europa angehören.

Beispiel Radverkehr: Auf dem Parkplatz hinter dem Rathaus in Wersen wurde eine abschließbare Fahrradgarage für die Verwaltungsmitarbeiter installiert. Solche abschließbaren Fahrradboxen sind auch für den Bahnhofsvorplatz in Halen geplant, ebenso eine Ladesäule für E-Bikes. Bereits vorhanden sind Lademöglichkeiten für E-Bike-Akkus am Landcafé am Goldbach und am Eiscafé Cristallo in Alt-Lotte sowie an der Steckdose in den Ratsstuben Wersen.

Regenerativ: Auf dem Rathaus in Wersen wurde im April 2018 eine Fotovoltaikanlage installiert.

Regenerativ: Auf dem Rathaus in Wersen wurde im April 2018 eine Fotovoltaikanlage installiert. Foto: David Ebener

Beispiel E-Mobilität: Ein Teil des kommunalen Fuhrparks wird auf Elektrofahrzeuge umgestellt. Drei Dienstfahrzeuge sind bereits E- Autos. Vor wenigen Wochen erst, so Nikolay, sei die Förderung – in diesem Fall 80 Prozent vom Land NRW – für die Beschaffung zweier weiterer E-Fahrzeuge für den Servicebetrieb bewilligt worden. Nächste konkrete Maßnahme ist die Anschaffung eines Elektro-Autos für den Abwasserbetrieb.

Beispiel Mobilitätskonzept: Um den CO-Ausstoß durch den motorisierten Individualverkehr einzudämmen, seien E-Fahrzeuge sicherlich „auch nur eine Brückentechnologie“, aber neben Radverkehrsförderung und Stärkung des ÖPNV ein wichtiger Bestandteil des neuen Mobilitätskonzeptes, sagt Lottes Klimaschutzmanager und betont: „Wir müssen die Technologie nehmen, die aktuell verfügbar ist.“

Auch Dieselfahrzeuge seien nicht aus heimischen Rohstoffen hergestellt, ebenso wenig Tablets und Smartphones. Zur ökologischen Amortisation von Batteriespeichern gebe es völlig gegensätzliche Studien, sodass die derzeitige Diskussion eine „etwas scheinheilige Debatte“ sei. Ziel sei nicht das 1:1-Ersetzen durch E-Autos, sondern ein intelligenter Verkehrsmix. Antriebe wie Brennstoffzellen mit Wasserstoff seien für Otto Normalverbraucher noch nicht erschwinglich: „Wir können nicht noch zwölf Jahre darauf warten, die Zeit haben wir nicht mehr!“

Beispiel regenerative Energien: Das Dachflächenkataster für potenzielle Fotovoltaikanlagen liege seit gut zwei Monaten vor, berichtet Nikolay. Auf dem Rathausdach und der Zentralkläranlage Wersen geht die Gemeinde mit den dort bereits installierten Solaranlagen mit gutem Beispiel voran; in neuen Bebauungsplänen sind Vorgaben zu Dachneigung und -ausrichtung, Solarenergie- und/oder Erdwärmenutzung vorgesehen.

Beispiel nachhaltige Siedlungsentwicklung: Aus dem Bundesprogramm „KfW 432 – Energetische Stadtsanierung“ gefördert wird das Quartiersmanagement für den Lotter Ortsteil Büren. Die Gemeinde ist eine von sieben Kommunen, für die der Kreis Steinfurt unter dem Projektnamen „Sieben auf einen Streich“ einen Sammelförderantrag bei der KfW-Bank gestellt hatte, der 2017 bewilligt wurde. Wie der Name des Bundesprogramms schon verrät, geht es in dem ausgesuchten Quartier, einer Siedlung aus den 1950er- und 60er-Jahren, in der sich derzeit auch ein Generationswechsel vollzieht, in erster Linie um die Energieeffizienz der Gebäude.

Nach der bereits erfolgten Potenzialanalyse startet in diesem Jahr die Umsetzungsphase, bei der ein „Kümmerer“ die Hausbesitzer über mögliche energetische Sanierungsmaßnahmen, Fördermöglichkeiten und sinnvolle Einsparmöglichkeiten berät. Bereits abgeschlossen ist auch das von der Gemeinde erstellt Baulückenkataster als Grundlage für die Nachverdichtung. Ein Wohnbauflächenkonzept soll dringend benötigten Wohnungsbau ermöglichen, gleichzeitig aber die endlichen Ressourcen schonen.

Aktuelle und zeitnahe Projekte: Gerade erst vorbei ist der zwei Lotter Gartenmarkt, mit dem die Gemeinde in der Bevölkerung für naturnahe und bienenfreundliche Gärten zu begeistern versucht. Obstbaum- und Blühwiesen hat die Gemeinde an mehreren Stelle angelegt. Sobald der Förderbescheid für einen Zuschuss von 80 Prozent da ist, soll in der Zentralkläranlage ein einmaliges Pilotprojekt mit überregionaler Strahlkraft umgesetzt werden, wie Nikolay stolz betont: Die aktuell noch über Nachtspeicheröfen laufende Heizung der Büroräume wird ersetzt durch die Nutzung der Abwärme aus dem Belebungsbecken.

Für eine Erneuerung der Pumpwerke ist der Förderantrag für die Potenzialanalyse gestellt, die Umsetzung folge in ein bis zwei Jahren. Der Klimaschutzmanager hat außerdem noch vor, ein E-Bike-Training anzubieten. Bei den Nachbarkommunen im Tecklenburger Land macht er sich unter anderem auch für die von den Grünen beantragte Grünabfallnutzung stark, der aber nur verwendet werden könne, wenn es sich auch wirtschaftlich rechne: „Da geht es jetzt darum, Mitstreiter zu finden“, erklärt er.

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