So lernen Kita-Kinder, wie man Unfälle mit Lkw vermeidet
Raus aus dem toten Winkel

Lotte -

Kollisionen von rechts abbiegenden Lkw mit Fußgängern, Radfahrern oder Skatern, die sich im toten Winkel des Lkw-Fahrers befinden, verursachen häufig schwere Verletzungen und immer wieder auch Todesfälle. Die Schulanfänger der evangelischen Noah-Kita Alt-Lotte waren dieser Tage live vor und in einem langen Truck und kennen nun mehrere tote Winkel.

Freitag, 28.06.2019, 18:00 Uhr
So überbrückt der konkave Rampenspiegel oberhalb der Beifahrertür den toten Winkel. Bild rechts: Ganz schön weit weg ist der Lkw, dessen Toter Winkel nach vorn zum Pylon rund sechs Meter beträgt.
So überbrückt der konkave Rampenspiegel oberhalb der Beifahrertür den toten Winkel. Bild rechts: Ganz schön weit weg ist der Lkw, dessen Toter Winkel nach vorn zum Pylon rund sechs Meter beträgt. Foto: Ursula Holtgrewe

Die cleveren zukünftigen Erstklässler wissen genau: „Der tote Winkel ist da, wo uns der Lkw-Fahrer nicht sieht.“ Stimmt. Ein toter Winkel endet beachtliche sechs Meter vor dem Lkw-Fahrerhaus. „Ganz schön weit weg“, meint Maksim. An der Stelle, wo der nicht einsehbare Bereich aufhört, hat Michael Meiwald einen orange-weiß gestreiften Pylon gestellt. Meiwald ist Eco-Trainer bei Beresa-Nutzfahrzeuge, weist Kraftfahrer in neue Trucks ein und vermittelt Kindern, was sie tun müssen, um nicht in die toten Winkel der Lkw zu geraten.

Als die schwächsten Verkehrsteilnehmer einen der stärksten Verkehrsteilnehmer treffen, legen die Noah-Kinder häufig den Kopf weit zurück, um den Sattelauflieger genau zu inspizieren. „Der ist aber hoch“, staunt Markus. Kurz darauf greift das Kind in rund zwei Meter Höhe ins Lenkrad, als wolle es gleich starten. „Kannst du die Pylone vorn und an der Seite sehen?“, fragt er jeden Nachwuchstrucker. Jeder schaut konzentriert nach vorn und nach rechts – und lächelt dann zur Erinnerung in die Kamera von Erzieher Torben Hinnah .

Lukas weiß, dass es einen toten Winkel vorn, einen rechts, und einen hinten gibt. Der mit der hohen Unfallquote ist der rechte. Daher sind an der Frontscheibe und an der rechten Fahrzeugseite vier unterschiedlich konkave, also nach außen gewölbte, Spiegel angebracht.

Der Hauptaußenspiegel allein kann den großen toten Winkel nicht überbrücken. Drunter bietet ein Weitwinkelspiegel Sicherheit für den Fahrer, der somit den Sattelzug auf gesamter Länge entlangschauen kann, ob sich Fußgänger oder Radfahrer neben ihm befinden.

Ganz schön weit weg ist der Lkw, dessen Toter Winkel nach vorn zum Pylon rund sechs Meter beträgt.

Ganz schön weit weg ist der Lkw, dessen Toter Winkel nach vorn zum Pylon rund sechs Meter beträgt. Foto: Ursula Holtgrewe

Ein zusätzlicher Rampenspiegel oberhalb der Beifahrertür belebt gemeinsam mit dem Weitwinkelspiegel optisch den toten Winkel. Der Lkw, den die Kita-Kinder kennenlernten, hat noch ein besonderes Zubehör: einen Abbiegeassistenten. Ist jemand im Erfassungsbereich, blinkt es an der Beifahrerseite orange. „Setze ich den Blinker, und jemand ist auf Kollisionskurs, wird das Licht rot und es ertönt ein Warnsignal“, erklärt Meiwald.

Mira, deren Papa auch Lkw fährt, kennt den manchmal tödlichen Bereich für schwächere Verkehrsteilnehmer schon. „Am besten haltet ihr, wenn ihr mit dem Rad unterwegs seid und seht, dass der Lkw rechts blinkt, hinter dem Anhänger. Dann geschieht euch beim Abbiegen nichts“, rät Michael Meiwald. Die Kinder nicken. Ein weiterer lebensrettender Tipp: „Wenn ihr von außen den Fahrer im Spiegel sehen könnt, dann kann auch er euch sehen.“

Erzieherin Bettina Niederholtmeyer berichtet von dem Langzeitprojekt, das in die Aktion mit dem toten Winkel mündet: „Karneval hatten wir das Motto Berufe. Danach spielten die Kinder immer mal wieder verschiedene Berufe durch.

Bei der Verkehrserziehung lernten wir mit Arbeitsblättern von Käpt’n Blaubär, in denen Hein Blöd mit einem Lkw kollidiert.“

„Erst wenn ihr hier steht, sieht euch der Lkw-Fahrer wieder“, erklärt Michael Meiwald den Noah-Schulanfängern, wie weit der für Fußgänger und Radfahrer gefährliche tote Winkel reicht.

„Erst wenn ihr hier steht, sieht euch der Lkw-Fahrer wieder“, erklärt Michael Meiwald den Noah-Schulanfängern, wie weit der für Fußgänger und Radfahrer gefährliche tote Winkel reicht. Foto: Ursula Holtgrewe

Die Themen festigten sich in der Lernwerkstatt mit Erzieherin Christina Dieckmann. Schnell geknüpft war der Kontakt zu Meiwald, dessen Arbeitgeber sofort sein Okay gab. „Nach Absprache mit dem Rathaus haben wir den Platz vorm Station gewählt, weil es hier ruhig und ein wenig ab vom Schuss ist“, berichtet Bettina Niederholtmeyer.

Und weil es auch um den Beruf des Fernfahrers geht, haben die Mädchen und Jungen einige Fragen aus der Lernwerkstatt mitgebracht. „Wie stark ist dein Lkw?“, fragt Anjelica. Meiwald antwortete: „Er hat 460 PS und zwölf Gänge.“

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