Artenvielfalt in der Wersener Heide
„Gottes Nähmaschine“ hält die Wersener Heide zusammen

Westerkappeln/Halen -

Es ist heiß in Westerkappelns Norden. Gleißendes Licht. Grillen zirpen, die Luft steht. Unter den Füßen knirscht vertrocknetes Moos und mit jedem Schritt steigt ein ätherischer Duft auf, der eher an Italiens Küchen denn an nordwestdeutsche Heide erinnert. Begleitet von diesen Sinneseindrücken, wandern wir auf sandigen Pfaden durch die Wersener Heide – eine karge, aber artenreiche Landschaft.

Donnerstag, 04.07.2019, 18:00 Uhr
Begleitet von vielen Sinneseindrücken wanderte ein gutes Dutzend Naturbegeisterte auf sandigen Pfaden durch die Wersener Heide.Blühende Heidenelke.
Begleitet von vielen Sinneseindrücken wanderte ein gutes Dutzend Naturbegeisterte auf sandigen Pfaden durch die Wersener Heide.Blühende Heidenelke. Foto: Astrid Springer

Hin und wieder dringt leises Piepen aus dem Buschwerk in der ausgeräumten Landschaft. Ein gutes Dutzend Naturbegeisterte folgt den Ausführungen von Biologe Hartmut Storch und Landschaftsökologin Annika Brinkert . „Das ist der Baumpieper“, weiß Storch den Vogel einzuordnen.

Eingeladen zur naturkundlichen Wanderung zum Thema Blütenvielfalt in der Heide hatte die Biologische Station Kreis Steinfurt. Unter den Gästen sind viele Seester, sowie einige ehemalige Anwohner, mancher Naturbegeisterte war sogar aus Greven oder Emsdetten hergekommen.

Mit von der Partie waren auch die Gastgeber: Bundesförster Rainer Schmidt und Dr. Jörg Tillmann von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, die die Flächen verwalten und für das notwendige Naturschutzmanagement sorgen.

Hauptziel in der Wersener Heide ist die Offenhaltung der Landschaft. „Das ist wichtig, anderenfalls fallen die großen Freiflächen innerhalb weniger Jahre dem Wald anheim“, erläutert Schmidt. Und dass das für den Artenreichtum fatal wäre, lernen die Teilnehmer in kürzester Zeit.

Die vielfältige Blütenpracht ist nicht zu übersehen: In buschigen Gruppen blüht der Natternkopf links und rechts des Weges, dessen blaue Blüten mit dem gelben Mauerpfeffer einen kräftigen Kontrast bilden.

Etwas bescheidener, aber nicht weniger hübsch: die kleinen Blüten der Heidenelke. „Soviel Heidenelke, wie hier, gibt es sonst nirgends“, schwärmt Storch und Brinkert weiß, „In ein paar Tagen wird die ganze Fläche von einem rosa Schimmer überzogen sein“.

Aber auch unscheinbarere Kandidaten finden in der Heide ihren Platz. „Wir haben hier das Sandbergknöpfchen, Silberfingerkraut und Ackerfrauenmantel“, gibt Storch eine Einführung in die Arten auf dem trockenen Heideland.

Was unter unseren Schritten so betörend duftet, ist Sandthymian – ein Kraut, das sonst eher in südlicheren Gefilden anzutreffen ist. Auch Feldbeifuß und Johanniskraut finden sich auf dem hier vorherrschenden Sandtrockenrasen.

Exkursion in der Wersener Heide

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  • Ein gutes Dutzend Naturbegeisterte folgte den Ausführungen von Biologe Hartmut Storch und Landschaftsökologin Annika Brinkert.

    Foto: Astrid Springer
  • Eingeladen zur naturkundlichen Wanderung zum Thema Blütenvielfalt in der Heide hatte die Biologische Station Kreis Steinfurt.

    Foto: Astrid Springer
  • Unter den Gästen waren viele Seester sowie einige ehemalige Anwohner, mancher Naturbegeisterte war sogar aus Greven oder Emsdetten hergekommen.

    Foto: Astrid Springer
  • Ein gutes Dutzend Naturbegeisterte folgte den Ausführungen von Biologe Hartmut Storch und Landschaftsökologin Annika Brinkert.

    Foto: Astrid Springer
  • Bundesförster Rainer Schmidt erläuterte den Teilnehmern auf eine Karte die Besonderheiten der Wersener Heide.

    Foto: Astrid Springer
  • Das Knabenkraut, eine heimische Orchideenart, die sich bevorzugt auf diesen offengelassenen Flächen ausbreitet.

    Foto: Astrid Springer
  • Blühende Landschaften auf kargem Boden

    Foto: Astrid Springer
  • Eine Heidenelke

    Foto: Astrid Springer

Letzterer ist einer der artenreichsten Biotope in Deutschland. Bereits eine kleine Parzelle beherbergt eine erstaunliche Vielzahl von Arten. „Das liegt an der Nährstoffarmut“, erläutert Brinkert. Schnellwüchsige Pflanzen, die andere Arten durch Beschattung verdrängen würden, haben an dieser Stelle keine Chance.

In der kahlen Heide mit offenen Sandflächen zählen andere Strategien. Eine davon beherrscht die Sandsegge: Mit Ausläufern, auf denen die nachwachsenden Graswirbel aufgereiht sind, sichert sie sich das Überleben an diesem unwirtlichen Standort. Diese Aufreihung an einem Rhizom brachte ihr im Volksmund den Namen „Gottes Nähmaschine“ ein. „Und diese Funktion übernimmt sie tatsächlich“, bestätigt Storch, denn sie befestigt durch ihre Wurzeln freiliegende Sandbänke und stoppt die Winderosion.

Eine andere Strategie verfolgt der kleine Klappertopf, der aufgrund der großen Samenbehälter seinen Namen bekam. Er kommt der Nährstoffarmut parasitisch bei und zapft unterirdisch die Wurzeln anderer Pflanzen an.

Der Verdichtung der Pflanzendecke wirken die Naturschützer immer wieder gezielt entgegen – teils mit Maschinen, teils übernehmen Wildschweine diese Aufgabe und reißen die Grasnarbe wieder auf. Das nämlich fördert unter anderem das Knabenkraut, eine heimische Orchideenart, die sich bevorzugt auf diesen offengelassenen Flächen ausbreitet.

Von der Vielfalt waren die Besucher sichtlich beeindruckt, „Toll, dieser Artenreichtum“, hörte man entzückte Kommentare, während andere mit der Kamera auf Motivjagd gingen. Für dessen Bewahrung sorgt unter anderem der besondere Schutzstatus als Natura2000-Flächen und HotSpot-Gebiet.

Zum Thema

Wessen Interesse an einer solchen Exkursion geweckt ist: die Biologische Station (www.biologische-station-steinfurt.de) bietet weitere Führungen an, beispielsweise einen Ausflug am 24. August ins Recker Moor.

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