Hans-Georg Wegner engagiert sich als Wirtschaftssenior
„Man kann ja nicht nur Golf spielen“

Lotte -

Hans-Georg Wegner ist vor zwei Jahren nach 37 Jahren als Vertriebsmitarbeiter und Führungskraft in Rente gegangen. „Nachdem ich den Keller aufgeräumt hatte, habe ich mich gefragt, was mache ich denn jetzt?“, erzählt er und schmunzelt: „Man kann ja nicht nur Golf spielen!“ Darum engagiert er sich jetzt als Wirtschaftssenior.

Donnerstag, 18.07.2019, 15:02 Uhr aktualisiert: 18.07.2019, 15:04 Uhr
Auf der „Datenbank“, die der ehemalige Vertriebsleiter Hans-Georg Wegner (links) zum Abschied von den Kollegen geschenkt bekam, nahm der Wersener Wirtschaftssenior jetzt mit seinem Vereinsfreund Thomas Deppen Platz.
Auf der „Datenbank“, die der ehemalige Vertriebsleiter Hans-Georg Wegner (links) zum Abschied von den Kollegen geschenkt bekam, nahm der Wersener Wirtschaftssenior jetzt mit seinem Vereinsfreund Thomas Deppen Platz. Foto: Angelika Hitzke

-WersenAls gebürtiger Bottroper, der noch dazu aus einer Bergmannsfamilie stammt, ist Hans-Georg Wegner eigentlich wie seine Frau eine echte „Ruhrpottpflanze“. Wie es ihn beruflich zur Firma Duni in Bramsche-Achmer, als Ruheständler zu den Osnabrücker Wirtschaftssenioren und privat an seinen Wohnort Wersen verschlug, erzählt der 67-Jährige im Gespräch zusammen mit seinem Vereinsfreund Thomas Deppen .

In der Gemeinde Lotte hat der Verein, dessen derzeit 15 aktive Mitglieder nicht nur Existenzgründern, sondern auch kleineren Handwerks- und Gewerbebetrieben mit ihren wirtschaftlichen Erfahrungen gegen eine kleine Gebühr zur Seite stehen, noch keine Sprechstunde, bedauert Deppen.

Wohl aber in Hasbergen, wo die Wirtschaftssenioren einmal die Woche im Rathaus mit potenziellen Klienten Erstgespräche führen. „Wir haben beschlossen, in die Region zu gehen“, sagt der Mann für die Öffentlichkeitsarbeit in dem eingetragenen Verein, der sich und seine Arbeit allein aus Mitgliedsbeiträgen und Gebühren finanziert. In Hasbergen hätten sich schon fünf oder sechs Ratsuchende gemeldet: „Davon sind zwei schon recht Erfolg versprechend unterwegs“, sagt Deppen.37 Jahre im Vertrieb

Hans-Georg Wegner ist erst im vergangenen Jahr dazugestoßen. Nach 37 Jahren als Vertriebsmitarbeiter und Führungskraft ging er im August 2017 in Rente. „Nachdem ich den Keller aufgeräumt hatte, habe ich mich gefragt, was mache ich denn jetzt?“, erzählt er und schmunzelt: „Man kann ja nicht nur Golf spielen!“

Haus und Garten seien ohnehin Domäne seiner Frau, die ganz froh gewesen sei, als er sich vergangenes Jahr den Wirtschaftssenioren anschloss: „Da stehe ich ihr nicht mehr im Weg.“ Und: „Wenn man so lange im Beruf glücklich war, ist man gedanklich immer noch dabei. Das kann man nicht einfach so abschütteln.“

Die Leidenschaft fürs Verkaufen war dem Bergmannssohn nicht in die Wiege gelegt. „Da ist unser Milchmann dran schuld. Und Onkel Reinhard mit seinem Gemüsewagen. Als Kind durfte ich da oft drei, vier Stationen mitfahren auf den Verkaufstouren“, berichtet er. Also wollte er eine kaufmännische Ausbildung machen. Dort kam er in Kontakt mit Verkäufern im Außendienst: „Die waren immer so schnieke gekleidet und hatten saubere Fingernägel. Das wollte ich auch!“

Nach der Bundeswehr war seine erste berufliche Station als Jungreisender bei der Firma Nestlé. Auf Abendschulen bildete sich Wegner betriebswirtschaftlich weiter. „Dann kam das Angebot von der Duni vor 37 Jahren.“ Dort stieg er vom Bezirksleiter über den Verkaufsleiter NRW und Verkaufsleiter national zum Vertriebsleiter mit Personalverantwortung für 80 Mitarbeiter, Prokuristen und Mitglied der Geschäftsleitung auf. In Wersen ist er über den Kontakt zu Rudi Havermeyer gelandet und froh darüber: „Wenn Sie im Ruhrgebiet unter fünf Millionen Menschen aufgewachsen sind, dann brauchen Sie eine Stadt in der Nähe!“

„Ich hatte das Glück, am Aufbau mitwirken zu können. Warum soll man dieses Glück nicht weitergeben?“, beschreibt Wegner, warum es ihn dazu treibt, jungen Handwerkern oder angehenden Gewerbetreibenden auf dem Weg in die Selbstständigkeit mit der Weitergabe seiner Erfahrungen behilflich zu sein. Wobei die Gespräche rund um die Erstellung eines Businessplans durchaus auch zu der Erkenntnis führen könnten, dass man vielleicht doch lieber auf die Existenzgründung verzichten und als Angestellter weiterarbeiten sollte.Visionen und Realität

„Die Vorstellungen sind oft sehr vage. Wir helfen, die mit Realität anzufüttern“, erklärt Thomas Deppen, dessen Spezialgebiet Abrechnungswesen und allgemeine Betriebswirtschaft sind. Hans-Georg Wegner als Ex-Außendienstler mit Führungserfahrung und besonderen Kenntnissen in PC-Anwenderprogrammen weiß, dass formale Qualifikationen allein oft keine Erfolgsgarantie sind und dass viele zum Beispiel vom Außendienst falsche Vorstellungen haben: „Die sehen nur den Dienstwagen und glauben, da ist kein Chef. Aber nicht, dass es sehr wohl einen Chef gibt und man klare Vorgaben hat, die man erfüllen muss. Da muss man abklären, ist das wirklich was für mich?“ Andererseits sei es faszinierend zu sehen, „wie Menschen mit ihren Aufgaben wachsen“, weshalb jeder eine Chance verdient habe. „Wer Visionen hat, sollte mal mit uns Wirtschaftssenioren reden.“

Es sei toll, seine beruflichen Erfahrungen weitergeben zu können und dabei selbst neue Menschen und Ideen kennenzulernen: „Hör niemals auf zu lernen“, hat sich der agile 67-Jährige zur Devise gemacht. Sein Vereinsfreund ergänzt: „Jeder Fall ist anders, es wird nie langweilig.“ Hans-Georg Wegner hat bisher schon zwei Klienten beraten. Einmal sei es um eine Betriebsübernahme in der Sicherheitsbranche gegangen, einmal um einen Videofilmer, der sich auf Firmenpräsentationen spezialisiert hat. Ein Dritter suche gerade Unterstützung im Bereich Marketing.

Die Wirtschaftssenioren sind nicht an Ländergrenzen gebunden und haben laut Deppen auch sehr guten Kontakt zur West AG. In der Außenstelle in Tecklenburg bieten sie bei Bedarf ebenfalls Sprechstunden an. Steuerrechtliche und juristische Beratung dürften sie allerdings nicht leisten, könnten aber über ein gut funktionierendes Netzwerk entsprechende Kontakte vermitteln. In den letzten Jahren stark zugenommen hätten auch die Anfragen von bestehenden kleinen Handwerks- und Gewerbebetrieben, die sich die teuren Beraterfirmen nicht leisten könnten.

Deshalb suche man noch ehrenamtliche Mitstreiter, die vielleicht gerade erst in den Ruhestand eingetreten sind: „Auch bei Älteren gibt es viel Potenzial“, betont Hans-Georg Wegner, dass Wirtschaftsexperten auch als Rentner noch eine erfüllende Aufgabe finden und sich zu beiderseitigem Nutzen einbringen können.

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