Der SV Büren macht kreative Angebote
E-Bikes unerwünscht

Lotte-Büren -

Der aufmerksame Leser stolpert vielleicht direkt zu Beginn dieser Geschichte über die Jahreszahl der Gründung des SV Büren: 2010. Kann es sein, dass in einem Ortsteil, der spätestens nach dem 2. Weltkrieg durch umfangreiche Bautätigkeiten aufblühte und mittlerweile das Zuhause für rund 4500 Menschen ist, bis zum Jahre 2010 kein Sport betrieben wurde?

Montag, 22.07.2019, 18:10 Uhr aktualisiert: 23.07.2019, 16:48 Uhr
Die 40- bis 60-jährigen Mitglieder der Radsportgruppe des SV Büren treffen sich regelmäßigen dienstags zu ihren Rundfahrten. Rennräder sind dabei die Ausnahme, E-Bikes ein Tabu.
Die 40- bis 60-jährigen Mitglieder der Radsportgruppe des SV Büren treffen sich regelmäßigen dienstags zu ihren Rundfahrten. Rennräder sind dabei die Ausnahme, E-Bikes ein Tabu. Foto: Friedrich Schönhoff

Natürlich nicht! Der SV Büren 2010 ist der Nachfolgeverein der beiden Vereine VfL Büren von 1954 und der TG 68 Wersen-Büren. Die Gründung des SV Büren im Jahre 2010 führte den Fußball, der beim VfL angesiedelt war, zusammen mit den Hallensportarten des TSG Wersen-Büren.

Damit hat der Lotter Ortsteil an der Grenze zu Osnabrück eine starke Sportgemeinschaft, die sich selbst auch dem Gemeinwesen verpflichtet fühlt.

„Was haben wir denn auch sonst noch in Büren?“ fragte der Vorsitzende des Sportvereins, Christian Kroll . Sein Vorstandskollege, die Bürener „Handballlegende“ Ingo Reichelt , ergänzt, dass sich durch die Auflösung der Arbeiterwohlfahrt im Ortsteil Büren der SV Büren noch stärker in der Pflicht sehe, Veranstaltungen wie das traditionelle Maibaumfest, ein Kartoffelfest am Berliner Platz oder öffentliche Doppelkopfturniere im Vereinsheim mitzugestalten oder zu initiieren.

Natürlich dürfe darüber das eigentliche Ziel, Menschen für den Sport zu begeistern, nicht nach hinten gerückt werden. Dafür allerdings gibt es auch keinerlei Anzeichen. Die eigene Sportanlage befindet sich in recht gutem Zustand, und in anderen Sportarten weicht man auch schon mal auf öffentliche Räume aus. Schlechter sähe es bei den Sporthallen aus, so die Vorstandsmitglieder. Die derzeitigen Kapazitäten reichten nicht aus, um zu den attraktiven Zeiten die Lotter Sporthallen zum Beispiel für den Handballsport zu bekommen.

Die Folge sei, dass Mitglieder nach Westerkappeln oder zu den großen Osnabrücker Vereinen abwanderten und damit auch die Bindung nach Büren verlieren würden. Allerdings hätten Rat und Verwaltung in Lotte das Problem erkannt, sodass in absehbarer Zeit zusätzliche Hallen in Wersen und Alt-Lotte gebaut würden.

Trotzdem wird der Verein auf der Suche nach außergewöhnlichen sportlichen Angeboten immer wieder fündig. So gründete sich vor vier Jahren die Radsportabteilung des SV Büren.

Von Ende März bis Ende Oktober treffen sich mittlerweile etwa 25 Radfahrer im Alter zwischen vierzig und sechzig Jahren jeweils dienstags um 18.30 Uhr am Sportplatz. Meistens bilden sich zwei Gruppen, die nach Leistungsstärke als A- oder B-Team starten und für eineinhalb Stunden spontane oder grob vorbereitete Touren rund um ihren Ortsteil fahren. Rennräder sind dabei die absolute Ausnahme, E-Bikes sogar unerwünscht. „Das zusammen“, so ein Teilnehmer „hat sich für beide Seiten als unbefriedigend erwiesen.“

Gern allerdings würde die Radfahrabteilung eine E-Bi­ke­­-Gruppe gründen, auch vor dem Hintergrund, damit Senioren die Möglichkeit zu geben, in der Gemeinschaft mit anderen Sportlern zu fahren.

„Wir sind keine Rennfahrer,“ hieß es unisono beim Start. Vielmehr verstehe man sich als Sportabteilung mit großem Freizeitwert, die auch gern einmal zusammen ein Bier trinkt oder den Grill anwirft.

Dennoch haben alle den Anspruch, für ihre persönliche Fitness kräftig in die Pedale zu treten. So erreicht die A-Gruppe auf einer Strecke von dreißig Kilometern meistens eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 25 Stundenkilometern, und auch das B-Team steht ihnen nicht viel nach.

Einmal im Jahr plane man eine mehrtägige Tour, die zuletzt nach Vlotho führte.

Auf der Fahrt an diesem Abend ging es rund um den Piesberg, vorbei an blühenden Rapsfeldern und wunderschön restaurierten alten Gütern und Höfen, durchaus mit der ein oder anderen herausfordernden Steigung. Während einige in Kleingruppen das Gespräch miteinander suchten, wollten andere nach einem anstrengendem Arbeitstag einfach nur den Kopf frei bekommen.

Einmal, als die Bahngleise der noch ruhenden Tecklenburger Nordbahn überquert wurden, kam das Gespräch auf die geplante Reaktivierung der Bahntrasse nach Osnabrück. Hier waren sich alle Mitglieder der Radsportgruppe des SV Büren einig, dass man statt die Bahn zu reaktivieren, besser einen Fahrradschnellweg in die Stadt hinein bauen solle.

Viele Bewohner Bürens seien dann mit dem Rad in einer Viertelstunde an ihrem Arbeitsplatz in Osnabrück, statt am Bahnhof, den es noch nicht einmal gäbe, auf den nächsten Zug warten zu müssen. Warum solle man mit solchen Aussagen nicht auch einmal politische Zeichen setzen, war die Frage an diesem Abend.

Auf anderen Gebieten ist der SV Büren dabei ohnehin aktiv. Der Verein bildet aktiv Übungsleiter aus, fördert den Familiensport und unterhält zahlreiche Kooperationen wie beispielsweise mit den Kindergärten und Schulen. Um dort aktive Angebote machen zu können und Kindern und Jugendlichen Anreize zur sportlichen Betätigung im Ortsteil zu geben, richtete der SV Büren eine Stelle im Freiwilligen Sozialen Jahr zusammen mit dem SC Halen ein. Auch darum erwarb sich der SV Büren die Anerkennung als kinderfreundlicher Sportverein.

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