Vögel brüten im dritten Jahr
Storchengeschwister sind flügge

Lotte -

Der dritte Storchensommer in Alt-Lotte neigt sich dem Ende zu. Nachdem im Vorjahr das eine Storchenjunge gestorben war, zogen die Altstörche diesmal sogar zwei Junge erfolgreich groß. Wir erkundigten uns bei Familie Klausmeyer. Sie sind Nachbarn und erklärte Fans des Weißstorchs.

Donnerstag, 25.07.2019, 16:46 Uhr
Fleißig trainierte der ältere der beiden Jungstörche auf dem Nestrand fürs Fliegen. Tags drauf streifte er bereits über die Wiesen. Der jüngere folgte ihm kurz darauf.
Fleißig trainierte der ältere der beiden Jungstörche auf dem Nestrand fürs Fliegen. Tags drauf streifte er bereits über die Wiesen. Der jüngere folgte ihm kurz darauf. Foto: Ursula Holtgrewe

Rückblick: Als Sammelpunkte von Weißstörchen mit der lateinischen Bezeichnung Ciconia ciconia werden seit mehreren Jahren im ausklingenden Sommer freie Flächen in der Gemeinde Lotte zu Storchentreffs. Von dort ziehen die Tiere gen Afrika.

In 2015 baute sich ein Storchenpaar auf einem Mast am Hansaring ein fragiles, nicht gerade ansehnliches Nest – dicht neben dem befahrenen Hansaring und in Sichtweite der Bahnstrecke. Orkan „Zoran“ zerzauste die Niststätte völlig; jedoch versuchten die zurückgekehrten Störche im darauffolgenden Frühjahr, das ramponierte Nest zu renovieren.

Auf dem in der Folgezeit neu errichteten Wohnungsangebot in der einige Meter entfernten Wiese in Sichtweite zu Familie Klausmeyer und deren Nachbarn fühlte sich das Ehepaar Adebar – so der Fabelname des Rotschnabels – wohl und zog ein Küken auf. Sehr zur Freude von Günther Klausmeyer und dessen Enkelinnen Jule und Celina.

Die drei bezogen regelmäßig in rücksichtsvoller Entfernung am Rand der Wiese ihren Beobachtungsposten und verfolgten gespannt mit einem Fernglas das Geschehen im Nest hoch oben. So erlebten sie nahezu jeden Entwicklungsschritt mit.

Als mehr als zwei Monate nach dem Schlüpfen das Junge auf dem Nestrand seine Flugtrainingseinheiten absolvierte, um Flügel und Muskeln zu stärken, war klar: Bald wäre es fit genug, das Nest nicht mehr aufzusuchen und eigenständig auf Nahrungssuche zu gehen. Das war im Jahr 2017.

Das Brutjahr 2018 verlief wesentlich dramatischer. „Die Weißstörche hatten ein Junges, das nie richtig auf die Beine gekommen ist“, erinnert sich Ilona Klausmeyer. Die Eltern haben sich sehr wohl gekümmert und den Nachwuchs gefüttert. „Das Tier ist immer dicker geworden. Anfang Juli dann haben die Eltern angefangen, nicht mehr zu füttern, sind allerdings in der Nähe geblieben und in der Wiese herumgestakst“, berichtet die Storchenmutter.

Etwa 14 Tage später erklärte sich den Nachbarn das Prozedere: „Die Eltern haben das tote Tier aus dem Nest geworfen“, blickt Ilona Klausmeyer zurück. Noch immer liegt Bedauern in ihrer Stimme. Irgendwann hätten die Störche gemerkt, dass das offenbar krank geschlüpfte Küken keine Überlebenschancen gehabt hätte. Folglich hätten sie ihren Nachwuchs verhungern und austrocknen lassen.

Versöhnt blicken die Klausmeyers und die Nachbarn nun auf die aktuelle natürliche Storchenaufzuchtsaison am Hansaring zurück. Groß war die Freude, als die Störche nach der langen Heimreise von Afrika wieder zu nisten begannen. Zu dem brütenden Paar in Alt-Lotte hat sich nach Auskunft der Biologischen Station in diesem Jahr noch ein weiteres in Hopsten-Schale im Norden des Kreises Steinfurt gesellt.

Bald lugten in Lotte sogar zwei noch graue Schnäbel kleiner Störche über den Nestrand. Die Eltern waren ständig unterwegs, um den Hunger der gesunden, sichtbar größer werdenden Jungen zu stillen. Auf dem Speiseplan standen beispielsweise große Insekten, Regenwürmer, Mäuse, Maulwürfe, Fische, auch mal Aas. Der Nachwuchs gedieh prächtig.

„Es war schon sehr ulkig zu beobachten, wenn die beiden auf dem Nestrand auf und ab hüpften bei ihren Flugübungen“, beschreibt Ilona Klausmeyer lachend das Unterhaltungsprogramm.

Längst waren die Tiere ins typische weiß-schwarze Gefieder der Eltern gewechselt. Die Eltern ließen die Kinder immer länger allein. „Sie saßen im Nest in Sichtweite, das unsere Nachbarn aufgebaut haben, und beobachteten ihre Jungen – wenn sie nicht zur Nahrungssuche unterwegs waren“, gibt der Storchenfan Beobachtungen wieder.

Nun ist das Nest am Hansaring leer. Der Nachwuchs der Alt-Lotter Weißstörche trainiert für den langen Flug auf der Westpassage über Gibraltar nach Zentralafrika. Weil Jungtiere erst nach drei bis fünf Jahren geschlechtsreif werden, kann es gut sein, dass im kommenden Frühjahr der in Alt-Lotte Erstgeborene in die Region zurückkehrt, um selbst eine Storchenfamilie zu gründen.

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