Architektenwettbewerb für Sporthalle Wersen auf den Weg gebracht
Passivhaus-Standard muss sein

Lotte -

In einer gemeinsamen Sondersitzung haben der Ausschuss für Schulen, Sport, Soziales und Kultur (ASSSK) und der Bau- und Planungsausschuss (BPA) der Gemeinde Lotte das Raumprogramm und die Auslobung des nicht offenen Architektenwettbewerbs für den Neubau einer Zweifeldsporthalle in Wersen in Ergänzung der vorhandenen Halle einstimmig auf den Weg gebracht. Auf Anregung der Grünen wurde der Auslobungstext um die Anforderung ergänzt, den Neubau nach Passivhausstandard zu planen.

Donnerstag, 01.08.2019, 16:02 Uhr aktualisiert: 02.08.2019, 16:00 Uhr
Die Sporthalle Wersen soll saniert und um einen Zweifeldhallen-Neubau erweitert werden.
Die Sporthalle Wersen soll saniert und um einen Zweifeldhallen-Neubau erweitert werden. Foto: Ulrike Havermeyer

Eine von Kämmerer Jörg Risse unterzeichnete Stellungnahme der Kämmerei zu den im Haushalt für 2019/20 bereitgestellten Mitteln für die großen Investitionen im Schul- und Sportbereich sorgte dafür, dass auch der beabsichtigte Sporthallenneubau in Alt-Lotte, obwohl nicht auf der Tagesordnung, erneut andiskutiert wurde.

Angesichts der Folgekosten für die geplanten Investitionen und der dafür nötigen höheren Verschuldung empfiehlt der Kämmerer in der Stellungnahme, den Turnhallenneubau in Lotte abhängig von der Haushaltssituation auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben. Aus Sicht der Kämmerei müsse angesichts der Kostensteigerungen aufgrund gestiegener Baupreise und Anpassung der Planungsgrundlagen eine Priorisierung erfolgen.

Höchste Priorität hätten wegen der langfristigen Sicherung der Schulstandorte die Erweiterungen der Gesamtschule in Wersen (jetzt 1,34 Millionen Euro) und der Grundschule Lotte (jetzt 2,25 Millionen Euro). Am Haupt-Schulstandort Wersen mit Gesamtschule, Grundschule und den privaten Schulen Krüger stehe der schulische Bedarf für die Sporthallenerweiterung (jetzt 7,1 Millionen Euro) fest; zudem seien die dann verbesserten Kapazitäten an den Bedarfen der Sportvereine ausgerichtet.

Obwohl aufgrund des Investitionsstaus bei den Turnhallen Lotte und Halen größtenteils Einvernehmen darüber bestehe, dass eine Renovierung unwirtschaftlich und ein Neubau sinnvoll sei, rät der Kämmerer, das Projekt mit der höchsten Investitionssumme, nämlich den Turnhallenneubau in Lotte (derzeitige Kosten: 8,5 Millionen Euro), aufzuschieben: „Bei einer Verschiebung werden die jährlich zu tragenden Kosten von 689 000 Euro auf rund 380 000 Euro sinken“, heißt es in der Stellungnahme.

Friedhelm Pösse (FDP) unterstützte Risses Vorschlag ausdrücklich. Friedhelm Lange ( CDU ) wollte das Thema Turnhalle Lotte vertagt wissen, während die SPD unbedingt einen perspektivischen Grundsatzbeschluss dazu herbeiführen wollte: „Wir sollten ein Zeitfenster festlegen. Das sollte auch im Beschluss festgehalten werden, nicht dass das hinten rüberfällt“, betonte Helga Strübbe. Auch SPD-Fraktionschef Thomas Giebel und Hermann Brandebusemeyer legten Wert auf „eine klare Willensäußerung“ zum Sporthallenneubau in Lotte: „Wir sollten ein deutliches Zeichen setzen, dass wir beide Hallenkomplexe wollen“, so Brandebusemeyer.

Grünen-Fraktionschef Dieter Hörnschemeyer bestand auf einer getrennten Abstimmung: „Ich sehe für die Sporthalle Lotte immer noch keine Bedarfsermittlung.“ Er votierte denn auch als Einziger gegen den spontan formulierten Zusatzbeschluss, nach Abschluss des Sporthallenprojekts in Wersen umgehend die Planung für den Sporthallenbau in Lotte in Angriff zu nehmen.

Zum Raumprogramm für den Sporthallenneubau in Wersen merkte Hörnschemeyer an, dass abgesehen vom unstrittigen Pflichtprogramm vier Dinge in der Fraktion diskutiert worden seien: das Forum, der Tanz- und Fitnessraum, die Außenumkleide zum Sportplatz hin und der kleine Besprechungsraum. Das Forum sei „eine gute Sache“, die Außenumkleide „dringend nötig“, das Tanzstudio für kleine Gruppen „sinnvoll“. Nur wofür der Besprechungsraum gebraucht werde, könne er nicht wirklich erkennen, denn die Sportvereine hätten doch alle ihre Vereinsheime.

Nachdem Philip Middelberg (SPD) und die Hauptamtsleiterin Petra Tepe erläutert hatten, dass zum Beispiel die Volleyballer des SC Halen oder die Handballgemeinschaft ausschließlich in Wersen trainieren und spielen und Spiel- und Mannschaftsbesprechungen daher sinnvollerweise vor Ort abhalten müssten und die bei Turnieren erforderlichen Taktikbesprechungen oder auch Schiedsrichterschulungen ebenfalls besser in einem multimedial ausgestatteten Besprechungsraum statt auf dem Hallenboden abgehalten werden könnten, stimmten die Grünen auch diesem Teil des Raumprogramms zu.

Thomas Schmitt (Grüne) regte an, die Nachhaltigkeitsanforderung im Auslobungstext zu konkretisieren und nicht nur allgemein zu formulieren. Zielvorgabe müsse mindestens Passivhausstandard sein. Für einen ganzheitlichen Ansatz, meinte er, sollten zudem bestimmte Qualitäten zertifiziert werden. Er schlug vor, zum Beispiel Regenwassernutzung für WCs, Batteriespeicher und nachhaltige, recyclingfähige Baustoffe von Anfang an vorzugeben.

Davon riet Thomas Zimmermann vom Büro Assmann, das den Wettbewerb durchführt, jedoch ab: „Zertifizierungen macht man aus zwei Gründen: wegen der Rendite und/oder der medialen Aufmerksamkeit“, sagte er. Beides sei hier nicht gegeben. Es sei besser und relativ einfach, den Passivhausstandard vorzugeben und dann im späteren Planungsverfahren in die technischen Details einzusteigen. Und erst dann sollten lieber einzelne Ziele und Maßnahmen diskutiert und konkretisiert werden.

Bauausschussvorsitzender Holtgrewe gab zu bedenken, dass bei absoluter Festlegung auf nachhaltige Baustoffe womöglich mit erheblichen Mehrkosten zu rechnen sei. „Im Hallenbau ist ohne Beton vieles nicht machbar“, so der CDU-Ratsherr. Zimmermann kündigte an, dass Nachhaltigkeit im Rahmen des Budgets berücksichtigt werden solle. Für die Ausschreibung wolle man es jedoch beim Passivhausstandard belassen.

So wurde es schließlich einstimmig beschlossen: „Es geht darum, Signale zu setzen, dass wir ernsthaft an Nachhaltigkeit interessiert sind“, unterstrich Schmitt den allgemeinen Konsens.

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