Halener Landwirt: Auch dieses Jahr Ernteeinbußen
Ertrag deckt nicht mal die Pacht

westerkappeln/Lotte -

Das zweite Jahr in Folge fordern Trockenheit und Hitze ihren Tribut von den Landwirten in Westerkappeln und Lotte. Insbesondere auf sandigen Standorten in Seeste, Halen, Wersen und Büren liegen die Erträge bei Mais, Getreide und Heu beziehungsweise Grassilage weit unter dem Durchschnitt von neun Tonnen je Hektar in guten Jahren.

Donnerstag, 08.08.2019, 18:06 Uhr aktualisiert: 08.08.2019, 19:10 Uhr
Nur rund einen Meter hoch, ohne Kolbenansätze und an Wurzelballen und unteren Blättern schon vertrocknet sind die Maispflanzen auf sonnigen Sandflächen wie hier neben dem Umspannwerk in Halen. „Diese Pflanzen sind kaputt“, sagt der Halener Landwirt Hartmut Meyer.
Nur rund einen Meter hoch, ohne Kolbenansätze und an Wurzelballen und unteren Blättern schon vertrocknet sind die Maispflanzen auf sonnigen Sandflächen wie hier neben dem Umspannwerk in Halen. „Diese Pflanzen sind kaputt“, sagt Landwirt Hartmut Meyer. Foto: Angelika Hitzke

Besonders schlimm trifft es nach den Worten des Bauern Hartmut Meyer vom Landwirtschaftlichen Lokalverein Westerkappeln-Lotte-Wersen seine Rindvieh haltenden Kollegen, deren nach der letztjährigen Dürre ohnehin kargen Reserven längst aufgebraucht sind und die in der Region knappes und daher teures Futter zukaufen müssen. Der Bürener Milchviehhalter Piet Jongsma zum Beispiel müsse regelmäßig (Kraft-)Futter aus den Niederlanden kaufen, um seine Tiere ernähren zu können, denn Heu und Grassilage sind inzwischen Mangelware.

„Der erste Schnitt beim Grünland war noch normal mit durchschnittlichem Ertrag“, sagt der Halener Landwirt Meyer. Der zweite Schnitt sei vielerorts schon ein Notschnitt gewesen, um das Grün vor dem Vertrocknen zu ernten – mit „stark unterdurchschnittlichen Erträgen“. Ob es einen dritten geben wird, ist trotz der inzwischen eingetretenen Niederschläge fraglich. Denn die gab es meist nur punktuell, nicht flächendeckend. „Hier in Halen hatten wir letzte Nacht vier Liter je Quadratmeter und Stunde“, berichtet er.

Das ist zwar schon ganz ordentlich, aber angesichts der ausgetrockneten tieferen Bodenschichten noch lange nicht genug. Hinzu kommt, dass sandige Böden die Feuchtigkeit nicht halten können, während lehmige Böden etwa in großen Bereichen von Alt-Lotte das Wasser wie ein Schwamm aufsaugen und speichern. Entsprechend unterschiedlich fallen je nach Standort die Ackerbauerträge aus: „Auf sandigen Ecken zeigte das Getreide schon im Mai erste Trockenschäden. Es gab fast keine gefüllten Ähren“, so Meyer.

Bei Triticale und Gerste und ähnlich auch beim Weizen habe der Ertrag in Seeste, Halen, Wersen oder Büren bei durchschnittlich 5,2 Tonnen je Hektar gelegen, auf guten, lehmigen Standorten in Alt-Lotte und Teilen Westerkappelns hingegen bei über neun Tonnen. Erstmals sei die Wintergerste bereits im Juni – normal ist Mitte Juli – gedroschen worden: „Eine frühe Ernte heißt keine gute Ernte.“

Auch für den Laien besonders deutlich sichtbar sind die Unterschiede beim Mais: Bei höherem Lehm-Anteil im Boden und auf sonst sehr nassen Flächen wie an der Hase oder Düte steht der Mais derzeit drei bis vier Meter hoch und hat auch Kolben ausgebildet, sodass hier mit einem etwas unterdurchschnittlichen Ertrag gegenüber regenreichen Jahren zu rechnen sei. Auf Sand sind die Maispflanzen nur einen bis 1,50 Meter hoch – und komplett ohne Kolben. Wo die Sonne drauf knallt, sind obendrein schon zumindest die unteren Blätter grau statt grün oder schon braun verbrannt. Wo, wie in der Düteaue, hoher Grundwasserspiegel und Schatten die nötigen Rahmenbedingungen schaffen, gedeihen sogar die eigens angelegten Blühstreifen am Ackerrand.

Dieser „OK-Mais“ (Ohne-Kolben-Mais) tauge nicht einmal mehr für Biogasanlagen und „müsste theoretisch gemulcht werden“, erklärt Hartmut Meyer. Ein Berufskollege in Ankum habe schon damit begonnen, seinen Ok-Mais zu häckseln. Normalerweise erfolge das Ende September, Körnermais werde sogar erst im November geerntet. Doch daran ist hier mangels Kolben gar nicht zu denken.

Das zweite Jahr in Folge seien die Roherträge beim Mais (800 Euro pro Hektar) und beim Getreide (825 Euro abzüglich Dreschkosten, also nur 700 Euro pro Hektar) nicht kostendeckend, so Hartmut Meyer. Da der Großteil seiner Kollegen Flächen hinzu gepachtet hat und vom Rohertrag neben den Kosten für Maschineneinsatz auch die für Saatgut, Düngung und Arbeitseinsatz abzuziehen seien, könne er nicht einmal die Pachtpreise decken.

„Der Ackerbau wird subventioniert über die Tierhaltung“, erklärt der Sauenhalter und Ferkelerzeuger, der überdies im Verbund mit zwei weiteren Betrieben Schweine mästet. Mit anderen Worten: die muss nicht nur kostendeckend, sondern Gewinn bringend sein, um das Einkommen und den Lebensunterhalt der Familie zu sichern.

Im Schweinebereich sei das Problem mit dem Futterzukauf nicht so gravierend, weil die Tiere überwiegend Getreide vom Weltmarkt bekämen. Zudem gebe es wegen der Schweinepest in China, Polen und Litauen seit zwei, drei Monaten auch gute Preise für Schweinefleisch. „Der ist so gut wie das letzte Mal vor vier Jahren“, sagt Hartmut Meyer und betont: „Das brauchen wir auch, um die Löcher aus dem letzten Jahr zu stopfen.“

Doch die extreme Hitze vor zwei Wochen habe vor allem den Sauen in der Abferkelung zu schaffen gemacht. Anders als in den klimatisierten Mastställen, wo es nach seinen Worten keine Ausfälle gab, habe man den Abferkelstall nicht von 40 auf um die 30 Grad herunterkühlen können. Am heißesten Tag seien deshalb zwei Sauen während des Abferkelns verendet. „Die Ferkel sind gut alle durchgekommen“, sagt der Halener Landwirt und erzählt, dass er sie zu einer Ammensau gesetzt habe.

Beim Milchvieh seiner Kollegen hatten die Extremtemperaturen nach seinen Worten deutliche Leistungseinbußen zur Folge. Weniger Milch, weniger Ertrag, aber immer höhere Kosten durch notwendige Futterzukäufe, weil wie vergangenes Jahr schon wieder nicht genug Grasschnitt aus der Region für Silage da ist – „da werden wohl einige abstocken“, so der Landwirt. Im Klartext: „Viele werden ihren Viehbestand verringern müssen.“

Denn die Pachtzinsen würden ganz sicher nicht zurückgehen. „Was aber ganz bestimmt zurückgeht, sind die Tierzahlen“, ist seine Einschätzung. Für das Tierwohl sei das sicherlich gut und wohl auch im Sinne der Umweltschützer. Fragt sich nur, ob der Verbraucher auch bereit ist, für Milch, Milchprodukte wie Käse und Joghurt und für Fleisch entsprechend mehr zu bezahlen.

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