Schäden an Tannenbaumkulturen
Der Regen kommt zu spät

Lotte -

Der Regen kommt zu spät und bringt zu wenig: Die Weihnachtsbaum-Anbauer in der Region haben vor allem bei den Jungpflanzen große Ausfälle zu beklagen. Das berichtet auch Holger Strübbe aus Lotte-Osterberg.

Donnerstag, 15.08.2019, 18:42 Uhr aktualisiert: 15.08.2019, 19:08 Uhr
Zunächst angewachsen, aber dann schlicht vertrocknet ist dieser Nordmanntannen-Setzling, wie Holger Strübbe hier demonstriert.Selbst im alten Mischwaldbestand auf dem Hagenberg ist der lehmige Boden vielerorts rissig und wie festgebacken.
Zunächst angewachsen, aber dann schlicht vertrocknet ist dieser Nordmanntannen-Setzling, wie Holger Strübbe hier demonstriert.Selbst im alten Mischwaldbestand auf dem Hagenberg ist der lehmige Boden vielerorts rissig und wie festgebacken. Foto: Angelika Hitzke

Insbesondere die zwei- bis dreijährigen Nordmanntannen-Setzlinge, die nicht maschinell, sondern von Hand in die Lücken älterer Kulturen gepflanzt wurden, sind großenteils entweder vertrocknet oder von der Sonne verbrannt. Als wäre das nicht genug, wurden die normalerweise gegen den Schädling resistenten, weil stark harzenden, für Schnittgrün verwendeten Nobilistannen gehäuft vom Borkenkäfer befallen.

Normalerweise, so Forstwirt Holger Strübbe aus Lotte-Osterberg, harzen Nobilistannen wesentlich stärker als die bereits im vergangenen Jahr massenhaft befallenen Fichten. Mit dem vermehrten Ausstoß ihres klebrigen Saftes wehren sich die Bäume im Rahmen ihrer Möglichkeiten gegen den Schädling, der Löcher in Stamm und/oder Rinde bohrt, um dort seine Brutgänge für die Nachkommen anzulegen.

Wie Strübbe erklärt, gibt es zwei Arten des Käfers, der vor allem, aber nicht nur vorgeschädigte – etwa durch Trockenheit geschwächte - Nadelbäume befällt: den Buchdrucker und den Kupferstecher. Der Buchdrucker ist den gemäßigten Breiten laut Bayerischem Staatsministerium für Ernährungen, Landwirtschaft und Forsten der gefährlichste Borkenkäfer und Forstschädling. Seit dem Trockenjahr 2003 hat auch der wesentlich kleinere Kupferstecher maßgeblich zum Absterben großer Fichtenbestände beigetragen, so das Ministerium.

Die Trockenheit der vergangenen beiden Jahre hat nach Auskunft von Holger Strübbe dazu geführt, dass außer den Fichten, die als Weihnachtsbaumkultur bei ihm kaum eine Rolle spielen, die Nobilistannen, aber auch Douglasien kaum harzen - und den Borkenkäfer deswegen nicht mehr abwehren können. Einzige Möglichkeit zur Bekämpfung: die befallenen Bäume schnellstmöglich schlagen, bevor die Käfer wieder ausfliegen und sich neue Bäume suchen, das Holz aus dem Wald abfahren und bei Befall mit dem kleineren Kupferstecher auch das Wipfelmaterial durch Häckseln oder Verbrennen unschädlich machen.

„Hier an dem Mehl in den Spinnenweben sieht man, dass diese Fichte auch schon vom Borkenkäfer befallen ist“, erklärt Holger Strübbe im alten, mit Buchen durchsetzten Mischwaldbestand auf dem Hagenberg und zeigt auf das kleine, vom Laien auf den ersten Blick gar nicht wahrgenommene Loch in der Rinde, das gelb umkringelt ist.

Die so markierten Bäume müssen beobachtet und demnächst gefällt werden, damit sich der Schädling nicht weiter verbreitet. Die mit roten senkrechten Strichen markierten sind definitiv nicht mehr zu retten und müssen sofort raus aus dem Wald: „Wir haben dauernd den Harvester im Einsatz“, stöhnt der Osterberger Land- und Forstwirt. Ein paar hundert Meter weiter ist die große Holzerntemaschine gerade bei der Arbeit.

Wo gefällt wurde, müssen die Stubben mit Spezialmaschinen beseitigt, der Boden gemulcht und die Kahlflächen wieder aufgeforstet werden. „Da überlegt man schon, was man noch pflanzen soll“, sagt Strübbe und erzählt, dass er schon daran gedachte habe, die lange vernachlässigte Lärche wieder an den Hagenberg zu holen, an dem er bisher neben Buchen, die aber auch schon Trockenheitsschäden haben, Fichten, Douglasien, Waldlebensbaum und Nobilistannen angepflanzt hat. In den Grenzregionen zu den Niederlanden, wo Berufskollegen Lärchen im großen Stil kultiviert hätten, seien die aber von einem auf diese Baumart spezialisierten Käfer befallen worden. Der habe sich schon bis nach Lingen ausgebreitet.

Aber nicht nur die gefräßigen Insekten machen den Bäumen zu schaffen, sondern auch der Wassermangel, die extreme Hitze vor einigen Wochen und die Sonne. Trotz des Regens der vergangenen Tage ist der Boden im Wald nur oberflächlich und stellenweise feucht. Selbst die von den Maschinen aufgewühlten Waldwege sind an vielen Stellen immer noch staubtrocken, und der lehmige Boden daneben zum Teil rissig und hart wie gebacken.

Selbst im alten Mischwaldbestand auf dem Hagenberg ist der lehmige Boden vielerorts rissig und wie festgebacken.

Selbst im alten Mischwaldbestand auf dem Hagenberg ist der lehmige Boden vielerorts rissig und wie festgebacken. Foto: Angelika Hitzke

„Der Grundwasserspiegel ist stark gesunken“, so Strübbe. In seinen Teichen fehlten mindestens 1 bis 1,50 Meter Wasserhöhe. Besonders schlimm traf es die ein- bis zweijährigen Nordmanntannen-Setzlinge, die von Hand zwischen die älteren Weihnachtsbäume gepflanzt wurden. Im Gegensatz zu den maschinell angelegten Neupflanzungen, die durch das kräftige Andrücken in die zuvor gelockerte Erde „einen besseren Bodenschluss“ haben, wurzeln die Setzlinge in den Altkulturen mit den verfestigten Böden nicht so schnell in die Tiefe.

Die älteren, sechs, sieben acht oder zehn Jahre alten Nordmanntannen – bis die Weihnachtsbäume die gängige Größe von 1,50 bis zwei Meter haben, vergeht ein Jahrzehnt oder mehr – seien Pfahlwurzler, das heißt, die Wurzeln der ausgewachsenen Bäume reichen weit in die Tiefe bis zum Grundwasser, erklärt Strübbe. Ihnen hat die Trockenheit der beiden letzten Sommer nicht so viel ausgemacht, nur ihr Höhenwachstum gebremst, weil sie nicht so viele Nährstoffe aufnehmen konnten wie sonst.

Von den nur 20 Zentimeter kleinen von Hand gepflanzten Jungbäumchen zwischen den älteren Nordmanntannen sind laut Strübbe je nach Standort und Boden zwischen 40 und 70 Prozent vertrocknet oder von der Sonne verbrannt.

Eine Bewässerung aller Kulturen ist nach Strübbes Worten wegen der vielen verstreuten Anbauflächen zu aufwendig und zu teuer. Im Forst, wo Holger Strübbe im vergangenen Jahr unter anderem Douglasien, Esskastanien und 400 Mammutbäume gepflanzt hat, haben fünf Mitarbeiter jede Woche die Jungbäume gegossen. Die schnell wachsenden Mammutbäume, so zeigt der Lotter Land- und Forstwirt in einer neu angelegten Kultur neben Nordmanntannen-Setzlingen, sind schon doppelt so hoch wie die gleichaltrigen Weihnachtsbäume und vertragen Hitze und Trockenheit besser.

Der Osterberger hat Spaß daran, diese Bäume im Forst zu kultivieren, obwohl sie sich als Weihnachtsbäume nicht eignen: „Die sind optisch so schön und was Besonderes“, schwärmt er.

Schäden verzeichnetet der Weihnachtsbaumproduzent auch durch die Spätfröste rund um die Eisheiligen im Frühjahr. Bei den betroffenen Bäumen, übrigens auch älteren Exemplaren, zeigt sich das in dunkelbraunen bis schwarzen Triebspitzen.

Fest steht, dass die Ausfälle durch Neuanpflanzungen kompensiert werden müssen. Weihnachtsbaumanbauer müssen mindestens zehn Jahre im Voraus planen, erläutert Holger Strübbe. Denn so, lange dauert es, bis der Baum geschlagen und verkauft werden kann.

Gegen Ausfälle durch Extremwitterung gebe es zwar Versicherungen, aber die lohnten sich nicht, weil zu teuer, so der Lotter Landwirt. Sein Fazit: „Wenn man mit der Natur arbeitet, muss man solche Schläge hinnehmen.“

Müssen Weihnachtsbaumkäufer jetzt mehr für ihren Tannenbaum ausgeben ? „Leider ist das nicht so, weil es zurzeit überregional ein Überangebot an Bäumen gibt“, sagt Strübbe. Die Kulturen, die jetzt hinüber sind, wirkten sich erst in einigen Jahren aus.

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