„Fridays for Future“ sorgt für Öffentlichkeit
Klimaschutz nur etwas für Städter ?

Lotte -

Ulla Tschauder und Bianca Feist, Jugendpflegerinnen im Alt-Lotter Jugendtreff Bansen, bieten nicht nur beim Ferienspaß ein breites Themenspektrum an – auch zur Umweltbildung. „Dazu gehörte für uns die Fahrt zum Bioenergiepark in Saerbeck“, erklärte Ulla Tschauder. Doch die Resonanz war bescheiden.

Mittwoch, 21.08.2019, 16:58 Uhr aktualisiert: 22.08.2019, 16:50 Uhr
Als Zeichen für Offenheit und Toleranz weht vor Emma Wermeiers Zuhause die Regenbogenfahne, die auch die Umweltschützer von Green Peace hissen.
Als Zeichen für Offenheit und Toleranz weht vor Emma Wermeiers Zuhause die Regenbogenfahne, die auch die Umweltschützer von Green Peace hissen. Foto: Ursula Holtgrewe

Insbesondere das Thema Müll wollten sie dort vertiefen, ein Thema, das jeden etwas angeht, weil ihn jeder produziert. Ein wenig waren die beiden Sozialarbeiterinnen daher enttäuscht über das zögerliche Anmeldeverhalten, zumal sie aufgrund der von Jugendlichen initiierten Fridays-for-Future-Bewegung mit mehr Interesse gerechnet hatten.

Immerhin fanden sich dann doch neun Teilnehmer für die Fahrt am Montag am Bansen ein. „Für kleinere Gruppen ist es ideal, weil sich die Teilnehmer besser konzentrieren können“, äußerte sich versöhnt. „Die Referenten können viel besser auf die Fragen der Kinder eingehen“, stimmte Ulla Tschauder zu.

Zufrieden ist das Bansen-Team Ulla Tschauder (von links), Bianca Feist und FSJler Fabian Hemsing, dass die Fahrt zum Saerbecker Bioenergiepark dann doch zustande kam.

Zufrieden ist das Bansen-Team Ulla Tschauder (von links), Bianca Feist und FSJler Fabian Hemsing, dass die Fahrt zum Saerbecker Bioenergiepark dann doch zustande kam. Foto: Ursula Holtgrewe

Trotzdem stellt sich die Frage, ob die freitäglichen Demos und das Thema Klimaschutz eher ein städtisches Publikum ansprechen. Dass die Freitag-Demos nur etwas für junge Städter sind, stimmt für die Abiturientin und Umweltschützerin Emma Wermeier aus Alt-Lotte nicht. Sie ist seit sechs Jahren Vegetariern – aus Tierschutzgründen und wegen der negativen Auswirkungen auf die Umwelt bei der Fleischproduktion.

Der Einsatz umweltverträglicher Putz- und Waschmittel in recycelten Verpackungen ist in der Familie selbstverständlich. „Das Thema, mit dem ich mich zurzeit befasse, ist das Vermeiden von Plastikmüll im Alltag“, betont Emma Wermeier. Bestärkt worden sei sie vor allem durch die jüngsten erschreckenden Meldungen über Funde von Mikroplastik im Eis der Arktis.

Die Sinne der Kinder von Familie Wermeier für einen achtsamen Umgang mit der Umwelt wurden früh geschärft. Kein Wunder also, dass Emma Wermeier sich mit zwei Freundinnen nach Osnabrück aufmachte, um sich einer Fridays-for-Future-Demo anzuschließen.

„Ich war positiv überrascht, wie viele KvG-Schüler dabei waren“, erinnerte sich die ehemalige Schülervertreterin des Mettinger Kardinal-von-Galen-Gymnasiums (KvG). Die Schülervertretung hatte zuvor eine Schülerversammlung am KvG einberufen, um auf die Demos in Osnabrück aufmerksam zu machen.

„Unsere Schulleiterin Anja Telljohann hat auf die Konsequenzen hingewiesen, dass Fehlstunden auf den Zeugnissen vermerkt werden“, berichtete die Alt-Lotterin. Weiterhin sei die Schülerschaft aufmerksam gemacht worden, dass das Misstrauen wachsen könne, wenn trotz Krankmeldungen eine Regelmäßigkeit vermuten lasse, dass die Schüler wegen der Freitag-Demos fehlten.

Diskutiert wurde am KvG vielfach. „Die meisten Lehrer waren offen für das Thema. Manche aber haben nichts gesagt; vermutlich, weil sie nichts Falsches sagen wollten“, meint Emma Wermeier und ergänzt: „Lehrer dürfen nicht sagen, dass wir zur Demo gehen dürfen, weil das als Aufforderung zum Schuleschwänzen verstanden wird.“

Dass die Fridays-for-Future-Demos in größeren Städten organisiert werden, hat für Emma Wermeier einen nachvollziehbaren Grund: „In Osnabrück sind wesentlich mehr Passanten unterwegs, also gibt es viel mehr Aufmerksamkeit als beispielsweise in Ibbenbüren oder Mettingen.“

Was haben die eigenen Eltern gesagt? „Sie fanden es gut, weil sie wissen, dass ich nicht einfach schwänzen wollte, sondern weil mir das Thema sehr am Herzen liegt“, ist sich Emma sicher.

„Ich war nur einmal dabei, weil an den anderen Demotagen Abifächer betroffen waren. Das war mir dann doch wichtiger. Aber ich fand es gut zu sehen, dass sich auch Jüngere für Politik interessieren, denn ich halte die Es-bringt-doch-nichts-Haltung für falsch“, bezieht Emma deutlich Stellung.

Aus diesem Grund ist für sie Bildung eine wichtige Grundlage jedweden Engagements. „Wenn man was verändern will, dann muss man informiert sein. Sonst kann man nicht argumentieren.“ Daher halte sie es für sinnvoll, die Klimademos weiterzuführen – einmal im Monat. „Dann fehlen Schüler nicht so häufig in der Schule.“ Denn ob man den Unterrichtsstoff so intensiv nacharbeiten könne, wie er im Unterricht in den höheren Klassen vermittelt werde, halte sie für fraglich.

Des Weiteren finde sie es gut, dass es Greta Thunberg als Kind gelungen sei, eine so große, weltweite öffentliche Aufmerksamkeit für die Themen Umwelt- und Klimaschutz zu erreichen. „Was ich nicht so gut finde, ist, dass sie als Person so hervorgehoben wird. Aber in der Situation kommt man wohl nicht um das große Medieninteresse herum.“

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