Sozialhilfe
Jedes zehnte Kind in Westerkappeln lebt in Armut

Westerkappeln/Lotte -

Hier ein neues Handy, dort ein neues Game für die Spielkonsole. Und Markenklamotten müssen es sowieso sein. Die Wünsche von Kindern und Jugendlichen erscheinen nicht selten unerschöpflich. Doch so manche Familie kann da nicht Schritt halten. Viele müssen sehen, wie sie überhaupt über die Runden kommen. In Westerkappeln lebt mittlerweile fast jedes zehnte Kind in Armut.

Donnerstag, 22.08.2019, 19:00 Uhr
Viele Menschen müssen in Westerkappeln mit wenig Geld auskommen. Betroffen von Armut sind in der gemeinde besonders Kinder.
Viele Menschen müssen in Westerkappeln mit wenig Geld auskommen. Betroffen von Armut sind in der gemeinde besonders Kinder. Foto: dpa

Das geht aus Zahlen hervor, die die Bertelsmann-Stiftung auf dem SDG-Portal im Internet veröffentlicht hat. SDG steht für „Sustainable Development Goals“, zu Deutsch etwa „nachhaltige Entwicklungsziele“. Eines der Ziele: keine Armut. Das SDG-Portal zeigt, wie nah Westerkappeln diesem Ziel ist – oder auch nicht.

Bei Jugendlichen zwischen 15 und 17 Jahren wird die Armutsquote danach für das Jahr 2016 mit 4,3 Prozent ausgewiesen. Bei den unter 15-Jährigen ist der Wert mit 9,8 Prozent mehr als doppelt so hoch. 2017 gab es bei den Kindern sogar eine Armutsquote von 10,6 Prozent. Schwacher Trost: Im vergangenen Jahr ist die Kinderarmut in Westerkappeln wieder auf 9,2 Prozent gesunken.

Als arm gelten die Menschen laut Definition der Statistiker dann, wenn sie von Sozialleistungen nach SGB II (Arbeitslosengeld II) oder nach SGB XII (Sozialhilfe) leben. In Westerkappeln waren das im vergangenen Jahr nach den Daten des Landesamtes für Statistik (IT.NRW) insgesamt 665 Personen. Das ist der niedrigste Stand seit 2011. Vor allem im Jahr 2015 stieg der Kreis der Empfänger exorbitant, was vor allem mit der Flüchtlingskrise zusammenhängt, die zunächst finanzielle Unterstützung nach dem Asylbewerberleistungsgesetz bekamen. Vor vier Jahren waren das 257 Menschen, 2018 nur noch 68.

Arbeitslosengeld II (Hartz IV) wurde 450 Personen gezahlt, Hilfe zum Lebensunterhalt erhielten 15 Westerkappelner. Dazu kommen 132 Empfänger von Grundsicherung im Alter oder bei Erwerbsminderung. „Nur“ 2,4 Prozent der Senioren in Westerkappeln sind von Altersarmut betroffen.

Die soziale Lage von Kindern unterscheidet sich von Kommune zu Kommune. In Mettingen beispielsweise betrug die Armutsquote bei den unter 15-Jährigen vergangenes Jahr 6,1 Prozent, in Lotte waren 12,9 Prozent.

Sozialhilfe und Hartz IV in der Region

Mit Ausnahme von Recke ist die Zahl der Empfänger sogenannter „Mindestsicherungsleistungen“ – also Sozialhilfe, Hartz IV oder Leistungen für Asylbewerber – in der Region um Ibbenbüren im vergangenen Jahr zurückgegangen. Während die Zahl in den übrigen Kommunen um 2,5 bis 17,9 Prozent schrumpfte, stieg sie in Recke um 1,5 Prozent an. Das zeigen Zahlen des Statistischen Landesamtes (Information und Technik NRW).In Ibbenbüren gab es insgesamt 3303 Empfänger dieser Leistungen, 2342 davon waren Arbeitslosengeld-II-Empfänger (Hartz IV), 179 bekamen Regelleistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz. Insgesamt waren es 244 Menschen weniger als im Vorjahr, die auf die Hilfen angewiesen waren. Deutlich höher liegt in dem städtischen Umfeld die Quote der betroffenen Kinder unter 18 Jahren: Jedes zehnte ist in Ibbenbüren von staatlichen Leistungen abhängig, in den Umlandgemeinden ist diese Quote geringer. Sie liegt zwischen 5,1 (Tecklenburg) und 12,9 Prozent (Lotte) aller Kinder.In Tecklenburg betrug die Zahl aller Empfänger 385, darunter 222 mit Hartz IV und 66 Asylbewerber. Die Gesamtzahl sank deutlich um 84 Personen.In Mettingen gab es insgesamt 474 Empfänger von Mindestsicherungsleistungen, darunter 301 mit ALG II und 60 Asylbewerber. 2017 waren es insgesamt zwölf Personen mehr.In Recke betrug die Zahl der Leistungsempfänger 617, darunter 417 mit ALG II und 84 Asylbewerber. Es sind insgesamt neun Personen mehr als im Vorjahr.In Lotte wurden 1044 Personen Unterstützung gewährt, davon 806 ALG II und 152 Grundsicherung im Alter. gegenüber 2017 ging die Zahl der Empfänger um 10,2 Prozent zurück.

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Finanziell auf Rosen gebetten scheinen die wenigsten Westerkappelner zu sein. 43,7 Prozent (Stand 2017) der Haushalte müssen mit einem niedrigen Netto-Einkommen auskommen. Ihnen stehen im Jahr weniger als 25 000 Euro zur Verfügung. Der Anteil der Haushalte mit mittlerem Einkommen (25 000 bis 50 000 Euro) lag zuletzt bei knapp 37 Prozent. Nur 21,7 Prozent der Haushalte verfügen netto über mehr als 50 000 Euro im Jahr. Die Anteile sind seit Jahren relativ konstant.

Das durchschnittliche Brutto-Einkommen der lohn- und einkommensteuerpflichtigen Bürger betrug im Jahr 2015 – neuere Zahlen liegen nicht vor – 35 380 Euro. Damit gehört Westerkappeln statistisch zu den Schlusslichtern der 396 Städte und Gemeinden in Nordrhein-Westfalen. In diesem Ranking belegt die Kommune Platz 330. Lotte steht noch schlechter da (Platz 356). Nur Tecklenburg (Platz 38) belegt im Altkreis einen der vorderen Plätze. Das durchschnittliche Einkommen beträgt dort 44 450 Euro.

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