Glasfaserausbau in den Bauerschaften wird Jahre dauern
Erstmal Warten auf Berlin

Westerkappeln/Lotte -

Auf einer Länge von rund 270 Kilometern sollen in den Westerkappelner und in den Lotter Bauerschaften Glasfaserkabel verlegt werden. Bis zur Fertigstellung kann es noch Jahre dauern. Erst einmal heißt es aber Warten auf Berlin.

Dienstag, 27.08.2019, 18:30 Uhr aktualisiert: 28.08.2019, 11:02 Uhr
Im Außenbereich können die Glasfaserleitungen vielerorts mit einem Kabelpflugverfahren unter die Erde gebracht werden. Damit lassen sich schneller Meter machen.
Im Außenbereich können die Glasfaserleitungen vielerorts mit einem Kabelpflugverfahren unter die Erde gebracht werden. Damit lassen sich schneller Meter machen. Foto: di

Vom Tecklenburger Land bis irgendwo ins algerische Hinterland sind es etwa 2650 Kilometer Luftlinie. Das entspricht ungefähr der Strecke, auf der im Kreis Steinfurt demnächst Glasfaserkabel in den Außenbereichen verlegt werden sollen. Gut ein Zehntel davon entfallen auf das Gebiet der Gemeinden Westerkappeln und Lotte, wie Ingmar Ebhardt , Breitbandexperte bei der Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft Steinfurt (WESt), ausgerechnet hat. Bis die Leitungen bis zur letzten Milchkanne verlegt sind, kann es allerdings noch Jahre dauern.

Ebhardt, Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer und ihr Lotter Kollege Rainer Lammers haben in einem Pressegespräch Stellung zum Stand der Dinge genommen.

„Jeder hat geglaubt, es geht sofort los“, sagt Große-Heitmeyer. „Das habe ich auch geglaubt. Mittlerweile sind wir schlauer.“ Die Gemeinden Westerkappeln und Lotte haben ihre Hausaufgaben nach eigenem Bekunden jedenfalls gemacht. „Die Förderanträge liegen in Berlin“, erklärt die Bürgermeisterin. Dort werden sie von der atene KOM GmbH in Berlin – die Bundesfördermittelstelle – geprüft. Wann von dort grünes Licht zu erwarten, ist unwägbar. Ebhardt will dazu nach eigenen Worten „explizit keine Garantie abgeben“. Wenn die Anträge „einigermaßen durchlaufen“, könne es vielleicht in drei Monaten so weit sein.

„Das Förderverfahren ist schon sehr kompliziert“, gibt Joanna Watermeyer, Wirtschaftsförderin in Lotte, zu bedenken. Den ersten Antrag habe die Gemeinde vor zweieinhalb Jahren gestellt. Seitdem musste immer wieder nachjustiert werden. Nachdem die Deutsche Glasfaser ( DG ) im Frühjahr bereits den Zuschlag erhalten hatte, mussten beispielsweise für Westerkappeln und Lotte infolge fehlerhafter Daten weitere Haushalte in den Außenbereichen ermittelt werden, bei denen das Internet langsamer als mit 30 Megabits pro Sekunde (Mbit/s) läuft. Nach den Förderrichtlinien sind sie unterversorgt. Deshalb musste die Ausschreibung neu erfolgen. Den Zuschlag hat wieder die DG bekommen.

Laut Förderantrag wurden für Westerkappeln zuletzt 823 Adressen ermittelt, die als unterversorgt gelten. Dahinter stecken 944 Haushalte, 35 Gewerbebetriebe und die Schulen. Auch die Volkshochschule an der Kreuzstraße solle einen Glasfaseranschluss bekommen, versichert Große Heitmeyer.

In Lotte ist das für 519 Haushalte und sechs Firmen möglich. Auch die Autobahnpolizei soll von dem Förderprogramm profitieren. Insgesamt wurden in der Nachbargemeinde 439 unterversorgte Adressen ermittelt.

In Westerkappeln handelt es sich wohl um das größte öffentliche Investitionsprojekt aller Zeiten. Knapp zehn Millionen Euro sollen bereitgestellt werden, wovon der Bund die Hälfte trägt und das Land NRW 40 Prozent. Knapp eine Million Euro muss die Gemeinde dazuschustern. „Man sieht an den Daten, dass wir eine Flächengemeinde sind“, meint Große-Heitmeyer.

Lotte hat zwar mehr Einwohner, aber nicht einmal die Hälfte der Fläche, wodurch sich erklärt, warum deutlich weniger Haushalte von dem Förderprogramm profitieren. Unter dem Strich wird aber auch dort mit knapp 4,9 Millionen Euro eine riesige Summe investiert. Die Kommune ist ebenfalls mit zehn Prozent im Boot.

Da die Haushalte und Betriebe, die angeschlossen werden, keinen Cent dazu bezahlen müssen, darf man auch von einem gigantischen Subventionsprogramm sprechen. Jeder Nutznießer in Westerkappeln erhält faktisch im Durchschnitt 10 190 Euro vom Steuerzahler geschenkt, in Lotte sind es mit 9275 Euro unwesentlich weniger. Nicht nur Rainer Lammers hält dies angesichts der Unterversorgung des ländlichen Raumes aber für gerechtfertigt.

Dass das Ausschreibungspaket noch einmal aufgeschnürt werden muss, will Ingmar Ebhardt indes nicht ausschließen. Just seien die Förderrichtlinien noch einmal aktualisiert worden. So werde bei Unternehmen die 30-Mbit/s-Grenze für Unternehmen nicht mehr pro Betrieb gesetzt, sondern pro Rechnerarbeitsplatz. Das könne dazu führen, dass insbesondere im Velper Industriegebiet weitere Firmen einen Glasfaseranschluss bekommen könnten. Mit der Bundesförderanstalt werde derzeit geklärt, ob dafür eine neue – vielleicht vereinfachte Ausschreibung – erforderlich werde. „Das Bestandsprojekt hat damit aber nichts zu tun“, versichert der Breitbandexperte.

Lammers wähnt Lotte und die Nachbargemeinde Westerkappeln „auf gutem Wege“. Beide Kommunen brauchen dafür allerdings noch einen langem Atem. Die DG hat hüben wie drüben vier Jahre Zeit für den Ausbau des Breitbandnetzes. „Ich hoffe, dass das deutlich schneller geht. Ich halte das auch für realistisch“, sagt Ebhardt.

Große-Heitmeyer legt dabei Wert auf Gründlichkeit. Beim Ausbau in den Westerkappelner Siedlungen hatte es wiederholt Kritik an der Arbeit der Deutschen Glasfaser gegeben. Insgesamt waren nach Feststellung der Verwaltung seinerzeit 50 unterschiedliche Mängel festgestellt worden, angefangen von angebohrten Gasleitungen über beschädigte Stromkabel bis hin zu gebrochenen und falsch verlegten Pflastersteinen. Ebhardt ist überzeugt, dass die DG gute Arbeit abliefern wird. Das Unternehmen habe das Gelände bereits genau sondiert. So sei mit einem Tiefenradar untersucht worden, wo Leitungen in der Erde liegen, damit diese nicht beschädigt werden.

In Westerkappeln sind Tiefbauarbeiten auf einer Länge von rund 195 Kilometer erforderlich, in Lotte ist die Ausbaustrecke gut 75 Kilometer lang. Ein Großteil der Leitungen werde die DG im sogenannten Kabelpflugverfahren in die Erde bringen. Anders als in den Siedlungen, wo die Kabel oft nur 30 Zentimeter unter dem Pflaster liegen, betrage die Verlegetiefe in den Bauerschaften ungefähr 80 Zentimeter, erläutert Ebhardt.

Seine Hoffnung ist, „dass wenn wir das in den Außenbereichen hinkriegen, vielleicht auch für die unversorgten Innenbereiche ein neuer Anlauf gewagt wird.“ Im zentralen Westerkappelner Ortskern beispielsweise gibt es nach wie vor nur Kupferleitungen und die Kabel vom Unitymedia, die vor allem deutlich geringere Upload-Geschwindigkeiten haben.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6880519?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F177%2F
22-Jähriger lebensgefährlich verletzt
Unfall nach Flucht vor der Polizei: 22-Jähriger lebensgefährlich verletzt
Nachrichten-Ticker