Waldbrandgefahr im Naturschutzgebiet Wersener Heide steigt
Alle Tümpel ausgetrocknet

Lotte/Westerkappeln -

Im Wersener Holz hat die Dürre sichtbare Folgen: Die letzten Pfützen im Hiedwweiher Deipe Briäke Tiefes Reck sind verschwunden, auch das Regenrückhaltebecken Ossenmoor in Halen ist bis auf einen kleinen Rest am Einlass ausgetrocknet. Was passiert, wenn hier ein Waldbrand ausbricht ? Kann die Feuerwehr die Löschwasserversorgung sicherstellen ?

Freitag, 30.08.2019, 17:08 Uhr
Knochentrocken: Die Naturerbefläche Wersener Heide mit dem ehemaligen Truppenübungsplatz im Grenzgebiet Halen-Westerkappeln-Achmer am 27. August 2019.
Knochentrocken: Die Naturerbefläche Wersener Heide mit dem ehemaligen Truppenübungsplatz im Grenzgebiet Halen-Westerkappeln-Achmer am 27. August 2019. Foto: Gert Westdörp

Schon in der vergangenen Woche hatte die DBU – wie berichtet – als Tochter der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) vor der erhöhten Waldbrandgefahr auf den Naturerbeflächen und damit auch der Wersener Heide gewarnt. Da große Teile des rund 1000 Hektar großen Gebietes früher Truppenübungsplatz waren, sind diese Bereiche Sperrgebiet und dürfen nicht betreten werden. Die Lage ist hochexplosiv, weil Munitionsreste im Boden liegen – wobei keiner genau weiß, wo.

Die Deipe Briäke, im Volksmund Tiefes Reck genannt, ist völlig ausgetrocknet. Der frühere Flachsteich und später als Heimat zahlreicher geschützter Tier- und Pflanzenarten wie Waldkauz, Habicht, Mäusebussard, Moorfrosch, Kanadagans, diverse Heuschrecken und Libellen sowie Sonnentau, Erika oder Seerose unter Naturschutz gestellte Heideweiher stehe als wertvolles Biotop ohnehin nicht für die Entnahme von Löschwasser zur Verfügung und befinde sich im Eigentum des Kreises Steinfurt, erklärt Bundesförster Rainer Schmidt auf Nachfrage. Aber auch die eigens angelegten Löschteiche seien aufgrund der Dürre derzeit nicht nutzbar.

Grünen-Ratsherr Diedrich Hesse hatte deshalb schon in der letzten Ratssitzung vor den Sommerferien bei der Gemeindeverwaltung Lotte angefragt, wie diese sich auf den Fall eines Waldbrandes, der dann ja vor allem für den Ortsteil Halen bedrohlich werden könne, vorbereite. „Wir sind dran“, war die wenig aufschlussreiche Antwort von Bürgermeister Rainer Lammers .

Der Verwaltungschef möchte bei diesem Thema „den Ball lieber flachhalten“ und verweist auf das Brandschutzkonzept, das zurzeit vom Bundesförster, den Gemeinden Lotte und Westerkappeln und von der Feuerwehr gemeinsam erarbeitet wird. „Aber konkret kann ich dazu noch nichts sagen“, so Lammers. Evakuierungspläne für den Katastrophenfall habe die Gemeinde Lotte aber weder für Halen noch für die anderen Ortsteile in der Schublade, „weil bisher kein Bedarf da war“, wie er sagt.

Nach Auskunft des Bundesförsters gab es bisher zwei Arbeitsbesprechungen mit den Bürgermeistern der Gemeinden Lotte und Westerkappeln sowie dem Lotter Feuerwehrchef Marcus Prinz zum Waldbrandschutzkonzept für die Wersener Heide. „Das war aber nur ein Vorgespräch“, sagt der Leiter der Freiwilligen Feuerwehr Lotte. Und Rainer Schmidt erklärt, dass das Waldbrandschutzkonzept nur gemeinsam mit der Stadt Bramsche und dem Kreis Steinfurt erarbeitet werden könne: „Da haben wir noch ein kleines Brett zu bohren!“

Weitere Gespräche dazu sollen laut Bundesförster noch in diesem Jahr laufen. Eine konkrete Maßnahme kann er immerhin schon nennen: „Wir müssen die Löschteiche vertiefen.“ Auf mindestens 1,50 Meter müssten diese ausgebaggert werden. Derzeit wäre im Falle eines Falles die Löschwasserversorgung in der Tat ein Problem: Das Wasser müsste mit langen Schlauchleitungen aus dem Niedringhaussee, dem Hydranten am Hasenkamp oder im Pendelverkehr mit Tankwagen aus dem Mittellandkanal herbeigeschafft werden.

Im öffentlichen Teil der Sitzung des Lotter Gemeinderates am Donnerstag sagte Bürgermeister Lammers auf erneute Nachfrage von Diedrich Hesse, das Brandschutzkonzept sei erst für nächstes Jahr geplant, weil ein Termin für ein gemeinsames Gespräch aller Beteiligten nicht mehr hinzubekommen sei. Er stehe aber in ständigem Kontakt mit dem Förster. Als erste Maßnahme, so Lammers, sollen die Wege zu Brandschutzschneisen verbreitert werden.

„Normalerweise kann es da nicht brennen. Wenn es brennt, ist es gelegtes Feuer“, betonte der Bürgermeister in der jüngsten Ratssitzung, räumte aber ein, dass auch menschliches Fehlverhalten wie das Wegwerfen von Glasscherben oder einer vermeintlich ausgedrückten Zigarettenkippe brenzlige Folge haben könnte.

Schon deshalb ist es wichtig, dass die Menschen so vernünftig sind, die auf den Schildern ausgewiesenen Sperrgebietsverordnungen zu befolgen. Insbesondere auf dem zur Stadt Bramsche gehörenden niedersächsischen Teil des Areals in Achmer, aber auch den mit entsprechenden Warnschildern versehenen Bereichen in Halen und Seeste, gilt anders als in „normalen“ Waldgebieten absolutes Betretungsverbot. „Da sollen keine Leute laufen“, unterstreicht Rainer Schmidt, dass damit sowohl die Lebensgefahr für Spaziergänger als auch die Gefahr für Explosionen und Waldbrände gebannt werden soll.

Aber auch dort, wo das Betreten erlaubt ist, muss umsichtiges Verhalten oberstes Gebot sein. Und das bedeutet nicht nur, auf den Wegen zu bleiben, sondern auch, keine Fahrzeuge mit heißem Auspuff oder Katalysator auf trockenem Gras abzustellen und das in allen Wäldern geltende strenge Rauchverbot einzuhalten. Offenes Feuer ist natürlich erst recht tabu.

In der Vergangenheit, so berichtet der Bundesförster, habe es durch wildes Campen und Lagern am „Sundermannsee“, wie der Niedringhaussee im Volksmund heißt, öfter mal kleinere Brände gegeben. „Wir hatten das Glück, dass die bislang immer im Keim erstickt werden konnten“, sagt er. Sollte es zu einem richtig großen Waldbrand kommen, müsste man über eine Evakuierung von Halen nachdenken: „Wenn es da brennt, haben wir verloren!“

Gebiete wie die Wersener Heide mit ihren Pfeifengraswiesen, Sandtrockenrasen, jetzt weitgehend trockenen Torfmoorschlenken und Sekundärwäldern mit hohem Kiefernanteil sind bei der anhaltenden Trockenheit besonders anfällig für Feuer. Deshalb, erklärt Lottes Grünen-Fraktionschef Dieter Hörnschemeyer auf Nachfrage, habe Diedrich Hesse die Anfrage gestellt. Es gehe nicht darum, unangebrachte Panik zu schüren oder jemanden zu kritisieren, sondern um den Anstoß, das Thema angesichts der klimatischen Veränderungen ernster als bisher zu nehmen und geeignete Vorsorge zu treffen.

„Wir sind uns des Problems bewusst“, versichert Bundesförster Rainer Schmidt. In den Randbereichen, kündigt er an, werde in den nächsten Wochen vorsorglich das zwar ökologisch wertvolle, nach der langen Dürre aber brandgefährliche Totholz entfernt. Und auch er sprach davon, Brandschutzschneisen anzulegen.

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