Lotter Einzelhandel punktet mit Mehrwegverpackungen
Plastik wird zum Auslaufmodell

Lotte -

Jeder kleine Schritt den persönlichen Gebrauch von Kunststoffen zu vermeiden, ist in Summe ein deutlicher Beitrag zum Umweltschutz. Ein Umdenken bei der Vermeidung von Plastikmüll wird auch in der Lotter Bevölkerung zunehmend sichtbar. Das unterstützt der lokale Einzelhandel mit Hygienetabletts an Fleisch- und Käsetheke. Die Kunden nehmen das immer mehr an.

Montag, 09.09.2019, 17:13 Uhr aktualisiert: 10.09.2019, 17:20 Uhr
Edeka-Markt-Betreiberin Martina Cord (links) lässt sich von Mitarbeiterin jana Schulte-Austum den Aufschnitt ohne Folien in einer Box auf dem Hygienetablett über den Tresen reichen.
Edeka-Markt-Betreiberin Martina Cord (links) lässt sich von Mitarbeiterin jana Schulte-Austum den Aufschnitt ohne Folien in einer Box auf dem Hygienetablett über den Tresen reichen. Foto: Ursula Holtgrewe

Berichte über riesige Ansammlungen aus Kunststoffen, unter anderem Folien aller Art, in den Weltmeeren und Mikroplastik im Eis der Arktis sowie in Fischen, mit denen Kunden quasi ihren eigenen Müll essen, haben das Problembewusstsein der Bevölkerung gestärkt.

Mit Alternativen zu Kunststoffen wirbt auch der Einzelhandel verstärkt und punktet bei einer wachsenden Zahl der Kunden. „Für meinen Markt war ich sofort damit am Start, anzubieten, dass jeder mit mitgebrachten Behältern Aufschnitt und Käse kaufen kann“, berichtet Chefin Martina Cord aus ihrem Edeka-Markt in Alt-Lotte und ergänzt: „Unsere Kunden gehen mit dem Thema sehr sensibel um und kommen vermehrt mit eigenen Transportdosen.“

Solche Behälter stellen die Kunden auf ein Hygienetablett, das die Verkäuferin entgegennimmt. Die Dosen werden mit den Waren bestückt und zurückgereicht. An diesem Verfahren beteiligt sich im Alt-Lotter Edeka-Markt eine wachsende Schar umweltbewusster Kunden.

Das Mehrwegsystem ist zudem in der Edeka-Obst- und Gemüseabteilung eine Alternative, wo es waschbare Netze für die Waren gibt. „Diese Netze kommen sehr gut an und sind daher ab und an vergriffen. Weil man darin die Waren sehen kann, sind sie ideal für die Verbraucher und für uns an der Kasse“, erklärt Martina Cord. Zudem merke sie an der Belieferung, dass auch die Edeka Minden-Hannover bestrebt sei, auf Kunststoffe zu verzichten: „Für Vieles wird inzwischen Pappe und Papier verwendet. Ich biete nahezu komplett lose Ware an.“

Das, was bei der Kunststoffvermeidung möglich ist, versuche sie am alten Standort umzusetzen. Noch in diesem Jahr erfolge der Umzug in den neuen Markt nebenan, den sie mit Tom Kutsche betreibe. Da werde das Konzept Vermeidung von Plastikmüll noch umfangreicher umgesetzt. „Tom Kutsche testet derzeit in einer seiner Osnabrücker Filialen den Einsatz von Folienbeuteln aus kompostierbarem Material. Denkbar ist, dass wir die ab dem Herbst im neuen Markt anbieten“, blickt Martina Cord in die nahe Zukunft.

Im Wersener Markant-Markt kann der Kunde zwischen Papiertüte und Kunststoffbeutel wählen.

Im Wersener Markant-Markt kann der Kunde zwischen Papiertüte und Kunststoffbeutel wählen. Foto: Ursula Holtgrewe

Sie hat sich zudem längst von den Einweg-Kaffeebechern im Backshop verabschiedet. Solche sind in den Filialen der Bäckerei Wellmann neben Bechern aus Porzellan nach wie vor erhältlich. Vor einigen Wochen sorgte ein damit überquellender Müllbehälter an der Wersener Bushaltestelle vorm Rathausplatz für Kritik in einer Lotter Facebook-Gruppe.

„Wir bieten beides an, Einweg-Thermobecher und Coffee-to-Go-Becher aus Porzellan. Letztere haben wir mit als Erste auf den Markt gebracht. Der Kunde kann sie kaufen und erhält die erste Füllung gratis“, erklärt Johannes Külkens, Geschäftsführer der Bäckerei Wellmann. Wer ein eigenes Trinkgefäß mitbringe, erhalte sein Wunschgetränk dort gleichfalls hineingefüllt – ein geschätzter Service bei Handwerkern.

„Letztendlich entscheidet der Kunde, wie er sein Getränk bekommen möchte. Wir können die Kunden nicht erziehen“, betont Johannes Külkens. Der Verkauf in den Bäckereifilialen sei mittlerweile weitgehend plastikfrei. „Wir haben nur noch Stoff- und Papiertaschen, für die wir eine geringe Gebühr erheben“, beschreibt Külkens einen weiteren Beitrag zur Vermeidung von Kunststoffmüll durch Verzicht auf Kunststofftüten.

Wie im Alt-Lotter Edeka-Markt sind auch in der Bürener Fleischerei Loske Hygienetabletts gleichfalls im Einsatz. „Unsere Mitarbeiter kommen mit den Behältern nicht in Berührung, sondern ausschließlich mit der Ware, sodass die Hygienevorschriften eingehalten werden“, betont Fleischermeister Stefan Loske.

Er habe festgestellt, dass die Zahl der umweltbewussten Kunden wachse: „Immer mehr bringen eigene Tragetaschen mit und verzichten auf unsere aus Plastikfolie.“ Bei der Müllvermeidung sei sowieso jeder einzelne gefragt, hebt Stefan Loske heraus.

Weiterhin erklärt er: „Wir müssen sicherstellen, dass unsere Ware beim Kunden heil ankommt.“ Der Kunde müsse es auch wollen, dass der Kunststoffverbrauch vermieden werde, sagt das Vorstandsmitglied der Fleischerinnung Steinfurt-Warendorf. Einschlagpapier und Tüten zählten zu Serviceverpackungen. „Wir zahlen bereits beim Händler für deren Entsorgung“, erklärt Loske und ergänzt: „Auch wir möchten Müll vermeiden. Wir haben Kinder und vielleicht irgendwann auch Enkel. Für sie müssen wir die Umwelt erhalten.“

Die Wersener Markant-Filiale ist gleichfalls in der Umstellungsphase für plastikfreien Einkauf. Aktuell gibt es zwar noch keinen Einsatz von Hygienetabletts. „Aber die Folienbeutel in der Fleischabteilung bestehen aus nachwachsenden Rohstoffen und sind abbaubar“, erklärt Markant-Markt-Chef Wilfried Buermann. Gleiches gelte für die Kunststoffbeutel in der Obst- und Gemüseabteilung, die nicht auf Basis fossiler Rohstoffe produziert worden seien.

„Für den Einkauf von Obst und Gemüse können die Kunden nun zwischen Papier und den Folientüten wählen“, beschreibt Buermann die umweltfreundliche Alternative. Und an der Kasse bestehe längst für die Kunden die Wahl, ob sie ihre Einkäufe in Papiertaschen oder Leinenbeuteln nach Hause tragen möchten.

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