Reaktionen hiesiger Geldinstitute auf Entscheidung der Europäischen Zentralbank
Negativzinsen sind überall ein Thema

Westerkappeln/Lotte/Tecklenburger Land -

Die jüngst gefällte Entscheidung der Europäischen Zentralbank, die Zinsen um 0,1 Punkte auf minus 0,5 Prozent zu senken, sorgt derzeit für rauchende Köpfe auch in den hiesigen Geldinstituten.

Dienstag, 08.10.2019, 16:12 Uhr aktualisiert: 09.10.2019, 15:42 Uhr
 Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank – hier die Zentrale in Frankfurt – bereitet auch hiesigen Geldinstituten Kopfzerbrechen.
 Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank – hier die Zentrale in Frankfurt – bereitet auch hiesigen Geldinstituten Kopfzerbrechen. Foto: dpa

Sowohl die Volksbank Westerkappeln-Wersen und die Volksbank Saerbeck als auch die Kreissparkasse Steinfurt und die VR-Bank Kreis Steinfurt bestätigen auf Nachfrage, dass derzeit darüber nachgedacht wird, wie mit der neuen Situation verfahren werden soll.

Im Kern geht es dabei um die Frage, ob und wie die Negativzinsen an die Kunden weitergereicht werden. „Wir machen uns laufend Gedanken, wie sich die Entscheidungen der Europäischen Zentralbank auf unsere Geschäftsbereiche auswirken und welche Anpassungen wir im Kundengeschäft vornehmen sollten“, sagt Ingo Schäfer , Interimsvorstand der sich noch im Fusionsprozess befindlichen neuen Volksbank Westerkappeln-Saerbeck. Aktuell sei in beiden Banken noch kein Beschluss gefasst worden, wonach Negativzinsen eingeführt werden sollen. „Für die Zukunft kann das aber nicht ausgeschlossen werden“, erklärt Schäfer.

„Wir müssen uns mit der Situation auseinandersetzen“, erklärt auch Marcus Börgel, Bereichsdirektor Vertriebsmanagement der VR-Bank. Gleichlautend ist die Antwort aus der Kreissparkasse Steinfurt: „Wir machen uns Gedanken zu dieser Thematik“, so Vorstandsvorsitzender Rainer Langkamp .

Bei diesen Debatten geht es laut Sparkasse um die Sichteinlagen – die im Gegensatz zu Spareinlagen oder befristeten Einlagen täglich verfügbar sind. Im Firmenkundenbereich gibt es Negativzinsen schon heute. Laut Langkamp hat die Sparkasse mit Kunden individuelle Schwellenwerte vereinbart, ab denen Negativzinsen fällig werden. Grundsätzlich gebe es eine Grenze von zwei Millionen Euro.

Auch die VR-Bank hat eine solche Grenze, sie liegt bei einer Million Euro. Immer geht es dabei um Einlagen, die aufgrund ihrer kurzfristigen Abrufbarkeit von den Banken für das längerfristige Kreditgeschäft nicht zu nutzen sind.

Langkamp rechnet damit, dass es eher zu Anpassungen im Firmenkundengeschäft kommen werde. Man werde sich „strecken, um Kleinsparer von der Situation möglichst weiter zu verschonen“.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) geht überdies davon aus, dass bereits jetzt Negativzinsen bei bestehenden Verträgen rechtswidrig sind. Banken und Sparkassen könnten dagegen Gebühren für Girokonten erhöhen, was sie bereits vielfach tun, teilte der VZBV anlässlich des Vorstoßes von Finanzminister Olaf Scholz mit, der ein Verbot von Strafzinsen für Kleinsparer prüfte.

Die Volksbanken in Westerkappeln und Saerbeck seien zurzeit darauf fokussiert, die Fusionsarbeiten erfolgreich abzuschließen. Nach der Verschmelzung sollten die Kontomodelle beider Banken zusammengeführt werden, erklärt Schäfer. „In diesem Zusammenhang werden wir uns auch über die jeweiligen Preise und Gebühren Gedanken machen und diese den Marktgegebenheiten anpassen.“

Letztlich ist die Diskussion um die direkte Weitergabe des negativen Zinsniveaus an die Verbraucher aber auch in Teilen akademisch: Schon heute geht den Sparern tatsächlich Kapital verloren, wenn es keine oder nur mickrige Zinsen auf die Einlage gibt. Denn in NRW lag die Inflationsrate im Juli bei 1,7 Prozent. Langkamp hatte kürzlich im Interview mit unserem Medienhaus vorgerechnet, dass die Sparkasse den Negativzins der Privatkunden mit jährlich 14 Millionen Euro abpuffere, diese Kunden zudem auf rund 60 Millionen Euro jährlichen Ertrag verzichten würden, wenn sie ihr Geld nur auf Spar- oder Tagesgeldkonten liegen lassen, statt breiter gestreute Anlagen zu wählen.

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