Vortrag zum Thema Klimagerechtigkeit beim Lotter Männerkreis
„Erderwärmung hat sintflutartige Auswirkungen“

Lotte -

Als sich die Vereinten Nationen die Klimaaktionspläne der einzelnen Länder vorlegen ließen, berechneten Wissenschaftler, dass trotz der eingeleiteten Maßnahmen die Erderwärmung um vier Grad steigen könnten. Das hätte in der Tat sintflutartige Auswirkungen, wie Katja Breyer vom kirchlichen Entwicklungsdienst beim Talk am Dienstag des Männerkreis der evangelischen Kirche in Lotte mahnte.

Mittwoch, 09.10.2019, 20:00 Uhr aktualisiert: 10.10.2019, 17:28 Uhr
Näher, als man denkt: Vom Anstieg des Meeresspiegels bedroht sind auch die Warften auf der im Wattenmeer liegenden Hallig Nordstrandischmoor.
Näher, als man denkt: Vom Anstieg des Meeresspiegels bedroht sind auch die Warften auf der im Wattenmeer liegenden Hallig Nordstrandischmoor. Foto: Carsten Rehder/dpa

Dass die derzeitige Erderwärmung von 1,1 Grad seit Beginn der Industrialisierung 1870 negative Auswirkungen für die Umwelt hat, ist mittlerweile bei den meisten Menschen angekommen. Diesen Messwert aber zweifelte Katja Breyer vom kirchlichen Entwicklungsdienst an. Sie war die Referentin zum Thema Klimagerechtigkeit beim Talk am Dienstag des Männerkreis der evangelischen Kirche in Lotte.

„Dass sich die Erde bereits wesentlich mehr erwärmt hat, ist wahrscheinlich, weil die Messungen auf den riesigen Flächen Chinas und Indiens durch die dort sehr hohen Smogentwicklungen falsche Werte ergeben“, sagte die Diplom-Forstingenieurin. Deshalb bezweifele sie auch, dass die Ziele des Pariser Klimaabkommens von 2015, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, erreicht werden können.

Grund für die Erderwärmung ist der sogenannte Treibhauseffekt, den vor allem der Ausstoß von Kohlendioxid (CO) und Methan, aber auch die Abholzung großer Waldgebiete verursacht. In Paris hatten sich fast alle Staaten der Erde verpflichtet, „so schnell wie möglich“ Maßnahmen zu ergreifen, die eine Erderwärmung um mehr als 1,5 Grad verhindern.

Als sich danach die Vereinten Nationen die Klimaaktionspläne der einzelnen Länder vorlegen ließen, berechneten Wissenschaftler, dass trotz der eingeleiteten Maßnahmen die Erderwärmung um vier Grad steigen könnten. Das hätte in der Tat sintflutartige Auswirkungen, denn bereits bei einer mäßigen Erderwärmung von 1,5 Grad steigt laut Breyer der Meeresspiegel um 40 Zentimeter. Noch höhere Werte gelten derzeit als nicht mehr beherrschbar.

„Einige Länder bereiten sich bereits auf größere Umsiedlungen vor“, berichtete die Referentin. Das gilt vor allem für die Indonesische Hauptstadt Jakarta, von deren Gesamtfläche bereits 40 Prozent unter dem Meeresspiegel liegen. Dort werden derzeit größere Umlagerungen vorgenommen. Ebenso arbeitet China immer stärker in Fragen des Küstenschutzes mit den erfahrenen Niederländern zusammen, und im pazifischen Raum verhandeln ganze Inselgruppen mit Australien über eventuelle Umsiedlungen. „Es gilt also dringend, die Klimaaktionspläne nachzubessern“, fordert die Referentin des kirchlichen Entwicklungsdienstes.

„Was macht die Bundesregierung zum Thema Klimaschutz“, war die Frage, die vielen der Anwesenden unter den Nägeln brannte. „Vermutlich werden sie ihr vorrangiges Ziel, nämlich die CO-Emissionen bis 2020 um 40 Prozent zu senken, verfehlen,“ lautete die ernüchternde Antwort Breyers. Derzeit nehme man an, dass 32 Prozent zu schaffen seien.

„Von weiteren Zielen, die bis 2050 die Werte um 95 Prozent senken sollten, hat sich die Bundesregierung bereits verabschiedet“, kritisierte sie im Weiteren. „Das ist eine Katastrophe“, sagte Pastor Detlef Salomo in der Runde. „Diese Werte müssen wir einfach erreichen, wenn wir nicht wie bisher auf Kosten anderer Länder leben wollen“, so der Pfarrer.

Katja Breyer kritisierte vor allem die unsägliche Koppelung von Klima- und Sozialpolitik. „Die notwendigen Energieeinsparungen werden weh tun“, ist sich die Referentin sicher und sieht es als unredlich an, dass dann immer damit argumentiert werde, dass es sich die ärmere Bevölkerungsgruppe nicht leisten könne. Auf der anderen Seite seien energieintensive Großbetriebe teilweise oder sogar ganz von der EEG-Umlage befreit, die 2010 eingeführt wurde, um den Ausbau der erneuerbaren Energien zu finanzieren.

Ein Zuhörer brachte es abschließend auf den Punkt: „Wir verbessern uns nur, wenn der Leidensdruck groß genug ist.“ Das habe er bei sich selbst festgestellt. Erst als das Öl zu teuer wurde, habe er ernsthaft begonnen, Einsparungen vorzunehmen.

Pastor Detlef Salomo schenkte Referentin Katja Breyer einen Korb voll ungespritzter Äpfel.

Pastor Detlef Salomo schenkte Referentin Katja Breyer einen Korb voll ungespritzter Äpfel. Foto: Friedrich Schönhoff

Die Referentin stimmte ihm zu, gab aber zu bedenken, dass die, die unsere Umwelt am meisten schädigen – und dazu gehöre Europa – bisher die wenigsten Auswirkungen spürten. Deshalb befürworte sie die Aktion „Fridays for future“ zu unterstützen, um den Druck auf die Politik zu erhöhen.

Pastor Salomo appellierte ebenfalls an die Zuhörer, im eigenen Umfeld zu beginnen und zitierte die evangelische Theologin und Dichterin Dorothee Sölle mit den Worten: „Da kann man nichts machen ist ein zutiefst unchristlicher Satz.“

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