Gemeinde verlangt Restrukturierungsprogramm von den Sportfreunden Lotte
Kurse auf dem Prüfstand

Lotte -

Die Gemeinde Lotte unterstützt mit der Übernahme der Rechte an der Turn- und Gymnastikhalle, der Geschäftsstelle und der Westtribünen-Umkleiden der Sportfreunde Lotte keineswegs den Profifußball, sondern das umfangreiche Breitensportangebot des Vereins.

Dienstag, 15.10.2019, 17:42 Uhr aktualisiert: 15.10.2019, 18:00 Uhr
Bootscamp im Rahmen der Sportnacht der Sportfreunde Lotte. Bei dieser Breitensportart, die Philip Tietze gemeinsam mit der Leiterin Breitensport der Sportfreunde Iris Unland zeigt, geht es darum, in kurzer Zeit den Körper fit zu bekommen.
Bootscamp im Rahmen der Sportnacht der Sportfreunde Lotte. Bei dieser Breitensportart, die Philip Tietze gemeinsam mit der Leiterin Breitensport der Sportfreunde Iris Unland zeigt, geht es darum, in kurzer Zeit den Körper fit zu bekommen. Foto: Friedrich Schönhoff

Das sei bisher aus den seit dem Abstieg aus der 3. Liga entfallenen Überschüssen aus dem Profisport mitgetragen worden. „Nun müssen Sparmaßnahmen ergriffen werden“, hatte Bürgermeister Rainer Lammers kürzlich bei einer Pressekonferenz erklärt. Auf Nachfrage erläuterten Wirtschaftsprüfer Reimond Menke und der Verwaltungschef, wie sich die Gemeinde dabei vor einem Fass ohne Boden schützt.

„Wir übernehmen die Gebäude, wir kaufen sie nicht“, hatte Lammers betont. Die Mittel dafür – rund eine halbe Million Euro – kommen aus dem Haushalt, der dadurch „in keinster Weise“ belastet werde: „Wir sind in einer guten finanziellen Lage. Andere vorgesehene Projekte leiden nicht darunter“, hatte der Bürgermeister versichert.

Folgekosten entstünden lediglich für die Instandhaltung: Da die Gebäude noch relativ jung seien, „sehen wir keinen Renovierungsstau“, unterstrich Lammers auf Nachfrage, dass die Gemeinde hier nach derzeitigem Stand keine Investitionen tätigen müsse.

Das Breitensportangebot, das in seinem Umfang vielen Ratsmitgliedern erst im Laufe der seit Mitte des Jahres mit dem Verein geführten Gespräche richtig bewusst geworden sei, liege der Gemeinde am Herzen. „Das hat uns zur Übernahme der Gebäude veranlasst“, sagte Lammers jetzt auf Nachfrage, betonte aber gleichzeitig, dass jetzt jede Ausgabe der Sportfreunde auf den Prüfstand gehöre: „Eins ist klar: Die Gemeinde wird in ganz enger Abstimmung mit den Sportfreunden über Maßnahmen beraten, die dort angegangen werden müssen.“

Die Fraktionsvorsitzenden von SPD, CDU und FDP, Thomas Giebel, Werner Schwentker und Friedhelm Pösse, hatten in der Pressekonferenz die im Hauptausschuss und im Rat zunächst nichtöffentlich diskutierte und mehrheitlich beschlossene Dringlichkeitsentscheidung des Bürgermeisters als eine Lösung begrüßt, „um die aktuellen Probleme des Vereins langfristig in ein gutes Fahrwasser zu bringen“. so Giebel.

Laut Schwentker war „die Zuordnung der Geschäftsstelle, Umkleiden und Gymnastikhalle längst überfällig“. Und der FDP-Fraktionschef sagte: „Wir hatten nur ein Problem: Dass wir die Zustimmung des Kreises haben wollten, dass alles rechtmäßig ist. Diese hat die Verwaltung nun vorgelegt. Darum tragen wir es mit.“

Die Grünen hatten dagegen gestimmt, was ihr Fraktionschef Dieter Hörnschemeyer so begründete: „Unsere Maxime ist: Wir unterstützen den Breitensport, nicht den Profisport.“ Dagegen sei wiederholt verstoßen worden; die Gemeinde müsse den Verein jetzt unterstützen, weil die Profi-Mannschaft abgestiegen sei. Dabei liege aktuell kein Antrag der Sportfreunde auf Unterstützung vor und es gebe zu viele unbeantwortete Fragen. „Ich habe ganz andere Zahlen gelesen als die nun genannten“, so Hörnschemeyer.

Dazu erklärte Lammers auf Anfrage, dass damit wohl andere Zahlen aus der Vergangenheit, beispielsweise die Übernahme einer Bürgschaft, gemeint seien: „Die aktuelle Zahl, um die es hier geht, ist die genannte Summe von rund 500 000 Euro.“

Wirtschaftsprüfer Reimond Menke erklärte, dass es in der Lotter Kommunalpolitik in der Tat die Angst gebe, „dass der Profi-Fußball den Breitensport runterzieht“. Deshalb fordere die Gemeinde vom Verein ein Restrukturierungsprogramm, das bis zur Aufspaltung in eine eigene GmbH gehen könne. Die Sportfreunde müssten ihren Wirtschaftsplan jetzt an die veränderte Situation anpassen.

„Die Gemeinde möchte ein angemessenes Angebot im Breitensport“, so Menke. Dazu seien eine Reihe von Vereinbarungen getroffen worden. Bisher sei der Breitensport aus Überschüssen des Profisports finanziert worden. Jetzt müsse Kursus für Kursus geprüft werden, ob sich das Angebot trägt. Zu Streichungen und Einsparungen müsse die Gemeinde gehört werden: „Es gibt keinen Automatismus mehr“, unterstrich der Wirtschaftsprüfer die Darstellung des Bürgermeisters über die enge Abstimmung zwischen Gemeinde und Verein. Damit sei auch sichergestellt, dass in diesem Bereich die Kommune das Heft in der Hand hat.

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