Lüftet moderne Technik das Geheimnis des Osterberger Klosters?
Auf den Spuren der Kreuzherren

Lotte -

Man muss schon sehr viel Vorstellungsvermögen aufbringen, um unterhalb des Klausbergs im Lotter Ortsteil Osterberg die Grundmauern des einstigen Männerklosters zu erkennen. Mit detektivischem Spürsinn hat Björn Fortmeyer, Vorsitzender des Vereins Wir für Osterberg, eine spannende Theorie entwickelt.

Mittwoch, 23.10.2019, 16:08 Uhr
Nur wenige Relikte aus dem Osterberger Kloster gibt es noch. Im Schützenhaus referierte Björn Fortmeyer über seine Recherchen.
Nur wenige Relikte aus dem Osterberger Kloster gibt es noch. Im Schützenhaus referierte Björn Fortmeyer über seine Recherchen. Foto: Ursula Holtgrewe

„Für mich war es eine Herausforderung herauszufinden, wie das Osterberger Kloster gelegen haben könnte“, beschrieb der Architekt Björn Fortmeyer seine Herangehensweise und das Sammeln von Indizien. Also nahm er sich die Typologie des Klosterbaus vor, die eng mit der Historie der Ordensbrüder verbunden ist. Den Vortrag, den er vor Vereinsmitgliedern bei einer Kaffeerunde im Schützenhaus auf dem Klausberg hielt, titelte er: Claustrum mons oriens (Lateinisch für: Das Kloster auf dem Berg des Ostens).

Zuvor hatte Fortmeyer viel gelesen, beispielsweise im Internet, in einer Kirchenchronik des ehemaligen Alt-Lotter Pastors Eberhard Müller und im Diözesanmuseum in Osnabrück. Erstmals urkundlich erwähnt wurde Osterberg in 1251 von Ritter Herrmann Haake. Über eine Altarspende in die Bauernschaft seinerzeit resümierte Fortmeyer: „Es stand hier nicht nur ein fuddeliger Hof. Ich vermute, dass es hier eine Bauernschaft gab, die das Interesse der Mönche geweckt hat.“

So sei es vermutlich zur ersten Klostergründung durch die Brüder des gemeinsamen Lebens gekommen, sagte Fortmeyer. „Der Orden war nicht überlebensfähig. In 1432 kam es dann zur zweiten Klostergründung durch den Orden vom heiligen Kreuz. Er gehörte zum Generalkapitel in Köln. Für 200 Jahre stellte das Kreuzherrenkloster eine wichtige Institution in der Region dar“, recherchierte der gebürtige Osterberger. Davon zeugten unter anderem die Osterberger Reihe in Osnabrück und in Bippen die Höfe Niemann, Tammen und Schwerberg sowie, teils vermutete, Kirchengründungen in der Region.

Fortmeyer ist unterhalb des Bereiches in direkter Nachbarschaft der Küörken, der Klosterküche, aufgewachsen. „In dem Gebäude gibt es noch meterdicke Wände“, berichtete er.

Die Mönche vom heiligen Kreuz waren europaweit vertreten. „Das Mutterkloster stand im belgischen Huy und ich schätze, das südlichste im französischen Bordeaux, das nördlichste in Leeuwarden in den Niederlanden, das westlichste im südenglischen Oxford und das östlichste bei Bad Pyrmont in Falkenhagen.“ Als fünftes Kloster der Kreuzherren sei das Osterberger gegründet worden. Sie hätten weniger Seelsorge betrieben, als vielmehr das Vervielfältigen von Schriften, darüber hinaus betreuten sie Herbergsbetriebe, auch für Pilger. „Vom Papst haben sie sogar eine eigene Gerichtsbarkeit zugestanden bekommen“, erklärte Fortmeyer.

In Osterberg fanden die Mönche topographisch ideale Bedingungen vor. Vom Klausberg aus konnten sie weit ins Tal schauen. Der Mühlenbach speist sich aus dem Hagenberg, der zum Kloster gehörte. Wasser zum Bierbrauen, für das die Osterberger Mönche regional geschätzt waren, floss quasi vor ihrer Tür vorbei. Fischzucht und Ackerbau konnten die Gottesmänner gleichfalls betreiben.

Bei seinen Recherchen besuchte Fortmeyer die von Eberhard Müller als die fünf westfälischen Klöster der Brüder vom heiligen Kreuz genannten Standorte: Falkenhagen, Kloster Bentlage (Rheine), Kloster Höhnscheid (Bad Arolsen) und Kloster Glindfeld (Winterberg). Besonderen Charme strahlten auf ihn die Gebäude und die Anlage in Falkenhagen aus. Dort reifte eine besondere, die Indizien unterstützende Idee in dem Osterberger Architekten, zumal die Klöster zeitweise parallel gebaut wurden: Osterberg von 1432 bis 1527, Falkenhagen von 1432 bis 1596.

„Die Klöster waren wie Konzerne strukturiert, die Wissen und Waren umverteilt haben. Ich stelle mir vor, dass die Mönche in Osterberg Bordeauxwein in den Messen getrunken haben“, spekulierte er schmunzelnd. Im Zuge des Wissenstransfers sei es sehr gut möglich gewesen, dass sie einen halbwegs einheitlichen Typus von Klöstern mit rechteckigem Grundriss, Kirche, Schlafräumen und Küche gebaut haben.

Für den Architekten lag es folglich nahe, sich die Anlage von Falkenhagen, wie sie seinerzeit ausgesehen haben könnte, aufzuzeichnen und den Plan maßstabsgetreu über das Areal von Osterberg zu legen. „Bei manchen Gebäuden hier meint man erkennen zu können, dass sie auf ehemaligen Klostermauern stehen“, beschrieb Fortmeyer sein Rechercheergebnis.

Das ergänzte die Ansichtskarte aus Osterberg, die Conny Meyer zur Verfügung stellte und damit Emotionen weckte. Fortmeyer erklärte: Der Nachfolgebau vom Wirt Oslage, war als Gaststätte Schreck bekannt und ist vor einigen Jahren abgebrannt. Die Hofanlage des Klosterkellers wurde mit Blick auf die Denkmalwürdigkeit vor zirka 20 Jahren von Familie Warmann saniert und geringfügig umgebaut. Im Schulgebäude lernten Osterberger bis in die 1950er Jahre; es ist heute Wohnhaus.

Dass manche Gebäude auf Klostermauern gründen, sind vorerst Vermutungen. Wenn es optimal läuft, dann werden sie sich im kommenden Jahr bestätigen. „Ich habe mit der Denkmalbodenpflege Kontakt aufgenommen und dort meine Vermutungen geäußert, dass in einem Garten Reste des Klosters mit innen liegendem Kreuzgang unter der Erde liegen könnten“, berichtete der Osterberger.

Dort sei er auf großes Interesse gestoßen und habe die Zusage erhalten, dass die Denkmalbodenpflege eine Magnetometer-Aufnahme des Bereiches machen wird. „Das funktioniert wie ein Bodenradar. Vielleicht zeigt sich ja die Struktur der Wirtschaftshöfe unseres Klosters unter der Erde“, macht Fortmeyer keinen Hehl daraus, dass er bereits jetzt sehr gespannt ist, ob seine Spekulationen die Wahrheit treffen.

Die Osterberger Mönche verließen 1663 ihre Wirkungsstätte endgültig, als die Schweden im 30-jährigen Krieg das Kloster einnahmen. Sie zogen nach Bentlage. Gottesdienste gab es für einige Jahre in der Klosterkirche weiterhin. In 1730 schrieb der Historiker Johann Diederich von Steinen von einer „überaus schönen Kirche daselbst“. Andere Chronisten beschreiben Ruinen bereits um 1655. Das Kloster wurde geschliffen, der hiesige Sandstein anderweitig verbaut.

Beim Treffen zur Osterberger Heimatkunde waren die Besucher beeindruckt von der Informationsfülle und der Fleißarbeit Fortmeyers. „In Gesprächen hinterher hat es verschiedentlich geheißen, dass in einigen Gärten beim Graben Betonmauern entdeckt worden sind“, berichtete der Architekt. Er appelliert an die Osterberger, ihm Wissen und Material zur Verfügung zu stellen für weitere Vorträge von Fachleuten, vielleicht auch vom Wersener Wolfgang Johanniemann, der Informationen über Lottes Heimatkunde zusammenträgt.

Mal sehen, was die Bodendenkmalpfleger entdecken.

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