Verwaltung leitet Ordnungswidrigkeitsverfahren ein
Eichen unfachmännisch beschnitten

Alt-Lotte -

Ohne Genehmigung wurden jahrzehntealte Bäume an Alt-Lottes Ringstraße beschnitten. Das hat nicht nur Verärgerung in der Bevölkerung hervorgerufen: Im Lotter Rathaus wird ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet. Das Unternehmen MSH sieht sich zu Unrecht beschuldigt. Es erwägt gerichtliche Schritte.

Mittwoch, 06.11.2019, 17:46 Uhr aktualisiert: 07.11.2019, 16:58 Uhr
Entsetzt sind Ursula Wilm-Chemnitz und Horst Daamen über das unfachmännische Abholzen der Eichenäste.
Entsetzt sind Ursula Wilm-Chemnitz und Horst Daamen über das unfachmännische Abholzen der Eichenäste. Foto: Ursula Holtgrewe

Lotter Bürger sind sauer. Sie verschafften ihrem Ärger teils drastisch Luft: „Als ich das gesehen habe, sind mir die Tränen gekommen.“ „Sie haben den Bäumen komplett das Leben genommen. Die Kronen sind rausgeschnitten worden. Das werden die alten Eichen nicht überleben.“ „Es geht ein Wutschrei durch den Ort.“ Ähnliches bekam auch Lottes Umweltbeauftragte Ursula Wilm-Chemnitz von entrüsteten Anliegern und Spaziergängern zu hören. „Es ist gut, dass sich die Bürger bei mir melden. Vitale Bäume sind massakriert worden. Vermutlich sind sie in zwei Jahren tot“, sieht sie auf Nachfrage wenig Chance auf Rettung von zwie der drei betroffenen Eichen.

Fotos von Anwohnern liegen ihr seit einigen Tagen vor. Sie zeigen zwei Menschen in einem Korb, der an einem Kran hängt. Beide machen sich an einer Eiche zu schaffen. Die Vermutung liege nahe, dass die Anlieger etwas mit der Aktion zu tun haben könnten, sagt die Umweltfachfrau mit Blick auf Baumabschnitte in deren Gärten: „Derartige Arbeiten werden entweder von Baumkletterern oder vom Hubwagen aus ausgeführt“, erläutert Wilm-Chemnitz.

Teils herausgerissen sind große Stücke der Borke unterhalb großflächiger Schnittstellen – ideale Einfalltore für Bakterien und Pilze. „Aber den Totholzast, der wirklich gefährlich werden kann, der blieb sitzen“, kommentiert Wilm-Chemnitz.

Bereits vor einiger Zeit hatte sich einer der Ringstraßen-Anwohner an die Verwaltung gewandt. „Er hatte Sorge, dass die Eichen bei Sturm einen Schaden an seinem Haus verursachen könnten. Ich habe ihm unmissverständlich erklärt, dass diese Bäume Altbestand und im Baumkataster als ‚festgesetzt‘ aufgenommen sind“, betont Wilm-Chemnitz. Weiterhin habe sie ihn darauf aufmerksam gemacht, dass ohne ein Gutachten keinerlei Eingriffe an den Bäumen durchgeführt werden dürften. „Ich habe ihm erklärt, dass er lediglich Totholz entfernen kann, damit es beim Hinabfallen keinen Schaden anrichten kann“, sagt die Umweltbeauftragte.

Aufgrund der Bürgerproteste wegen der beschnittenen Eichen verschaffte sie sich selbst Eindrücke von den alten Bäumen. Das Ergebnis beschreibt sie folgendermaßen: „Zwei Bäume wurden übelst beschnitten, ein dritter ein bisschen. Und das sehr unfachmännisch.“ Sie bezweifele, dass die Bäume noch zu retten seien. Das werde sich erst in zwei Jahren zeigen.

Die Fotos entrüsteter Bürger belegen, dass bereits am Donnerstag vor einer Woche begonnen wurde, dicke Äste von einem an einem Kran hängenden Korb aus abzusägen. Der Kran gehört der Westerkappelner Baufirma MSH , die die Neubauten auf dem Nachbargrundstück ausführt.

Das hat die Gerüchteküche offenbar zum Brodeln gebracht: MSH ist als Verursacher in Verdacht geraten. „Die Aktion ist ohne unser Wissen abgelaufen“, betont Abteilungsleiter Horst Daamen verärgert. Er sei aus allen Wolken gefallen, als er am Montag die beschädigten Bäume gesehen habe: „Mir hat das Herz geblutet.“ Schließlich habe MSH den Bebauungsplan derart gestaltet, dass die alten Bäume nicht beschädigt würden.

Auf der Baustelle seien auch Subunternehmer tätig, erklärt Daamen. „Es wird Konsequenzen geben, weil derartige Tätigkeiten ohne Erlaubnis ausgeführt worden sind. Wir behalten uns weitere rechtliche Schritte vor“, droht er. Andererseits ist Daamen verärgert, dass sich Bürger nicht bereits am Donnerstag bei MSH, der Verwaltung oder gleich der Polizei gemeldet haben: „Ein Anruf bei uns hätte mit unterdrückter Telefonnummer anonym eingehen können. Wir wären sofort vor Ort gewesen und hätten dem Baumfrevel Einhalt geboten.“

Lottes Umweltbeauftragte hat ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet und einen vereidigten Baumsachverständigen hinzugezogen. „Das gesamte Verfahren wird richtig teuer“, sagt Wilm-Chemnitz.

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