Vortrag beim evangelischen Männerkreis
Lotter Kreuz oder Osnabrück West?

Lotte -

Von der Geschichte der „Hansalinie“, den Widerständen gegen die A 1 im Tecklenburger Land und dem Unmut der Lotter über den ursprünglichen Namen „ihres“ Autobahnkreuzes handelte der Vortrag von Wolfgang Johanniemann beim Talk des evangelischen Männerkreises Alt-Lotte.

Donnerstag, 07.11.2019, 16:58 Uhr aktualisiert: 08.11.2019, 14:38 Uhr
Der damalige Bundesverkehrsminister Georg Leber gab das Autobahnkreuz Lotte/Osnabrück am Montag, 14. November 1968, um 12.58 Uhr frei.
Der damalige Bundesverkehrsminister Georg Leber gab das Autobahnkreuz Lotte/Osnabrück am Montag, 14. November 1968, um 12.58 Uhr frei. Foto: Gemeinde Lotte

Dabei erzählte der Wersener, dessen große Leidenschaft die Geschichte seiner Heimat ist, nicht nur vom Bau des Autobahnkreuzes Lotte/Osnabrück, sondern räumte auch auf mit der Mär, die Adolf Hitler als den Erfinder der Autobahn darstellt. Er habe sich lediglich ein Projekt des „HaFraBa“ zu eigen gemacht: Der „Verein zur Vorbereitung der Autostraße Hansestädte-Frankfurt-Basel“ diente in der Weimarer Republik der Vorbereitung von „Autostraßen“ und hatte bereits 1926 fertige Pläne für eine Strecke von Hamburg bis nach Basel.

Auch dass Hitler mit dem Autobahnbau die Massenarbeitslosigkeit beseitigte, entlarvte Johanniemann als Lüge. Zu Spitzenzeiten waren lediglich etwa 130 000 Menschen im Straßenbau beschäftigt, was angesichts von damals sechs Millionen Erwerbslosen kaum Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt hatte. Zudem waren die Zahlen schnell rückläufig, weil immer mehr Personal für die Rüstungsindustrie benötigt wurde.

In Lotte stieß die 1963 festgelegte Trassenführung der „Hansalinie“ zunächst auf Widerstand, wie Johanniemann berichtete. Ausgerechnet auf dem Osterberger Schützenfest wurde bekannt, dass der damalige Verkehrsminister Hans-Christoph Seebohm beabsichtige, eine Besichtigungsfahrt entlang der geplanten Autobahntrasse zu unternehmen. Das veranlasste den Gastwirt und Malermeister Gustav Schreck dazu, direkt vom Schützenfest aus Tapetenrollen zu besorgen, die als Transparente beschriftet wurden und den Osterbergern beim ministerialen Besuch des kommenden Tages dazu dienten, eindrucksvoll zu zeigen, was sie von der Vernichtung des für den Bau benötigten Ackerlandes hielten.

Dass der Ankauf von fast 200 Hektar Fläche durch den Bund, verbunden mit dem Abriss von vier landwirtschaftliche Kleinbetrieben, zwei Heuerhäusern, einem Geschäftshaus, weiteren Teilabrissen und der Umsiedlung von drei landwirtschaftliche Vollerwerbsbetrieben, dann doch im Einvernehmen gelang, ist wohl dem Geschick der damaligen Verhandlungskommission zur Flurbereinigung unter dem Vorsitz von Wilhelm Mutert zu verdanken.

In einer Rekordzeit von nur zwei Jahren konnten dann der Bau der Autobahn 1 durch das Tecklenburger Land und die Errichtung des Autobahnkreuzes erfolgen. Eine damalige hauseigene Zeitung der Firma Trapp, die beim Bau des etwa zehn Kilometer langen Teilstückes der A 1 durch das Tecklenburger Land federführend war, listete auf, mit wie viel Maschinen fast durchgehend gearbeitet wurde: 12 Scraper, also Schürfzüge zum Abtragen des Erdreiches, drei große und 28 kleinere Raupen für Erdarbeiten, 15 Bagger, zwei Grader (Planierraupen) und 60 Dreiachser-LKW – da denkt vielleicht so mancher Autofahrer, der heute an dünn besetzten Baustellen, im kilometerlangen Stau steht, wehmütig an die Zeiten des Wirtschaftswunders zurück.

Am 14. November 1968 war das Werk schließlich vollbracht. In Lotte war an diesem Montag schulfrei, mehrere Musikgruppen waren mit Bussen angereist und jeder, der es irgendwie einrichten konnte, stand in Sichtweite der Autobahn, als Verkehrsminister Georg Leber um 12.58 Uhr mit einem Funkspruch vom Streifenwagen Berta 1 die Autobahn samt ihres Kreuzes freigab.

Schwieriger als der Bau des Autobahnkreuzes war anscheinend die Namensgebung. Schon 1964 war der Beschluss im Bundesverkehrsministerium gefallen, das neue Autobahnkreuz „Osnabrück West“ zu nennen. Das aber stieß bei den Lotter Bürgern auf erheblichen Widerstand.

„Wenn wir schon den Großteil der Fläche zur Verfügung stellen, dann muss das Autobahnkreuz auch unseren Namen tragen,“ war die damals vorherrschende Meinung in der Gemeinde Lotte. 1200 Unterschriften bekräftigten diesen Willen. Dass der damalige Bürgermeister Jürgen Steinschulte diese zusammen mit einem westfälischen Schinken und einer Flasche Korn höchst persönlich ins Verkehrsministerium nach Bonn brachte, ist nur eine von vielen Legenden, die um die Namensgebung des Autobahnkreuzes ranken. Dokumentiert dagegen ist, dass das Bundesverkehrsministerium den Namen revidierte. Er lautet bis heute „Autobahnkreuz Lotte/Osnabrück“ und dürfte längst allgemein auf Zustimmung stoßen.

Am 21. November 1968 dagegen veranlasste der Name einen Osnabrücker Bürger zu folgendem Leserbrief: „Westfälische Dickköpfigkeit hat sich in Bonn durchgesetzt... Was werden die Leute sagen, wenn der Lotter-Bube nach einer auf dem Lotter-Bett verlotterten Nacht sein Lotter-Kreuz spürt?“

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